Bei der Mitgliederversammlung des Leichtathletik-Verbandes Sachsen-Anhalt (LVSA), die im Schönebecker "Inno-Life" stattfand, wurde Laufwart Andreas Broska von der TSG Calbe zum Vizepräsidenten Breitensport gewählt. Für reichlich Diskussionen sorgte allerdings vor allem die Kluft zwischen Läufern und Stadion-Athleten.

Schönebeck l Interessant wurde es beispielsweise bei Antrag 2, mit den die Satzung geändert werden und ein stimmberechtigtes Laufmitglied ins Präsidium (Vizepräsident Lauf) aufgenommen werden sollte. Mit 45 Ja- und 37 Nein-Stimmen wurde dieser abgelehnt. LVSA-Präsident Gerry Kley erklärte: "Die Zusammensetzung des Präsidiums ist mit Absicht so gewählt, um neutral für alle handeln zu können." Mit der Wahl von Broska zum Vizepräsidenten Breitensport (19:8 Stimmen), der einziger Kandidat war, können nun doch die Interessen der Läufer vorgetragen werden.

Für heiße Diskussionen im Vorfeld sorgte die Einführung des Startpasses für Landescup-Läufer, der als ein Grund für die sinkenden Teilnehmerzahlen ausgemacht wurde. Mit 45:39-Stimmen wurde für die Abschaffung - rückwirkend zum 1. Januar 2015, gestimmt, obwohl dieser für Meisterschaften benötigt wird, beispielsweise heute bei den Landes-Titelkämpfen Straßenlauf in Naumburg. Wer seinen Startpass bereits bezahlt hat, behält diesen. "Es wird kein Geld zurück gezahlt", erklärte Broska.

Dennoch setzte es viel Kritik, da es in jeder Sportart Startpässe gebe, nur eben bei den Läufern nicht. Nun könne dem Verband Geld fehlen. "Es gibt andere Gründe, dass der Landescup weniger Teilnehmer hat. Das Angebot an Wettkämpfen und anderen Cups hat sich vergrößert. Zudem sind viele Menschen weggezogen", vermutete Jens-Uwe Börner von der Gaensefurther Sportbewegung. Kley merkte an: "Läufer, die in keinem Verein sind und keinen Startpass besitzen, aber an Wettkämpfen teilnehmen, profitieren kostenlos von den Leistungen des LVSA."

Die Diskussion sorgte für Wortgefechte. "Ich bin enttäuscht, wie die Läufer ihre Meinung mit aller Gewalt durchsetzen wollen. Die Art und Weise der Argumentation, die Bissigkeit hat mich erschreckt. Es war keine gute Stimmung", berichtete Hans Weber, Wettkampfwart des Schönebecker SC und von der Startpass-Stelle des LVSA. "Die Läufer haben sich vor der Versammlung organisiert, damit möglichst viele Mitglieder anwesend sind, die dann gegen den Startpass stimmen." Dabei sind diese in allen Sportarten gang und gäbe. Analog gibt es beispielsweise Spielerpässe in Ballsportarten. "Wenn man an Wettkämpfen starten möchte - und der Landescup ist definitiv einer, weil man sich mit anderen messen will - benötigt man eine Startberechtigung." Um den Teilnehmer-Rückgang zu stoppen, "muss man mehr Attraktivität schaffen. Die Laufkommission ist meiner Meinung nach auf einem guten Weg. Allerdings fehlen aus der Laufszene noch mehr Vorschläge, um weiteren Anreiz dafür zu schaffen."

Neben dem Startpass sorgte auch die bevorstehende "Lauf-Maut" des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ab 2016 für Unmut. Mit diesem Beschluss erhöht der DLV die Abgabe der Veranstalter pro Teilnehmer auf einen Euro (Volksstimme berichtete). Da dieser Beschluss vom Bundesverband kam, kann der LVSA in diesem Fall keinen Alleingang vornehmen und muss sich fügen. "Es ist aber noch gar nicht raus, wie genau dies ablaufen soll. Es gibt viele Ungereimtheiten. Der DLV ist angehalten, seine Vorhaben so schnell wie möglich transparent zu gestalten", betonte Broska.

Für den Bereich innerhalb des Stadions, also Werfer, Sprinter oder Springer, gab es ebenfalls Änderungen, die bereits 2011 in Kraft traten, ab 2016 aber bindend für die Landesverbände werden. Der DLV hat beschlossen, den Kinderbereich U 10 aus der Teilnahme an Meisterschaften auszuschließen. Somit fallen auch die Mehrkämpfe weg. Dafür sollen sie in Teamwettbewerben starten. Die Disziplinen bewegen sich von der Hindernis-Sprint-Staffel über Ziel-Weitsprung und Einbein-Hüpfer-Staffel zum Medizinballstoßen und Hochsprung. Dies ist im Anhang 5 der Deutschen Leichtathletik-Ordnung genauer aufgeführt.

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