Jugendliche Unbekümmertheit auf der einen, jahrelange Erfahrung auf der anderen Seite – wenn zwei Protagonisten die Partie der Mitteldeutschen Oberliga prägten, denn waren es sicher der 22-jährige Staßfurter Sebastian Scholz und Glindes Torhüter Ralf Borchardt, mittlerweile jenseits der 40. Beide hatten großen Anteil, dass sich die in ihrer Zusammensetzung höchst unterschiedlichen Handballmannschaften am Ende doch egalisierten. Der HV Rot-Weiss Staßfurt und die SG Eintracht Glinde trennten sich am Sonnabend in der Merkewitz-Halle 29:29 (13:17).

Staßfurt. Für Borchardt war es zudem ein ganz besonderes Spiel, denn es war sein letztes für die Eintracht. Über das Hallenmikrofon verabschiedete er sich als aktiver Handballer. Zuvor stand er sinnbildlich für die Leistung einer Glinder Mannschaft, die ihr wohl niemand mehr zugetraut hatte. Wenig Fehler, hohe Wurfeffizienz, eine stabile Deckung mit einem bestens aufgelegten Torhüter. All jene Elemente, die Glinde auszeichneten, ließen die Hausherren vor allem in der ersten Hälfte vermissen. "Die Deckung hat keine Bindung gefunden und die Torhüter haben kaum einen Ball zu fassen bekommen", stellte HV-Rot-Weiss-Trainer Reiner Baumgart fest. So dominierte Glinde nach dem 3:3 die Partie, setzte sich bis zur achten Minute auf 3:7 ab, bis Baumgart eine Auszeit nahm. Als Folge führte nun Christian Lingk für David Stolze Regie, Scholz verkürzte mit einem Konter zum 5:7. Doch Glinde schlug mit dem fünften Treffer von Christoph Frank zurück – 5:9. Während Baumgart im weiteren Verlauf auf nahezu jeder Position wechselte, vertraute Eintracht-Trainer Andreas Wiese konsequent seiner Anfangssieben. Lediglich Frank erhielt Verschnaufpause, Martin Sowa ersetzte ihn in der Deckung. Als "Vorgezogener" unterband er das Angriffsspiel der Rot-Weissen, die zwar durch zwei Treffer von Roman Bruchno zum 10:10-ausglichen, in der Folge aber mehrfach mit halbhohen Würfen an Borchardt scheiterten. Glinde setzte sich so bis zur Pause zum 17:13 ab.

Zu Beginn der zweiten Hälfte suchte der HV Rot-Weiss Oliver Jacobi am Kreis, der einen Strafwurf rausholte, selbst traf und damit die Aufholjagd einläutete, die Scholz mit drei Treffern in Folge zur 22:21-Führung vollendete. Doch die Gäste spielten weiter konzentriert und diszipliniert, verloren nicht, wie so oft in der entscheidenden Phase, die Nerven und drehten umgehend den erstmaligen Rückstand. Matthias Scheller erzielte das 26:22. In der Schlussphase verhalf Staßfurt die Manndeckung gegen Scheller und Frank zu Ballgewinnen und Jacobi verkürzte per Gegenstoß zum 25:26.

Glinde machte nun erstmals in dieser Partie entscheidende Fehler, schwächte sich zudem mit zwei Zweitstrafen selbst. Andreas Lindemann riss Scholz von den Beinen, Scheller diskutierte zuviel und nahm ebenfalls auf der Bank platz. Die nummerische Überlegenheit nutzten die Rot-Weissen, gingen durch den achten Treffer von Scholz und abermals Jacobi mit 28:27 in Führung, Glinde glich zweimal aus und hatte es 50 Sekunden vor dem Ende in der Hand, in Ballbesitz den ersten Auswärtssieg zu landen, doch Frank schloss unvorbereitet ab. Lingk machte es im Gegenzug nicht besser, sein Pass erreichte Jacobi nicht – Endstand 29:29.

"Jeder war heiß hier zu spielen und meine Spieler hatten das erste Mal Spaß in der Abwehr", freute sich Wiese über einen Punkt, der der Eintracht mit Blick auf die Tabelle zwar nicht weiterhilft, aber wichtig für das Vertrauen in die eigene Stärke sein wird. Baumgart indes lobte die disziplinierte Spielweise der Gäste, haderte aber mit seinen Spielern, die "ihr Leistungsvermögen nicht ausgeschöpft haben."

HV Rot-Weiss Staßfurt: Wiederhold, Schliwa – Lingk (1), Stolze (1), Halfpap, Schröder, Wartmann (1), Bruchno (2), Retting (6), Jacobi (4), Ernst (3), Rach (1), Hähnel (2), Scholz (8)

SG Eintracht Glinde: Borchardt, Müller – Sonntag (3), Klein, Langoff, Sowa (1), Steinweg (1), Friedl (4), Scheller (4), Lindemann (2), Frank (11), Kühne (3)

Siebenmeter: Staßfurt 6/7 – Glinde 2/2; Zeitstrafen: Staßfurt 2 – Glinde 8