Staßfurt (chj) l Nachdem die Handballerinnen des HC Salzland 06 vor sechs Wochen Tabellenführer Kirchhof schlugen, gelang ihnen nun gegen den Zweiten der 3. Liga, den SV Germania Fritzlar, der nächste Coup. Die Wildgänse setzten sich gestern in der Staßfurter Paul-Merkewitz-Halle mit 26:24 (13:14) durch und erwiesen sich damit als Favoriten-Schreck.

Wenige Minuten nach Abpfiff - die "Wildgänse" jubelten munter - saß Fritzlars Trainerin Vikoria Marquardt allein auf der Mannschaftsbank, die Hände vor dem Gesicht. Selbst Minuten nach dem Spiel schaute sie verzweifelt und ungläubig. "Wir wussten, dass es schwer wird", erklärte sie. Ihr war klar, dass der HCS 06 nach der 20:27-Hinspielpleite auf Revanche aus war. Und das war stets zu spüren - vor allem in der Defensive.

Diese war nämlich einmal mehr das Salzländer Erfolgsrezept. "Alle haben hinten zugefasst", lobte HCS-Kapitän Yvonne Sachse, die ohnehin nicht für eine zimperliche Gangart bekannt ist. Ihre Mitspielerinnen taten es ihr gleich und versuchten, Fritzlars schwungvolle Angriffe beherzt zu stoppen. Tat sich doch mal eine Lücke auf, war Schlussfrau Josephine Klauß zur Stelle. "Josi war spitze", lobte Sachse und fügte mit einem Schmunzeln an: "Man kann sie ruhig mal loben." Klauß glänzt nicht erst seit gestern und zählt zu den besten ihrer Zunft in der Liga. Vier vereitelte Strafwürfe unterstrichen ihre Leistung.

Während es hinten meist bestens lief, war die Offensive einmal mehr das Salzländer Sorgenkind. Vor allem im zweiten Durchgang ließen die Gastgeberinnen viele Möglichkeiten ungenutzt. Aber: "Du kannst vorn noch so viele Tore erzielen. In der Abwehr gewinnt man Spiele", erklärte Sachse. Die starke Abwehrarbeit gipfelte darin, dass Fritzlar nach dem Seitenwechsel innerhalb von 15 Minuten nur einen Treffer markierte.

Dann stellte Marquardt auf zwei Kreisspielerinnen um, was den Gastgeberinnen nicht schmeckte. "Dann wurde die Vorgabe aufgelöst", haderte die Trainerin. Dies wiederum schmeckte den Gastgeberinnen. Am Ende war es Caroline Rosiak, die binnen zehn Minuten vier Konter lief und für die Entscheidung sorgte. "Ich habe zu ihr gesagt `Caro, zünde deinen Turbo` - und sie tat es", freute sich Sachse. "Das war ganz wichtig."

Schließlich wurde es ein taktischer Arbeitssieg der "Wildgänse". Dank der souveränen Abwehr konnten die Fehler im Angriff ausgebügelt werden. Anders bei Fritzlar: "Wir haben zu viel liegenlassen und vor allem in der zweiten Hälfte zu mutlos agiert. So gewinnt man kein Spitzenspiel", ärgerte sich Marquardt.

Auf Seiten der Salzländerinnen überwog trotz der teils stockenden Offensive die Freude. "Wir haben gesehen, dass jeder Gegner schlagbar ist", sagte Sachse. "Wir waren gut auf Fritzlar eingestellt und fühlen uns in der Paul-Merkewitz-Halle einfach wohl."

HC Salzland 06: Klauß, Schmidt - Schwarz (2), Beck (1), Block, Rosiak (4), Schmitz (4/1), Retting, Jäger (6), Farken (2), Knappe, Sachse (5), Göpel, Schüler (2)

Germania Fritzlar: Maier, Auel - Kleinmann (3), Kirmse (1), Kurzbuch (1), Huck (2), Fischer (4), Puntschuh, Horn (8/1), Berz, Meyfarth (5/1), Dreyer

Siebenmeter: Salzland 2/1 - Fritzlar 6/2; Zeitstrafen: 4 - Fritzlar 2