Matthias Härtl vom Fußball-Verbandsligisten SV 09 Staßfurt wechselt zur kommenden Saison zum Ligakonkurrenten TV Askania Bernburg. Im Alter von 29 Jahren war es wohl der letztmögliche Zeitpunkt für einen Wechsel, "ich wollte noch einmal eine neue Herausforderung". Mit dem neuen Team möchte sich der Angestellte in einem Staßfurter Friseursalon den Traum von der Oberliga erfüllen, "vielleicht schon im nächsten Jahr". Die größere Perspektive hat also den Ausschlag für den Wechsel gegeben.

Bernburg/Staßfurt. Seit seinem fünften Lebensjahr ist Matthias Härtl mit dem SV 09 eng verbunden, es sei wie eine harmonische Ehe mit Höhen und Tiefen gewesen, "aber es waren eindeutig mehr Höhen", betonte er. Natürlich "gab es mal Knatsch", beispielsweise beim Abschied von Lutz Schnitzker oder der Entlassung von Trainer René Schulze, "das hat aber nicht Ausschlag für den Wechsel gegeben".

Die größere sportliche Pers- pektive beim TVA begründet Härtl auf dem Personal. Mehrfach sei der Torjäger in den vergangenen Jahren vertröstet worden, Verstärkungen habe es aber nur bedingt gegeben. "Immer wieder sind wir die Saison mit Jugendspielern angegangen." Vor allem in dieser Saison hat Härtl das zu spüren bekommen, die Pässe in den Sturm waren selten, er musste sich die Bälle oftmals im Mittelfeld holen und blieb dann an der Abwehr hängen, wie es beispielsweise zuletzt beim FC Romonta Amsdorf der Fall war. Acht Treffer hat er bisher erzielt, in früheren Jahren waren es regelmäßig an die 20 Tore.

Auf diesen Wert will er es dann in Bernburg wieder bringen. Bereits vor zwei Jahren habe der Verein Interesse bekundet, Härtl lehnte aber ab. So erlebte er mit dem SV 09 einen der schönsten Momente in seiner Karriere, den sofortigen Wiederaufstieg in die Verbandsliga im vergangenen Jahr, den er mit seinen "Kumpels" natürlich gebührend gefeiert hat. "Sie werden mir sicher fehlen."

Doch bis zu Härtls Abschied sind es noch fünf Spiele mit den Staßfurtern, und in diesen will er sich auf keinen Fall hängen lassen. "Ich werde bis zum Schluss meine Knochen für den SV 09 hinhalten", sagte er im Hinblick auf den Endspurt in der Saison. "Ich werde weiterhin alles geben und hoffe, dass wir den Klassenerhalt erreichen." Dafür soll möglichst heute beim MSV Preussen "ein Punktgewinn herausspringen". Das entscheidende Spiel aber steht in drei Wochen gegen den TSV Völpke bevor. "Dann wird sich zeigen, wo die Reise hingeht." Für Härtl nach der Saison auf jeden Fall nach Bernburg, zumindest für den Fußball. Beruflich bleibt er in Staßfurt.

Michael Angermann, der Präsident des TV Askania, ist froh über die Verpflichtung. "Wir haben ihn schon lange beobachtet und uns im Sturm einen Kandidaten wie ihn gewünscht." Angermann hofft, dass Härtl im Sommer schnell ins Team findet. "Er passt charakterlich gut." Und mit Zuspielen der Askania-Akteure "soll er Spaß am Fußball haben und könnte 15 Treffer in der Saison beitragen". Dass sich Staßfurt und Bernburg in dieser Saison ausgerechnet vor dem letzten Spieltag gegenüberstehen, sieht Angermann eher gelassen. "Ich hoffe, dass Staßfurt dann nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hat."

Bernburg habe indes weitere personelle Wünsche, "es ist aber noch nichts perfekt". Vor allem auf der Position des Innenverteidigers wird es eine Lücke geben. Jan Reichel beendet nach der Saison seine aktive Laufbahn und könnte im Vorstand tätig werden.

Für Rüdiger Rüchardt, den sportlichen Leiter des SV 09, geht nun die Suche nach einem neuen Stürmer los. "Das ist doch ganz normal, dass man sich dann umschauen muss." Auch Toni Mutschler, der im Sommer zum Studium nach New York geht, wird den Verein verlassen. Von weiteren Abgängen wisse Rüchardt allerdings nichts.

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