Martin Kühnert war am Sonnabend wohl der gefragteste Mann. Ob vor den Fernsehkameras, ob vor dem Mikro des Stadionsprechers in der Halbzeitpause der Partie des Regionalligisten 1. FC Magdeburg gegen den TSV Havelse oder ob der zahlreichen Fragen von Kindern und Eltern, immer gab der 41-Jährige bereitwillig Auskunft. Kühnert, der Fanbeauftragte vom Fanclub "Alt-Staßfurt", zeichnete sich für die Aktion "Tradition fördert Zukunft" verantwortlich, die am Sonnabend in der MDCC-Arena in Magdeburg durchgeführt wurde. Er ermöglichte mit diesem Projekt insgesamt 2010 Kindern im Alter von acht bis 14 Jahren einen kostenlosen Besuch dieser Partie. Volksstimme-Mitarbeiterin Sandra Arm sprach mit ihm über seinen Tag, über die größte Herausforderung sowie über die Zukunft des 1. FC Magdeburg.

Volksstimme: Herr Kühnert, wie verlief ihr Tag?

Martin Kühnert: Der begann schon sehr früh um 5.30 Uhr. Ich bin zunächst mit einigen Mitgliedern des Fanclubs zum "Real"-Markt nach Staßfurt gefahren, um dort die Waren wie Bananen, Äpfel, Getränke und Würstchen für die Verpflegungsbeutel in Empfang zu nehmen. Danach ging es nach Förderstedt zum Caterer. Bei ihm haben wir das Grillgut abgeladen, er besitzt einen Kühl-Lastwagen. Wir waren dann kurz vor 8 Uhr vor dem Stadion. Danach habe ich gleich die Ordner, die die Kinder am Bahnhof in Empfang nehmen sollten, eingeteilt und den Fahrzeugen vom Technischen Hilfswerk und dem Getränketruck von Gaensefurther ihren Stellplatz vor dem Stadion zugewiesen. Außerdem stand ich als alleiniger Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung. Ich wollte das so und war der Ansicht, dass ich das auch schaffe. Nachdem die Kinder im Stadion waren, haben wir gegen halb zwei mit dem Abbau begonnen und den Platz so verlassen, wie wir ihn vorgefunden haben. Ich war dann um 19.30 Uhr wieder zu Hause.

Volksstimme: Können Sie sich noch an die meist gestellte Frage erinnern?

Kühnert: Ja, das kann ich -Wo geht es zu den Toiletten? (lacht). Außerdem habe ich von den Erwachsenen häufig die Fragen gestellt bekommen, wo sie noch Karten bekommen und wo sie die Verpflegungsbeutel für die Kinder erhalten können.

Volksstimme: Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung bleiben wird?

Kühnert: Es gibt nicht nur eins. Es waren vor allem die vielen Danksagungen von den Kindern - vor, während und nach der Aktion. In Erinnerung bleiben wird mir insbesondere der Besuch bei Kids e.V. in Bernburg, als ich den Kindern - die meisten kommen aus zerrütteten Familien- die Karten und T-Shirts überreicht habe. Sie haben sich über Kleinigkeiten gefreut und waren so dankbar. Da bekam ich selbst feuchte Augen.

Volksstimme: Was war für Sie die größte Herausforderung an diesem Projekt?

Kühnert: Das war die Promotiontour durch die Schulen, Jugendeinrichtungen und Kinderheime. Nachdem die Bahn ihr Signal und den Startschuss für eine Zusammenarbeit gegeben hat, haben wir Ende Januar mit der Tour begonnen. Ich war vorrangig im Süden Sachsen-Anhalts vor Ort, unter anderem in Köthen, Aschersleben und Eisleben. Zusätzlich habe ich mir Karsten Weisheit vom Fanklub "United Schermen" ins Boot geholt. Er war nördlich von Magdeburg unterwegs und hat für die Aktion geworben.

Volksstimme: Würden Sie eine solche Aktion nochmals durchführen?

Kühnert: Sicher, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Ich weiß ja jetzt, wie es läuft. Es war bisher meine größte Aktion, die ich je durchgeführt habe, und ich könnte dann bei der nächsten auf den Erfahrungen aufbauen. Im Vorfeld sind viele Leute auf mich zugekommen und haben gesagt, wie geil sie die Aktion finden. Im Innersten haben sie aber gedacht, dass ich das nie und nimmer schaffe. Ich war mir sicher, dass das Projekt funktioniert. Meine Devise lautet: Wenn du etwas willst, dann schaffst du es auch.

Volksstimme: Was glauben Sie, schafft der 1. FC Magdeburg noch den Klassenerhalt?

Kühnert: Der Glaube ist noch da, aber es wird schwer. Wir fahren heute zum Auswärtsspiel nach Berlin, dort trifft der 1. FCM auf Türkiyemspor. Wir hoffen auf ein positives Resultat. Sollte der 1. FCM die Klasse halten, dann bin ich der festen Überzeugung, dass am ersten Spietag in der neuen Saison bis zu 10000 Zuschauer den Weg ins Stadion finden werden.