Seinen Spieler des Tages hatte der Mitteldeutsche Handball-Oberligist HV Rot-Weiss Staßfurt am Sonnabend zwischen den Pfosten stehen. Dieser hieß Sebastian Schliwa, der zum Ende der ersten Hälfte für den glücklos agierenden Stefan Wiederhold kam. Der 18-Jährige lief dann in den zweiten 30 Minuten zur Höchstform auf, hielt seine Mannschaft mit Glanzparaden auf Kurs und ermöglichte somit erst den 28:26 (13:16)-Erfolg gegen den HSV Ronneburg.

Staßfurt. Freudentänze auf der einen, niedergeschlagene Gesichter auf der anderen Seite. Die lang nach unten gezogenen Mundwinkel von Gästetrainer Steffen Schreiber sagten eigentlich schon alles: "Wir haben derzeit einfach nicht das Glück, um Spiele zu gewinnen." Dabei war sein Team den Rot-Weissen ebenbürtig, allerdings nur 55 Minuten lang. Staßfurts Coach Reiner Baumgart wusste um die Stärke der Thüringer, die unter anderem mit Matthias Zänsler und Lukas Zverina über einen starken Rückraum verfügen. Daher setzte Baumgart in der Abwehr zunächst auf die Variante 5-0-1 und betraute Tobias Ortmann mit Sonderaufgaben.

Doch den agilen Zänsler, der insgesamt sieben Treffer markierte, bekamen die Staßfurter einfach nicht in den Griff. Das hatte zur Folge, dass sich der HSV eine Zwei-Tore-Führung zum 2:4 erspielte (8.). Phasenweise agierte der Gastgeber zu hektisch, suchte oftmals zu früh den Abschluss und musste mit ansehen, wie die Ronneburger über die Stationen 4:7 und 6:9 zum 9:13 enteilten. Wiederhold bekam kaum einen Ball zu fassen, so dass Baumgart einen Torhüterwechsel vornahm, der sich am Ende auszahlen sollte. Auch die Variante 4-0-2 in der Abwehr, die Baumgart bevorzugt beim Überzahlspiel einsetzte, brachte nicht den gewünschten Erfolg, so dass die Staßfurter mit einem Drei-Tore-Rückstand beim 13:16 die Seiten wechselten.

In der Kabine waren nun die psychologischen Fähigkeiten von Baumgart gefragt, der seine Schützlinge ruhig auf die zweite Hälfte, in der es vor allem auf Geduld und Durchsetzungsvermögen ankam, einstellte. "Wir müssen an den Sieg glauben", forderte er. Der Glaube versetzt manchmal Berge und das sollte sich bewahrheiten. Den Staßfurtern sollten 300 Sekunden reichen, um die Partie zu ihren Gunsten zu entscheiden. "Wir produzieren innerhalb von fünf Minuten sechs Fehler und geben dadurch das Spiel aus der Hand", wusste Schreiber. Das Schicksal nahm in der 40. Minute seinen Lauf. Ronneburg führte mit 19:16. "Vielleicht haben wir einfach überdreht", schätzte Schreiber ein. Schliwa hielt in dieser Phase stark, die Rot-Weissen nutzten ihre Chancen und wandelten den Rückstand in eine Zwei-Tore-Führung zum 21:19 (44.). Die Thüringer kämpften sich zwar zwischenzeitlich auf einen Zähler zum 23:22 heran, doch mehr ließ der Gastgeber nicht zu (49.). Er setzte insbesondere durch Rückraumschütze Sebastian Retting und Rechtsaußen Nils Hähnel, der den letzten Treffer zum 28:26 markierte, die Akzente.

Mit diesem Erfolg, da war sich Baumgart sicher, "haben wir einen entscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht". Schreiber hingegen war angefressen und meinte zu Baumgart: "Ich möchte dein Glück haben." Dieses führte vielleicht auch dazu, dass die Staßfurter seit nun mehr sieben Spieltagen unbezwungen sind. Eine Fortsetzung wird es erst in 14 Tagen geben, denn dann sind die Rot-Weissen um 18.30 Uhr beim SV Oebisfelde zu Gast.

Staßfurt: Wiederhold/Schliwa - Richter (1), Wartmann, Ortmann, Bruchno (4), retting (10), Jacobi (2), Ernst (2), Rach (1), Hähnel (5), Scholz (2), Lingk (1)

Ronneburg: Zehmisch/Liebell - Oertel (3), Gottschalk (3), Pampel, Zänsler (7), Nowak (1), Glause (3), Masat (1), Förster (2), Rose, Alexy, Zverina (3), Meyer (3)

Siebenmeter: Staßfurt 4/4 - Ronneburg 2/2; Zeitstrafen: Staßfurt 4 - Ronneburg 4

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