Wenn Ergebnisse zweitrangig werden, dann muss etwas Schlimmes vorgefallen sein. Die ZLG Atzendorf hat diese Situation am Sonnabend erlebt. Ihr Torjäger Steffen Linsdorf, der bereits angeschlagen war und erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, verletzte sich 15 Minuten vor dem Ende so schwer, dass er mit dem Krankenwagen abtransportiert werden musste. Ohne Linsdorf endete die Partie der Fußball-Landesklasse 1:0 (1:0) für den SV Union Heyrothsberge.

Schönebeck. "Das ist so ein Tag, den man am liebsten streichen würde", sagte Bernhard Knoll aus dem Trainergespann mit Steffen Grohe zur Partie, die mit dem Vorfall um Linsdorf für alle Atzendorfer bedeutungslos geworden ist. Die Schlussviertelstunde war bereits angebrochen, als der Stürmer beim Versuch, den Ball zu erlaufen, mit Heyrothsberges Torhüter Tim Nagel zusammenprallte. Linsdorf war wohl als erster am Ball, Nagel sprang ab und landete mit seinem Ellbogen direkt im Gesicht von Linsdorf, der blutüberströmt das Feld verließ und sofort in die Uni-Klinik in Magdeburg eingeliefert werden musste. Erste Diagnose: Nasenbeinbruch und Jochbeinbruch. Zuvor war ihm bereits der Kiefer gerichtet worden. Wann Linsdorf wieder auf das Spielfeld zurückkehren wird, ist ungewiss. "Ob er überhaupt noch Lust hat, Fußball zu spielen, wage ich zu bezweifeln", sagte Knoll, der die restliche Spielzeit mehr damit beschäftigt war, den Transport ins Krankenhaus zu organisieren, als dem Spiel Beachtung zu schenken.

Denn obwohl die ZLG seit der 26. Minute einem 0:1-Rückstand hinterherlief, präsentierte sie sich in Heyrothsberge stark verbessert als in den letzten Begegnungen. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, den Ball laufen lassen. Die Führung für Heyrothsberge war unglücklich." Diese erzielte Stefan Groth, nachdem die Atzendorfer den Ball nicht entschieden genug klären konnten und Groth diesen von der Strafraumgrenze platziert ins lange Eck schoss. "Die Führung fiel aus dem Nichts. Heyrothsberge hat mehr reagiert, als zu agieren", hatte Knoll beobachtet. Zuvor hatte er drei hochkarätige Chancen in der ersten Halbzeit gezählt. Die erste hatte Marcel Sündermann per Kopf, dann scheiterte der starke Daniel Ebeling zweimal aus aussichtsreicher Position. Die beste, ein Heber über Nagel, ging nur knapp über das Gehäuse.

In der zweiten Hälfte spielte sich das Geschehen mehr und mehr zwischen den Strafräumen ab. Silvio Franzelius hatte noch eine gute Gelegenheit, dem Spiel eine Wende zu geben. Er scheiterte mit seinem Freistoß aus 25 Metern am Pfosten. Zudem war niemand zur Stelle, der den Ball hätte verwerten können. So blieb es beim 1:0 bis zu Linsdorfs schwerer Verletzung. Fortan war an ein geregeltes Spiel nicht mehr zu denken. Knoll: "Da war Gift drin." Marcus Brüggemann ließ sich dann in der Schlussminute noch zu einer unpassenden Aussage gegenüber dem Schiedsrichter hinreißen und sah dafür die gelb-rote Karte. Es blieb beim 1:0 für den Gastgeber. "Wir haben unter den Verhältnissen ein Topspiel gemacht", lobte Knoll, der jedoch Linsdorfs Verletzung noch nicht verdaut hatte: "Ein herber Verlust."

Die ZLG steht am kommenden Wochenende vor einem "Sechs-Punkte-Spiel gegen Klein Wanzleben. Und obwohl das Ergebnis dort alles andere als zweitrangig ist, im Vordergrund steht die baldige Genesung von Steffen Linsdorf.

Heyrothsberge: Nagel - Boenigk (90. Rost), Kunze, Fischer, Groth, Krümling, Ziemann, Beyer, Ebers, Ulrich, Pinno (79. Schneider)

Atzendorf: Eisenträger - Ch. Rock, Franzelius, Rehbein, Voigtländer, Brüggemann, Ebeling, Schleysing, Sündermann (46. Linsdorf, 78. Loche), Sura, Stange