Reiner Baumgart hatte vollstes Vertrauen, als er die Anweisung gab, dass Alexander Ernst die letzte Aktion - einen Freiwurf - ausführen sollte. Der 22-Jährige Rückraumspieler des Mitteldeutschen Handball-Oberligisten HV Rot-Weiss Staßfurt zahlte seinem Trainer das Vertrauen zurück, behielt die Nerven und hämmerte den Ball ins linke obere Eck. Ernst wurde zum Matchwinner, der mit diesem Treffer seinem Team gegen die HSG Freiberg einen Punkt rettete. Beide Mannschaften trennten sich 28:28 (12:14)-unentschieden.

Staßfurt. Dabei sah es lange nicht nach einer Punkteteilung aus, denn zu sehr dominierten die Freiberger die Partie. Die Gäste reisten als Tabellenzweiter, also als klarer Favorit in die Bodestadt und wollten sich mit einem vollen Erfolg bei noch drei ausstehenden Partien die Chance auf die Vizemeisterschaft wahren. Diese Mission hat nun durch das Remis einen kleinen Dämpfer erfahren, denn der HC Elbflorenz Dresden zog an den Freibergern in der Tabelle vorbei.

Die Staßfurter hatten in den vergangenen Wochen ganz andere Sorgen und haben sich dieser nun entledigt. Das Saisonziel Klassenerhalt ist in trockenen Tüchern. In heimischer Halle tat sich die Mannschaft auch aufgrund der unheimlichen Belastung im Hinblick auf das Saisonziel in den vergangenen Wochen recht schwer. Baumgart hoffte, dass seine Schützlinge ohne den Druck im Rücken "vom Kopf her locker auftreten können und ihre Spielfähigkeit unter Beweis stellen".

In den ersten Minuten setzten die Bodestädter die Marschroute gut um, gingen schnell mit 2:0 in Führung. Zudem griffen die taktischen Mittel wie die anfängliche Sonderbewachung für Spielertrainer Jiri Tancos. Die Staßfurter zeigten sich im weiteren Verlauf sehr experimentierfreudig was die Abwehrarbeit betraf. Mal probierten sie es mit einer 4-0-2, gingen dann zu einer 5-1 oder einer 6-0 über und stellten dann phasenweise auf offene Manndeckung um. Das zeigte Wirkung. Dennoch gelang es den Gästen, sich einen kleinen Vorsprung zum 11:7 zu erarbeiten. Sie nahmen nach den ersten 30 Minuten eine Zwei-Tore-Führung mit in die Pause - 10:12.

Die zweite Hälfte hatte insbesondere in der Schlussphase das Prädikat "sehenswert" nur bedingt verdient, denn unschöne Szenen spielten sich an der Seitenlinie ab. Doch zunächst drückten die Freiberger der Partie weiter ihren Stempel auf. Die ersten drei Angriffe münzten die Gäste in Zählbares um, so dass der Vorsprung auf fünf Treffer anwuchs. Der Gastgeber scheiterte immer wieder am gut parierenden Gerd Vogel, der sein Team auf Kurs hielt, so dass es über die Stationen 20:14 und 22:16 zum 24:17 enteilte. Doch wer dachte, die Partie wäre bereits entschieden, der irrte. Selbst Baumgart hatte zu diesem Zeitpunkt die Hoffnung auf einen möglichen Punktgewinn oder gar Sieg noch nicht aufgegegeben. Sein Team kämpfte sich zurück und erzielte zum 24:26 den Anschluss. Als dann nach einem Abpraller von Freibergs Keeper Tino Hensel - er kam für Vogel - der Ball ins Seitenaus ging und Hensel bei einem Gerangel mit Nils Hähnel an der Linie zu Fall kam, stürzten sich gleich einige Zuschauer auf den am Boden liegenden Torhüter. Hähnel bekam für diese Aktion seine dritte Zeitstrafe. Selbst in Unterzahl blieben die Staßfurter gefährlich, Eike Rach verkürzte zum 27:28 (59.). Der letzte Angriff war dann den Gastgebern vorbehalten, die am Ende den verdienten Ausgleich erzielten.

Staßfurt: Wiederhold/Schliwa/Jesse - Richter (2), Wartmann, Ortmann, Bruchno (2), Retting (6), Jacobi (3), Ernst (5), Rach (3), Hähnel (2), Scholz (5), Lingk

Freiberg: Vogel/Hensel - Neubert (3), Weigner (6), Vit (3), Lange (6), Einenkel (6), Steinfeld (1), Schetler (1), Schulz, Schönberg, Randt, Holec, Tancos (2)

Siebenmeter: Staßfurt 6/3 - Freiberg 3/3; Zeitstrafen: Staßfurt: 4 - Freiberg 6; Rot: Nils Hähnel (57./Staßfurt), Lange (60./Freiberg)

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