Im Fußball ist immer wieder von "echten Typen" die Rede. Einer davon ist Lukas Fiser, Torhüter von Landesklasse-Vertreter ZLG Atzendorf. Denn beim 2:2 (0:1)-Unentschieden gegen den TSV Hadmersleben in allerletzter Sekunde stand der Tscheche einmal mehr im Fokus.

Atzendorf l In der Schlussphase, die Atzendorfer lagen mit 1:2 hinten und hatten alles nach vorn geworfen, hielt es den Keeper nicht mehr hinten. Er ging dabei ein hohes Risiko ein, da dem TSV im Falle eines Konters keine Gegenwehr drohte. Doch dieses Risiko sollte sich auszahlen. In der 92. Minute bekam der Keeper in der Nähe des gegnerischen Strafraums den Ball, flankte in die Gefahrenzone, wo der ebenfalls aufgerückte Verteidiger Phillip Voigtländer wartete und clever einschob. Atzendorfs Trainer sprang seinem Keeper vor Freude in die Arme. Danach war Schluss und die ZLG rettete einen Punkt, der im Kampf um den Ligaverbleib noch wichtig werden könnte.

Einen Haken hatte der Treffer jedoch. Voigtländer stand in vermeintlicher Abseitsposition. Die Fahne blieb jedoch unten, sehr zum Unmut der Gäste. Den Gastgebern war dies allerdings egal, die Freude über Fisers Vorlage und Voigtländers "Last Minute"-Treffer überwogen. "Phillip ist auch im Training häufiger mal vorne", erklärte Grohe.

Doch Fiser stand bereits viel früher im Fokus, im Prinzip permanent. Von Beginn an war er im Tor gefragt, weil sich die Gäste vor allem im ersten Durchgang kaum stoppen ließen. Aber in der vierten Minute war auch der Tscheche machtlos, als Hadmerlslebens Torjäger Yves Reiser erstmals traf. Gleiches galt für seinen zweiten Treffer. "Er verfügt über eine super Schusstechnik", erkannte Grohe an.

Während Atzendorfs Keeper in zwei Situationen chancenlos war, überzeugte er in vielen weiteren als überragender Rückhalt. Selbst im Eins-gegen-Eins mit Reiser blieb er zweimal binnen weniger Augenblicke der Sieger. Fraglich war allerdings, ob Fiser überhaupt noch auf dem Rasen hätte stehen dürfen. In der 31. Minute stürmte Reiser allein auf den Keeper zu, der den Ball außerhalb des Strafraums mit der Hand stoppte, dafür aber nur Gelb sah - seine fünfte, für einen Keeper ungewöhnlich. "Einige Zuschauer standen besser als ich", sagte Grohe. "Sie haben berichtet, dass der Ball von seinem Gesicht an den Arm sprang." Da der Schiedsrichter aber auf Handspiel entschied, hätte es Rot nach sich ziehen müssen. Ein weiteres Mal war die TSV-Bank in Aufruhe.

Eine der wenigen Aktionen, an denen weder Fiser noch Reiser beteiligt waren, war der Anschlusstreffer zum 1:2 von Steve Strobusch per Flugkopfball. Wenige Minuten vorher wurde er für Stefan Rock eingewechselt, der sich vermutlich einen Muskelfaserriss zuzog. Auf die Frage, wieviele Treffer dieser Art Strobusch im Training erzielt, antwortete Grohe scherzhaft: "Gar keinen."

Der Anschlusstreffer leitete eine Druckphase ein, in der die ZLG bisweilen mit drei Stürmern - und Lukas Fiser - agierte. Strobusch, Sebastian Tolle und Andreas Spangenberg sorgten für Betrieb im TSV-Strafraum. Die Schlussphase wurde jedoch auch von einigen Freistößen begünstigt, die recht zweifelhaft waren. Verdient war der Punktgewinn aufgrund des Kraftaktes dennoch, auch wenn die Gäste dies nicht wahrhaben wollten und die Schuld bei Schiedsrichter Martin Roye suchten.

ZLG Atzendorf: Fiser - C. Rock, Voigtländer, Eisenträger, Faatz (74. Tolle), Isufi, Stange, Spangenberg, Sura, S. Rock (Strobusch), Knoll (62. Kutz)

Tore: 0:1, 0:2 Yves Reiser (4., 54.), 1:2 Steve Strobusch (67.), 2:2 Phillip Voigtländer (90+2); SR: Martin Roye (Kochstedt); ZS: 55