Jürgen Pommerenke wischt sich den Schweiß von der Stirn, denn bereits am frühen Morgen herrschen schon sommerliche Temperaturen auf dem Sportplatz in Unseburg. Zudem halten die Nachwuchs-Fußballer den 58-Jährigen ganz schön auf Trab. "Die Kinder wollen immer beschäftigt werden", weiß die Magdeburger Fußballlegende, denn er gastierte in der vergangenen Woche bereits zum siebten Mal mit seiner Fußballschule und mit der Dirk-Heyne-Torwartschule in Unseburg. "Es gibt hier eine schöne Anlage, das Wetter ist immer top und ich erfahre eine freundliche Unterstützung durch den Verein", zählt Pommerenke die Vorzüge seines erneuten Besuches auf.

Unseburg. Es ist Mittwoch kurz nach 9 Uhr, als die ersten Autos von der Hauptstraße in die langgezogene, asphaltierte Zufahrt zum Sportplatz einbiegen. In einem der Wagen sitzen Pommerenke und Günter Braun. Pommerenke leitet seit sieben Jahren die Fußballschule und "fühlt sich dem Nachwuchs verpflichtet".

Ein Engagement im Erwachsenenbereich schließt er daher aus. Wenn er nicht mit der Fußballschule in den Ferien unterwegs ist, dann trainiert er C- und D-Jugendteams, beispielsweise aus Magdeburg, Niederndodeleben und Haldensleben. Ihm zur Seite steht Braun, der im Nachwuchsbereich des 1. FC Magdeburg tätig ist. Dem Team gehören weiterhin Yves Löbel vom TSV Niederndodeleben und der ehemalige FCM-Keeper Mark Mewes, der das spezielle Torwarttraining leitet, an.

Der Weg führt Pommerenke und Braun zuerst auf die kleine Terrasse des Sportlerheims, auf der weiße Tische und Stühle stehen. Sie genießen die Ruhe bei einer Tasse Kaffee und einem Blick in die aktuelle Tageszeitung. Nach und nach fahren dann weitere Autos vor. Es sind vorrangig Eltern, aber auch Großeltern, die ihre Kinder oder Enkelkinder zum Training fahren. Alle der insgesamt 40 Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren haben bereits ihre weißen oder blauen Trikots übergestreift und suchen ohne Umwege gleich den direkten Weg zum Platz. Ein Ball ist ebenfalls schnell gefunden und so werden, bevor die Trainer zur ersten Einheit rufen, schon einmal die müden Beine in Bewegung versetzt und auch der Mund steht bei dem einen oder anderen nicht mehr still.

Ein Pfiff aus der Trillerpfeife stört plötzlich die Idylle. Er ist kaum zu überhören, es ist nur das Signal, dass es jetzt endlich losgehen kann. Braun schart alle Kinder um sich, um sie dann in kleine Gruppen aufzuteilen. Das Training der Älteren (Jahrgänge 1996 bis 2001) leitet er, das der Jüngsten (Jahrgänge 2004 bis 2005) übernimmt Löbel. Pommerenke behält sich die Einheiten mit den Sechs- bis Achtjährigen vor.

Auf der einen Hälfte des Feldes lässt Braun seine Schützlinge zunächst drei Minuten jonglieren. Dann gilt es für alle, das beste Ergebnis innerhalb von einer Minute zu erzielen. Braun schaut ganz genau hin, auch auf seine Stoppuhr, die er um den Hals hängen hat. Denn schließlich soll der beste Techniker gefunden werden.

"Den Ball erst diagonal rüberspielen und dann quer passen", erklärt Pommerenke ruhig und geduldig. Es ist manchmal einfacher gesagt als getan, denn immer wieder muss sich Pommerenke wiederholen. "Den Ball quer passen", ruft er dem Ascherslebener Ian Pannhausen zu. Besser funktioniert es bei Robert Lampe. Der kleine Förderstedter passt diagonal zu seinem Gegenspieler, der wiederum zu einem anderen querlegt. Nach dem Diagonalpass legen die Kinder die kurze Distanz zur anderen Seite mal hüpfend, mal sich links oder rechts in der Luft drehend oder mit einer Rolle vorwärts zurück. Irgendwann hat Pommerenke ein Einsehen, er baut die nächste Übung auf. "Die Schwerpunkte in den Einheiten liegen in der Technik und in der Schnelligkeit", erklärt er.

Schnell müssen auch die Schützlinge von Löbel sein, die den Ball des Gegenspielers aus dem mit Begrenzungshütchen aufgebauten Viereck hinausschießen sollen. Die Ersten hat es schon nach wenigen Sekunden erwischt. Sie schauen sich dann gemütlich auf dem Ball sitzend das weitere Geschehen von der Seitenlinie an.

"Nochmal, nochmal", ist aus den Kindermündern zu hören. Die charmante Bitte kann Löbel nicht abschlagen und lässt sie nochmals durch das Viereck jagen. Danach geht es mit dem Torschusstraining weiter. Die Nachwuchskicker wetteifern gleich ihren Idolen nach und nennen sich unter anderem Thomas Müller, Mario Götze oder Lionel Messi.

Das einzige Mädchen, das sich für die Fußballschule unter 39 Jungen angemeldet hat, ist Josephine Hosang. Die Bernburgerin kennt keine Berührungsängste und fühlt sich inmitten ihrer männlichen Teamkollegen wohl. Aus Josephine wird ebenfalls Thomas Müller, sie stellt bei der Übung ihre Torschussqualitäten unter Beweis. Die Kommentatorenrolle nimmt Pommerenke ein, der jede Bewegung lautstark kommentiert. "Das war ein glänzender Torschuss - Champions League Vorrunde", ruft er Josephine hinterher.

Pommerenke und seine Kollegen haben sichtlich Spaß. "Die Kinder sind lernwillig und bei fünf Stunden Training müssen wir auch ein bisschen Abwechslung reinbringen. Den Kindern gefällt das." Wie auch das Abschlussspiel kurz vor der Mittagspause, als Pommerenke und Löbel jeweils separat zwei Teams bilden. Es stehen sich Bayern München und Real Madrid gegenüber. Bei Pommerenke gewinnen die "kleinen" Bayern mit 4:3.

Dann gibt es Mittag - Kartoffeln, Bohnen und Bratwurst. Siegfried und Sarah Haberzettl sowie Karola Wichmann vom Verein geben das Essen aus. Das Training hat bei den Coaches ihre Spuren hinterlassen. Sie wischen sich den Schweiß von der Stirn. Nach einer Ruhepause rollt der Ball dann ab 13.15 Uhr wieder.

   

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