Ein bisschen wie im Urlaub muss sich Reiner Baumgart am Sonnabend vorgekommen sein. Der Trainer des Mitteldeutschen Handball-Oberligisten HV Rot-Weiss Staßfurt genoss die fast dreistündige Anreise zum HSV Apolda im Mannschaftsbus. "Das Wetter war schön. Auf den Feldern im Mansfelder Land blühte der Raps", schwärmte der 56-Jährige. Dass der Tag für ihn noch schöner wurde, dafür sorgte insbesondere Keeper Stefan Wiederhold, der den entscheidenden Siebenmeter in den Schlusssekunden parierte und die Rot-Weissen zum 26:25 (14:13)-Auswärtserfolg führte.

Apolda. Wiederhold rückte für den verletzungsbedingt fehlenden Sebastian Schliwa in die Startsieben. Schliwa hatte sich beim Training die linke Hand gebrochen, er wird somit auch am kommenden Sonnabend, wenn die Staßfurter am Abschlussspieltag die HSG Wolfen empfangen, nicht zur Verfügung stehen. Als Ersatzkeeper reiste Andreas Stops mit nach Thüringen und bewies ebenfalls gute Reflexe. "Wir haben ihn nur bei Siebenmetern eingesetzt", sagte Baumgart. Stops konnte sich gleich mehrfach beweisen, denn der Gastgeber bekam insgesamt neun Strafwürfe zugesprochen, allerdings vergaben die Schützlinge von Trainer Ralph Börmel drei davon. Den wohl wichtigsten in den Schlussekunden, als Rückraumschütze Viorel Sava am gut reagierenden Wiederhold scheiterte.

Diese Niederlage bedeutete für den HSV das Ende des Traums, den vom Klassenerhalt. Im Vorfeld gaben Börmel die Leistungen und die Ergebnisse aus den vergangenen Partien Zuversicht, dass das Ziel im Endspurt noch erreicht werden konnte. "Dafür müssen wir siegen", gab er die Marschroute vor. Danach sah es in den ersten 20 Minuten nicht aus. Die Rumpftruppe aus Staßfurt - Baumgart reiste mit neun Feldspielern und zwei Torhütern nach Apolda - drückte der Partie ihren Stempel auf.

Sie erwischte einen glänzenden Start und gingen schnell mit sechs Treffern in Führung - 4:10. "Was wir uns vorgenommen haben, hat funktioniert. Wir haben solide in der Deckung gestanden und sicher vor dem gegnerischen Gehäuse abgeschlossen", hatte Baumgart beobachtet. Sein Team war insbesondere im Angriff mit drei Linkshändern - Eike Rach, Nils Hähnel und Roman Bruchno - gehandicapt. Als Alternative saß zwar Alexander Ernst auf der Bank, doch ihn wollte Baumgart aufgrund seiner Schulterprobleme nur im Notfall bringen. Dazu kam es nicht, denn insbesondere Rückraumschütze Sebastian Retting und Linksaußen Sebastian Scholz liefen zur Höchstform auf. Beide erzielten insgesamt 15 Treffer. Im Angriff setzte zudem Volker Wartmann die Akzente, er erzielte vier Treffer. "Er hat ein gutes Spiel gezeigt", lobte Baumgart.

Alles andere als erfreut war Baumgart dann über die letzten zehn Minuten der ersten Hälfte, als die Schiedsrichter auf beiden Seiten Entscheidungen trafen, die für Verunsicherung sorgten. "Wir haben uns dadurch beeinflussen lassen", ärgerte sich der Coach. Durch diese Entscheidungen, wodurch die Staßfurter oftmals in Unterzahl agierten, keimte bei den Thüringern, die sich bis zur Pause zum 13:14 herankämpften, wieder Hoffnung auf.

Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit schien das Ziel nicht fern, der Gastgeber glich zum 14:14 aus und enteilte bis zur 43. Minute zum 21:17. Zumal die Staßfurter einen schweren Verlust hinnehmen mussten. In der 41. Minute sah Hähnel die rote Karte, er hatte einen Gegenspieler beim Wurf behindert. Die Alternativen zum Wechseln waren somit aufgebraucht. Nun zeigte die Mannschaft das, was sie bereits in den vergangenen Partien auszeichnete - ihren enormen Kampfgeist. In der Deckung erkämpfte beispielweise Tobias Ortman einige Bälle, die dann Scholz sicher verwandelte und so den Rückstand verkürzte.

Der Jubel fiel nach dem zehnten Saisonsieg eher verhalten aus. "Wir haben schon euphorischer gefeiert", wusste Baumgart.

Dennoch hatte er am Ende viele Gründe sich zu freuen. Einen davon lieferte Wiederhold, so dass er die Rückfahrt dann ebenfalls in vollen Zügen genoss.

Staßfurt: Wiederhold/Stops - Rach (2), Wartmann (4), Bruchno (2), Scholz (6), Hähnel (2), Retting (9), Ortmann (1), Richter, Ernst

Siebenmeter: Apolda 9/6 - Staßfurt 3/3; Zeitstrafen: Apolda 9 - Staßfurt 10; Rot: Nils Hähnel (Staßfurt/41.), Tobias Ortmann (3x2 Minuten/Staßfurt/52.)

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