Ronny Schafflik saß mit schmerzverzehrtem Gesicht auf dem Parkett der Merkewitz-Halle in Staßfurt, hielt sich den rechten Fuß und sah aus der Ferne seinen Mannschaftskollegen beim Jubeln zu. Der Rechtsaußen hatte sich soeben mit den Bezirksliga-Handballern des SV Germania Borne im "Final-Four"-Turnier des Harz-Börde-Pokals zum Titel gekämpft. In einem Herzschlagfinale bezwangen die Schützlinge von Trainer Jürgen Dawils den Ligakonkurrenten SG Eintracht Glinde II knapp mit 17:15 (9:10).

Staßfurt. Schafflik ging bereits angeschlagen in das Turnier. "Er ist vor zwei, drei Wochen umgeknickt und hat sich den Fuß überdehnt. Die Verletzung ist aber nicht gravierend", beruhigte Dawils. Schwerer wog hingegen der Ausfall von Thomas Halfpap, der im Finale bei einer Aktion unglücklich auf den Rücken geknallt war. "Ich hoffe, es ist nichts ernstes", sagte Dawils, der seinen Schützling am Abend bei der kleinen Pokalfeier vermisste.

Die Borner hatten gleich doppelten Grund zu Feiern, denn sie erreichten zum ersten Mal das Finale und gewannen bei ihrer Premiere den Pokal. Dabei sah es lange nicht nach einem Erfolg für Borne aus, denn die SG Eintracht von Trainer Henning Stapf hatte sich im Verlauf der ersten Hälfte - es wurden zwei verkürzte Halbzeiten zu je 20 Minuten gespielt - einen zwischenzeitlichen Vier-Tore-Vorsprung zum 3:7 erarbeitet. In dieser Phase hätte Dawils gern die grüne Time-Out-Karte gezogen, doch diese durfte aufgrund der reduzierten Dauer nicht eingesetzt werden. Das bewog ihn wie auch Stapf, einzelne Spieler an die Außenlinie zu holen, um ihnen taktische Anweisungen zu übermitteln. Glinde agierte sehr körperbetont, dieses Verhalten brachte ihnen einige Zwei-Minuten-Strafen, die Borne dann in Überzahl clever ausnutzte und bis zur Pause zum 9:10 verkürzte. Dawils wusste bereits im Vorfeld, dass "es eine enge Partie" werden würde.

In der zweiten Hälfte hatte sich sein Team besser auf die Spielweise der Glinder eingestellt und nahm Regisseur Jost Mattissek in Manndeckung. "Wir haben dann keinen Druck mehr auf den Halbpositionen ausüben können", hatte Stapf beobachtet. Zudem summierten sich Abspielfehler und auch im Abschluss fehlte die Präzision. Dafür hielt Eintracht-Keeper Karsten Müller mit seinen Glanzparaden - er hielt unter anderem einen Siebenmeter - sein Team auf Kurs. Auf der anderen Seite war es Robin Salm, der sich insbesondere in der Schlussphase auszeichnete, als er erst einen Siebenmeter von Oliver Schulke parierte und den Nachwurf mit einem Hechtsprung aus dem Winkel kratzte. Für Dawils war das die spielentscheidende Szene. Borne lag zwei Minuten vor dem Abpfiff mit 17:14 in Front. Glinde verkürzte nur noch zum 17:15 und hatte den Titel am Ende "knapp verschenkt". Daher blickte Stapf mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Partie zurück. "Schade, denn vom Potenzial, das in der Mannschaft steckt, wäre mehr drin gewesen. Dennoch hat sie große Moral gezeigt und gekämpft."

Dabei hätten sie das Finale fast nicht erreicht, denn im Halbfinale gegen den HC Aschersleben II (Bezirksliga) verspielten sie in Hälfte zwei eine Acht-Tore-Führung, gewannen die Partie dennoch knapp mit 16:15 (11:4). Im zweiten Halbfinale setzte sich Borne gegen die SG Lok Schönebeck II (Bezirksklasse) mit 22:18 (11:8) durch.

Groß war dann die Freude bei den Schönebeckern, die im kleinen Finale die Bundesliga-Reserve des HC Aschersleben mit 19:17 (10:8) bezwangen. "Wir hatten den dritten Platz angepeilt", freute sich Trainer Oliver Michalski.

Torverteilung beider Partien:

Borne: Salm - Lahne (3), Schulke (9), Halfpap (1), Schafflik (4), Fink (16), Prosowksi, Scholz, Lampe (6), Schulze

Glinde II: Strempel/Müller - Mattissek (6), Kowaczeck (1), Blumenethal, Warschkau (14), Randel (1), Hochhartz, Recker (1), Martin Kreyenberg (1), Michael Kreyenberg (7), Freyberg

Aschersleben II: Hoppe (3), Hühne, D. Fischer (8), Remter (6), Ch. Fischer (11), Reuß (3), Schulze, Franke

Schönebeck II: Weidner - Hoczwik (4), Köppe (1), P. Kausmann (14), St. Lehmann (5), O. Kausmann (6), K. Lehmann (1), Weimer (3), Braun

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