Den Kopf leicht nach unten gerichtet und in Gedanken versunken verließ Trainer Peter Köhler am Sonnabend den Sportplatz des 1. FC Romonta Amsdorf. Er dachte wohl darüber nach, wieso der SV 09 Staßfurt nicht an die gute Leistung vom Spiel gegen den Haldensleber SC angeknüpft hat. "Wir haben Angsthasenfußball gespielt." Deshalb unterlag der Verbandsligist mit 1:2 (0:1). Das Aufbäumen blieb aus.

Amsdorf. Dabei wäre gegen diesen FC Romonta durchaus mehr drin gewesen, und das war es, was Köhler wohl am meisten geärgert hat. Staßfurt nutzte seine Vorteile nicht. Victor-Ramon Roldan-Arias zum Beispiel belebte die linke Seite bis zu seiner Auswechslung sehr gut, überlief mit Sprints oftmals gleich zwei Gegner. Zudem arbeitete Danny Tonn auf der rechten Seite stark, holte viele verlorengeglaubte Bälle zurück oder blieb Sieger in den Zweikämpfen. Dennoch stimmten viele Lauf- und Passwege nicht, Denny Piele war weitgehend aus dem Spiel und Matthias Härtl wurde nur wenig in Szene gesetzt, ihm gelangen kaum gefährliche Aktionen.

Die Gastgeber begannen derart defensiv, dass auch die Zuschauer darüber ihren Unmut äußern mussten. "Wie kann man auf eigenem Platz nur so weit hinten drin stehen", hieß es von den Rängen. Staßfurt war also gezwungen, das Spiel zu gestalten, tat sich dabei aber ziemlich schwer, produzierte viele Fehlpässe bereits im Mittelfeld. Mit Fernschüssen von Marcel Mähnert, Matthias Härtl oder Sven Limpächer gelangen einige gefährliche Aktionen, doch Romontas Keeper Robert Höllriegel "hat teilweise stark gehalten", musste Köhler eingestehen.

Nach 20 Minuten fanden die Amsdorfer in die Partie, kamen vor allem über ihre linke Seite gefährlich vor das Tor von Keeper Tobias Witte. Aufgrund der mangelnden Zuordnung erspielten sie sich oftmals eine Überzahlsituation. Bezeichnend war der Treffer zum 1:0 (44.) durch Patrik Schlegel. Nach einem Einwurf an der Eckfahne wurde der Torschütze von Steven Stachowski und Jens Liensdorf außer Acht gelassen. Schlegel erzielte mit einem Schuss aus etwa 18 Metern unter die Querlatte die Führung für die Gastgeber. "Der Treffer war zu diesem Zeitpunkt natürlich besonders ärgerlich", sagte Köhler.

Nach dem Wechsel wurde es noch bitterer für die Gäste. Zunächst hielt Witte mit einer starken Parade sein Team im Spiel (50.), doch seine Vorderleute agierten zunehmend zu zögerlich, bereits in der ersten Hälfte war nach Abstößen meist der Gegner zuerst am Ball. Auch den verlorenen Bällen gingen die Staßfurter nur selten hinterher, um sie zurück zu erobern. In den Zweikämpfen waren die Amsdorfer einfach präsenter, waren abgeklärter. Erneut gab es nach einem hohen Ball keine richtige Zuordnung, Robin Scheibe brachte ihn zum 2:0 über die Linie (66.).

Der Anschlusstreffer von Felix Jesse war eher ein Zufallsprodukt, der Ball prallte mehrfach zwischen Staßfurter und Amsdorfer Spielern hin und her, bis Jesse auf der linken Strafraumseite frei zum Schuss kam und mit einem "Schlenzer" ins lange Eck das 2:1 markierte (86.).

Vom großen Aufbäumen war zuvor und bis zum Abpfiff jedoch wenig zu sehen. Amsdorf zitterte den Vorsprung ohne viel Mühe über die Zeit. Für den 1. FC war dieser Sieg ein echter Befreiungsschlag im Kampf um den Ligaverbleib, er hat nun sieben Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, der mit einem Sieg am Sonnabend im Nachholspiel gegen Sangerhausen sogar noch ausgebaut werden kann. Staßfurt hingegen muss weiter zittern, die Aufgaben werden indes nicht einfacher. Am Freitag, 6. Mai, gastieren die Bodestädter beim Magdeburger SV Preussen.

1. FC Romonta Amsdorf: Höllriegel - Richter, Jüttner, Dockhorn, Gliniorz, Schuhmann, Eberhardt, Czarnetzki, Dell (89. Dutkiewicz), Schlegel (81. Mewes), Scheibe (72. Gründler)

SV 09 Staßfurt: Witte - Stachowski, Friedrichs, Oehme (73. Klemmer), Liensdorf, Härtl, Piele, Roldan-Arias (69. Drachenberg), Tonn, Mähnert, Limpächer (65. Jesse)