Die großen Fragen waren: Wie wird sich der HC Salzland 06 aus der 3. Handball-Liga verabschieden? Wie wird die letzte gemeinsame Auswärtsfahrt? Dass die "Wildgänse" Bad Salzuflen mit 26:24 niedergerungen haben, wurde zur Nebensache.

Staßfurt l Vormittags trafen sich alle Beteiligten an der Staßfurter Post. Anschließend wurden weitere in Magdeburg eingesammelt, bevor es nach Bad Salzuflen ging. "Der Bus war voll", sagte HCS-Trainer René Linkohr. Neben der Mannschaft waren Lebensgefährten, Freunde und Fans dabei. Mehr als sonst. Es war schließlich die Abschiedsfahrt. Für alle an Bord war es eine komische Situation. Doch Tränen kamen noch nicht auf, im Gegenteil. "Es wurde eine durchweg positive Stimmung verbreitet", berichtete der Coach. "Die Mädels waren dabei redlich um die Verköstigung bemüht." Auch der berühmte Nudelsalat von Anika Lorf ging ein letztes Mal auf Reisen. "Essenstechnisch haben wir noch einmal alles aufgefahren, was nur ging", erklärte Carolin Beck. Wraps, Kuchen, Salate, belegte Brötchen, Würstchen und vieles mehr sorgten für eine gute Stimmung. "Ich habe keinen Versuch unternommen, irgendeine Ernsthaftigkeit aufkommen zu lassen", sagte Linkohr. Eine Aussage, die seitens des akribischen Trainers ungewöhnlich klang. Aber was war an diesem Tag schon normal.

Während die Hinfahrt noch locker verlief, zog auf der Platte Ernsthaftigkeit ein. Obwohl laut Linkohr alles "wesentlich unangespannter" als sonst verlief, bedurfte es nur weniger Worte. Der Coach verriet, was er der Mannschaft sagte: "Es ist unser letztes Spiel. Das gewinnen wir natürlich. Die haben bei uns gewonnen, also gewinnen wir bei denen." Carolin Beck berichtete: "Wir wollten einfach Spaß haben, unser letztes Spiel noch einmal zelebrieren und zeigen, was für eine tolle Mannschaft wir sind. Und das ist uns auch gelungen."

Die "Wildgänse" legten zum 4:0 vor und gaben die Führung über 60 Minuten nicht wieder ab. Bad Salzuflen verkürzte zwar mehrfach auf ein Tor, aber auch dann bewahrten die Gäste Ruhe. Alle bekamen Einsatzzeiten. Bis auf Paula Farken erzielten alle mindestens ein Tor zum Abschied. "Paula hat einfach nicht getroffen, das kommt im Handball mal vor", sagte Linkohr. Allen Beteiligten dürfte es allerdings reichlich egal gewesen sein.

"Wir hatten die ein oder andere Mühe, es war aber nie gefährdet", sagte der Coach. Die Gastgeber entpuppten sich dabei nicht unbedingt als die fairsten. Den Salzland-Fans, die für Stimmung sorgten, wurde angedroht, mit der Polizei entfernt zu werden. Außerdem ging Bad Salzuflen hart zu Werke, obwohl es um rein gar nichts ging. Linkohr fühlte sich "in eine Reise in die Vergangenheit versetzt, in einen Ost-West-Konflikt". Beck beschrieb die Reaktion der "Wildgänse" dazu: "Nachdem die Damen der gegnerischen Mannschaft recht forsch agierten, bedurfte es keiner weiteren Motivation." Während der Partie schob das Team alle Abschiedsgedanken beiseite und konzentrierte sich auf das Wesentliche, den Handball. Dies führte schließlich zum 26:24-Sieg. "Alle haben befreit aufgespielt, keiner hat sich irgendeinem Druck ausgesetzt", sagte Linkohr. Das war nicht selbstverständlich, zeichnet aber den Charakter des HCS aus. "Es war rundum gelungen. Wir sind mit einem Lächeln aus der Halle gegangen und in den Bus gestiegen."

Spielerisch wussten die "Wildgänse" einmal mehr zu überzeugen. Das war im Bus aber egal. "Wir haben auf dem Rückweg gefeiert - und das war die richtige Antwort", erklärte Linkohr. Der HC Salzland 06 war die beste Rückrunden-Mannschaft der Ost-Staffel. Im Vergleich aller vier Staffeln waren nur zwölf der 56 Teams besser. "Darauf können Spieler, Co-Trainer, Betreuer und meine Wenigkeit sich etwas einbilden", erklärte Linkohr und verwies auf die unterschiedlichen finanziellen Mittel der Konkurrenz.

"Uns hat dann ein bisschen die Realität eingeholt", sagte Beck. "Aber insgesamt war es eine schöne und amüsante letzte Auswärtsfahrt mit lustigen Momenten." Ein Selfie im Bus hielt schließlich die letzte gemeinsame Fahrt fest.