Leipzig (sbö/chj) l "Juliane Meyer!" - dieser Name hallte durch die Leipziger Innenstadt. In der Laufszene ist sie schon lange keine Unbekannte mehr, als Siegerin des 39. Leipzig Marathons stellte sie ihre Leistung nun wieder ganz stark unter Beweis. Dabei hatte die ehemalige Athletin des SV Concordia Staßfurt ihre Teilnahme bis zum letzten Moment in Frage gestellt. Im Dienste des Sportclubs der Deutschen Hochschule für Körperkultur (SC DHfK Leipzig) startete Meyer im Team BMW. Als hätte es der Sponsor gewusst, lief Meyer wie angeleint hinter der Zeitanzeige hinterher.

Dabei sah es bei Kilometer fünf noch gar nicht danach aus. Als Zweitplatzierte hielt sie zunächst respektvollen Abstand zur Favoritin Getachew Gebremedhin aus Äthiopien. Doch Gebremedhin schwächelte, bekam Probleme mit dem Kreislauf. Bei Kilometer zehn lag Meyer noch 45 Sekunden hinter der Favoritin. Auf den langen Strecken erspähte Meyer das weiße Führungsfahrzeug und Stück für Stück kam sie der Zeitanzeige näher. Die Favoritin überholt, schwebte Meyer förmlich an ihr vorbei. Es folgte der Durchlauf auf halber Strecke - ein Fest für die 26-jährige Lokalmatadorin. Das Leipziger Publikum feierte "ihre Juliane" bereits nach erfolgter Halbmarathondistanz: 1:26:34 Stunden, eine Zeit unter drei Stunden könnte die Siegerzeit werden.

Weit draußen auf der Strecke war Meyer wieder ganz einsam. Allein mit den Schmerzen in den schwer werdenden Beinen, allein mit jedem nicht enden wollenden Kilometer. "Ich hatte das Gefühl zu stehen, nicht wirklich vorwärts zu kommen,", erklärte sie. Einen Lauf auf Sieg hätte sie machen können. Ganz "easy", sie war doch schon auf Platz eins. Dass Meyer die Drei-Stunden-Schallmauer unterbieten kann, hatte sie bereits beim 7. Chemnitzer Stadtmarathon (2:57:54 Stunden) bewiesen. Neben einem neuen Streckenrekord bei den Frauen wurde sie 2014 gleichzeitig neue Sachsenmeisterin. Bereits 2012 siegte sie beim Mitteldeutschen Marathon in bisher nicht geknackten 2:57:12 Stunden.

Tausende Zuschauer im Start-Ziel-Bereich an der ARENA Leipzig trugen ihre Juliane über die Ziellinie. "Da kommt sie, liebe Leipziger, liebe Gäste, lassen Sie uns Juliane Meyer ins Ziel holen", schallte es. Schwere Schritte, Tränen des Glücks, Sekunden im Siegestaumel - Meyer gewann den Marathon in 2:57:35 Stunden.