Ein kühler Wind wehte am Sonnabend durch die MDCC-Arena, dem Fußballstadion des Regionalligisten 1. FC Magdeburg. Die wärmenden Sonnenstrahlen schafften es allerdings nicht bis auf die Südtribüne, auf der nicht wie sonst die Gästefans Platz nahmen, sondern 2010 Kinder mit ihren Begleitpersonen. Der 1. FCM-Fanclub "Alt-Staßfurt" ließ das Projekt "Tradition fördert Zukunft" Wirklichkeit werden, mit dem Ziel, neue Fans zu gewinnen. Allerdings lieferten die Magdeburger im Abstiegskampf gegen den TSV Havelse eine desolate Leistung ab und verloren mit 1:2 (0:1).

Magdeburg. Auf zwei der mehr als 22000 blauen Schalensitze nahmen Meggy Zwerg und Filine Thierfelder Platz. Die jungen Warmsdorferinnen, ausgestattet mit bunten Tröten, weißen T-Shirts, auf dem das Emblem des 1. FCM prangte, sowie um die Arme und den Hals gebundene Fanschals, sorgten bereits auf der Zugfahrt von Staßfurt in die Landeshauptstadt für gute Stimmung. Es wurde gesungen und schon einmal der Jubel bei einem Torerfolg geprobt. Die Vorfreude stieg, nicht nur bei den beiden. Im ganzen Abteil dominierten die Farben blau und weiß, denn Meggy und Filinie waren nur zwei von 2010 Kindern, die sich an der Aktion beteiligten.

Heike Zwerg, die Mutter von Meggy und die Schwester von Martin Kühnert, dem Organisator des Projekts, war von der Idee sofort begeistert. "Das ist eine super Aktion. Der FCM braucht Nachwuchs." Noch mehr wünschte sie sich als Fan des Clubs natürlich "einen Sieg und viel Spaß".

Dann rollte der Zug, es war 11.40 Uhr, auf Gleis zwei des Hauptbahnhofs in Magdeburg ein. Dicht gedrängt standen die Kinder an den Ausgängen und warteten ungeduldig auf das Signal zum Öffnen der Türen. Dann ging es ganz schnell, die Türen öffneten sich und die Kinder rannten auf den Bahnsteig. Besorgte Eltern riefen ihre Schützlinge zurück und nahmen sie vorsichtshalber an die Hand. Auf den Bahnsteigen standen bereits Ordner in orangefarbenen Westen, die die Kinder mit ihren Begleitpersonen in Empfang nahmen und ihnen den Weg auf den Bahnhofsvorplatz wiesen.

Als "Wegweiser" fungierten unter anderem Marco Weidl und Anja Minge, die ebenfalls dem Fanclub "Alt Staßfurt" angehören. Die Aktion fanden beide "einfach nur genial", und Minge fügte noch an "es wird so wenig für die Kinder gemacht".

Der Bahnhofsvorplatz verwandelte sich langsam in ein blau-weißes Farbenmeer. Während also auf die Straßenbahn gewartet wurde, holten Väter ihre Kameras aus ihren Rucksäcken und schossen fleißig Erinnerungsfotos. Plötzlich rief jemand aus der Menge: "Bitte mir folgen." Es war Jens Zimmermann, der die Kinder bis zum Stadion begleitete. Die Straßenbahn fuhr vor. "Es sind Sonderstraßenbahnen nur für die Kinder, die zum Einsatz kommen", erklärte Zimmermann.

Er lehnte während der Fahrt locker an der Fahrerkabine und hatte dabei alles im Blick. Er erzählte nicht viel, stattdessen ließ er seinen Blick aus dem Fenster schweifen. Nur noch eine Rechtskurve und das Ziel war fast erreicht. Vor den Kindern lag dann noch ein etwa zehnminütiger Fußmarsch bis zum Eingangsbereich. Dort angekommen erwarteten die Kinder einige Aktionen. Dicht umlagert war bereits der Tisch, an dem die FCM-Profis wie beispielsweise Tobias Friebertshäuser, Shergo Biran oder Patrick Bartsch fleißig Autogramme auf T-Shirts oder auf Ankündigungsplakate schrieben.

Auf dem weißen T-Shirt von Dominik Dorendorf aus Brumby hatten sich die Spieler ebenfalls verewigt. Der Zehnjährige war zusammen mit Kindern aus den Jugendclubs Förderstedt, Glöthe, Atzendorf und Brumby zum Spiel angereist. Diese Jugendeinrichtungen gehören dem Verein "Rückwind" aus Schönebeck an, deren Projektleiterin Thekla Simon ebenfalls mit nach Magdeburg gefahren war. Sie outete sich als großer FCM-Fan und hoffte wie ihre Schützlinge "auf ein gutes Spiel".

Zimmermann hat sich währenddessen ein schattiges Plätzchen unter dem Getränketruck gesucht und nahm einen kräftigen Schluck aus einem mit Maracujabrause gefüllten Plastikbecker. Er erzählte dabei von seiner Liebe zum 1. FCM. "Ich habe bisher kein Spiel des Clubs ausgelassen und fahre auch auswärts immer mit", sagte der 47-Jährige, der einer der Ältesten im Fanclub "Alt Staßfurt" ist. Doch am Sonnabend konnte er seinem Team nicht live vor Ort die Daumen drücken. "Ich muss arbeiten und meine Schicht fängt um 14 Uhr an." Er ist Pfleger im Behindertenheim "Stiftung Waisenhaus" in Staßfurt und zudem offizieller Behindertenbetreuer beim 1. FCM. Die Partie verfolgte er im Internet am Liveticker.

Meggy Zwerg und Filine Thierfelder sahen die Blau-Weißen live und feuerten die Mannschaft lautstark an. An der Fanunterstützung aus der Südkurve kann es wohl nicht gelegen haben, dass die Magdeburger verloren haben.

   

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