Fabian Wenzel verließ kurz vor Ende der zweiten Halbzeit seinen Platz an der Seitenlinie. Der Weg führte den Co-Trainer der B-Jugend-Fußballer des SV 09 Staßfurt geradewegs in die Kabine. Nach ein paar Minuten kehrte er mit einer roten Plastiktüte in der linken Hand zurück. Wenzel wusste zu diesem Zeitpunkt: "Hier brennt nichts mehr an." Das Team führte im Kreispokalfinale gegen die Spielgemeinschaft Askania/Einheit Bernburg mit 2:0 (0:0) und durfte sich am Ende über den Titel freuen.

Nienburg. Das Geheimnis der roten Plastiktüte wurde nach dem Schlusspfiff gelüftet. Wenzel holte eine Sektflasche hervor, schüttelte diese kräftig und spritzte damit ausgelassen um sich. "Für mich ist heute der schönste Tag", jubelte er. Seine Schützlinge taten es ihm gleich, aber statt einer Sektdusche musste nicht nur er, sondern auch Trainer Carsten Horn eine Wasserdusche über sich ergehen lassen. Beide nahmen das gelassen hin und freuten sich mit ihren Akteuren über diesen Triumph.

Horn sprach nach dem Sieg von "einem kleinen Trostpflaster", musste doch seine Elf erst vor wenigen Monaten den Bernburgern bei der Hallen-Kreismeisterschaft den Vortritt lassen. Zudem blieb der Landesligist in der bisherigen Saison "hinter den Erwartungen zurück". Das lag insbesondere an der personellen Situation. "Wir haben seit mehreren Wochen mit vielen Verletzungsproblemen zu kämpfen", betonte Horn. Die Sorgen wurden auch am Sonntag nicht weniger, denn Philipp Horn musste bereits nach 28 Minuten das Feld aufgrund einer Blessur am rechten Arm verlassen. Die Staßfurter wussten den Ausfall gut zu kompensieren. "Sie haben gekämpft, denn spielerisch war es nicht so einfach", zeigte sich Horn zufrieden.

Die Bernburger hielten nämlich in den ersten 40 Minuten gut dagegen, sie standen in der Abwehr sehr kompakt. "Sie haben uns nicht viel Platz in der Offensive gelassen", hatte Horn beobachtet. Doch auch seine Mannschaft war in der Defensive gut organisiert. Allen voran sorgte Kapitän und Innenverteidiger Kevin Hartmann für die nötige Ruhe. Die erste brenzlige Situation hatten die Staßfurter gleich zu Beginn zu überstehen, als Patrick Höpfner, einer der auffälligsten Akteure in den Reihen der Bernburger, am Tor vorbei köpfte. Auf der anderen Seite war es Marcel Busch, dessen Fernschuss, ausgeführt unweit der Mittellinie, das Gehäuse nur knapp verfehlte.

Als offensiver Verteidiger wirbelte Vincent Apelt zunächst auf der linken Flügelseite und nach der Verletzung von Horn im zentralen Mittelfeld. Der agile 15-Jährige suchte die Zweikämpfe. Die beiden offensiven Michael Gehrke und Marcel Busch setzten sich oftmals gleich gegen zwei Kontrahenten durch, sie arbeiteten zudem sehr gut nach hinten. Im Abschluss fehlte dann entweder die Präzision oder beide scheiterten am gut parierenden Keeper Florian Block. Die Bernburger erarbeiteten sich ebenfalls gute Möglichkeiten, blieben aber zu harmlos vor dem gegnerischen Gehäuse, so dass beide Teams torlos in die Pause gingen.

Nach der Halbzeit erhöhte insbesondere der SV 09 seine Angriffsbemühungen. Für seine engagierte Leistung belohnte sich dann Vincent in der 49. Minute, als er seine Farben in Führung schoss. Diese schien die Initialzündung zu sein. So wurde zunächst ein Sturmlauf von Michael, der sich den Ball im Mittelfeld erkämpfte und frei vor Block auftauchte, noch nicht belohnt (59.). Das Bein eines Verteidigers verhinderte dann einen weiteren Versuch. Beim nächsten Angriff landete der Schuss von Michael in den Händen von Block, doch der Ball rutschte ihm durch die Handschuhe und Marcel staubte zum 0:2 ab (60.). Die Freude kannte keine Grenzen. Da fiel dann auch die gelb-rote Karte von Michael kurz vor dem Abpfiff nicht mehr ins Gewicht. Diese sah der 16-Jährige wegen unsportlichen Verhaltens, er schlug den Ball weg und musste bis zum Abpfiff hinter der Barriere ausharren.

Die Bodestädter hatten neben dem Pokalerfolg noch einen weiteren Anlass zum Feiern, denn Philipp Früchtel hatte Geburtstag, er wurde 17 Jahre alt. Es gab also gleich zwei Gründe zum feiern.

Bernburg:Florian Block - Tobias Vu, David Nguyen, Sebastian Knorre, Martin Gruschetzki, Lucas Weichbrot, Max Grambach, Christian Sendelbeck (75. Phillip Schallhorn), Christopher Schöbe (52. Lucas Günzel), Patrick Höpfner, Karl Thiele

Staßfurt: Philipp Beier - Sascha Höpfner, Marko Hädicke, Vincent Apelt, Kevin Hartmann, Philipp Horn (28. Maximilian Karl), Philipp Früchtel, Tim Gadkowsky (75. Christoph Ziegler), Chris Römmert, Marcel Busch, Michael Gehrke

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