Borne (mnd). Man sagt ja oft, Mädchen wüssten alles besser, gern geben sie die Richtung vor, sei es in der Schule, zuhause bei den Eltern oder auf dem Handballfeld. Die D-Jugend-Handballerinnen des SV Germania Borne wussten jedoch lange Zeit nicht, wohin sportlich die Reise geht. Die Richtung schien unklar, da kein Trainer regelmäßig zur Verfügung stand. Im vergangenen Jahr konnten sie nicht mehr sagen, wo es lang geht. Seit Dezember ist Danny Wengel für die Bezirksliga-Mannschaft verantwortlich, seitdem gibt er die Richtung vor, seitdem hat die Mannschaft Ziele.

Ebenso gern wie Mädchen bestimmen, stellen sie Fragen. Die Borner Handballerinnen sind da keine Ausnahme. "Wie lange machen wir die Übung noch? Warum machen wir das überhaupt? Das haben wir doch bereits letzte Woche trainiert." Diese Fragen prasseln auf Wengel ein. Dabei sind an diesem Mittwoch in der Wolmirsleber Sporthalle lediglich sechs Spielerinnen zusammen gekommen, zwei müssen für eine Arbeit lernen, weitere zwei sind zur Klassenfahrt. Dennoch geben die Mädchen keine Ruhe, kommentieren nahezu jede Aktion. Selbst Wengel, den alle Danny nennen, der stets gelassen bleibt, sagt mit einem Lächeln: "Bei ihnen muss man ein dickes Fell haben." Aber von ihm wird man nie hören, dass ihn das stört. Er ist mit Herzblut dabei. "Ich habe Spaß daran", sagt Wengel. "Das sind alles liebe, nette Mädels, eine super Truppe."

Nach mehreren Jahren als Trainer der Frauen des SV Germania Borne geht Wengel, der kürzlich seinen Trainerschein erworben hat und über eine Weiterbildung nun die C-Lizenz anstrebt, mittlerweile gelassen in die Einheiten, leitet diese routiniert, auch wenn er es nunmehr mit Zwölf- und 13-Jährigen zu tun hat. Und in der noch jungen Zeit können er und seine Mannschaft die ersten Erfolge vorweisen.

Im Dezember, als Wengel die D-Jugend übernahm, stand sie in der Bezirksliga auf dem vorletzten Platz. Lediglich gegen die Schlusslichter Lok Schönebeck und Thale/Westerhausen sprangen Siege heraus. In der ersten Partie unter seiner Leitung hieß der Gegner TSG Calbe, einer der Staffelfavoriten. Wengel nahm nur kleine Veränderungen vor und die Mannschaft präsentierte sich von ihrer besten Seite, gewann völlig unerwartet. "Man hat gespürt, sie wollten etwas reißen. Sie sind schon ein wenig über sich hinaus gewachsen", sagt Wengel, der mit diesem erfolgreichen Spiel eine Aufbruchsstimmung entfachte, ein positives Gefühl. Dieses Gefühl, dass "etwas möglich ist", besteht auch heute, und sicherlich am letzten Spieltag, wenn das Team am Sonnabend, 7. Mai, zum Nachholspiel um 14.30 Uhr bei der SpG Thale/Westerhausen antritt.

Seither trainieren die Mädchen regelmäßig zweimal in der Woche, immer montags und mittwochs. Und auch wenn der Start unter dem neuen Trainer gelang, stehen für die Mädchen, die am Saisonende den fünften Platz belegten, immer noch Grundlagen auf dem Programm. Passen, fangen, werfen - dem Ein-mal-Eins des Handballs müssen sich die Spielerinnen jede Woche stellen. Noch kommt nicht jeder Pass an, nicht jeder Torwurf sitzt, müssen sie auch nicht, denn schließlich soll in erster Linie der Spaß im Vordergrund stehen. Den haben die Mädchen sichtlich, gelacht wird viel, vor allem miteinander, aber auch mal über kleine Fehler der Mitspielerinnen. Wengel nimmt es, wie seine Mannschaft, mit Humor, fordert dennoch Konzentration und Aufmerksamkeit, vor allem, wenn er neue Spielzüge erklärt.

Diese werden in der kommenden Saison gefragt sein. Obwohl die Mehrheit der Mädchen noch ein Jahr in der D-Jugend spielen kann - lediglich Louisa Eilert, Svenja König und Daline Kauws sind aus dem älteren 98er-Jahrgang - werden alle den Gang in die C-Jugend antreten. Und dort wird nicht mehr konsequent manngedeckt, weswegen Wengel bereits jetzt erste Kombinationen einstudieren lässt. Er will sie auf Abwehrformationen vorbereiten, die nicht mehr über das gesamte Feld laufen, sondern starr am Sechsmeterraum "kleben".

Daher fordert der Trainer, dass sie beobachten, wie ihre Mitspielerinnen laufen, wann sie starten, wann sie einen Pass spielen. Am Mittwoch stehen deshalb Kreuzungen vor der Abwehr auf dem Programm. Louisa und Svenja postieren sich auf den Halbpositionen, sie sind den anderen aufgrund ihrer Alters körperlich leicht überlegen. Ihr Wurf aus der Distanz ist bereits ziemlich hart, Torfrau Daline bekommt das zu spüren, hält sich gelegentlich das Schienbein, wenn sie einen Ball abgewehrt hat. Nele Becker und Mara König übernehmen abwechselnd den Part auf der Mitte, sie müssen die Bälle möglichst präzise abspielen. Das gelingt schon sehr gut, sie lassen Jessika Stein, die als Abwehrspielerin den Angriff verhindern soll, nur selten eine Chance. Natürlich passieren auch Fehler, doch Wengel bezweckt mit diesen Übungen vielmehr, dass sie lernen, mit-einander zu spielen. Einzelaktionen werden in Zukunft nicht mehr den gewünschten Erfolg versprechen. Das versucht Wengel ihnen einzuimpfen.

Aber auch abseits des Spielfeldes verfolgt der Trainer die Strategie des Miteinander. "Mir ist es wichtig, dass man viel als Mannschaft unternimmt." Zusammen waren sie bowlen, ein Grillabend ist geplant. Im September wartet das große Highlight der Vorbereitung. Die gesamte Jugendabteilung des SV Germania weilt für ein Wochenende in der Sportschule Osterburg. Wengel freut sich: "Dort können wir alles nutzen, werden neben dem regelmäßigen Training schwimmen gehen und Ausflüge machen." Dort dürfen die Mädels dann sicher wieder den Ton angeben, bis wenig später die Saison beginnt.