Die Stille und die Einsamkeit hatten Peter Köhler am Sonnabendnachmittag umgeben. Der Trainer des Fußball-Verbandsligisten SV 09 Staßfurt stand noch minutenlang nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen neben der Gästebank. Der 47-Jährige wirkte wie abwesend, sein Blick war starr in die Ferne gerichtet. Die Leistung seiner Elf machte ihn einfach nur sprachlos. "Ohne Worte", fasste er das Geschehene kurz zusammen. Im Kampf um den Klassenerhalt lieferten die Staßfurter beim Tabellenvorletzten TSV Völpke "eine blamable Vorstellung" ab. Sie unterlagen deutlich mit 2:8 (1:5) und rutschten zum ersten Mal in dieser Saison auf einen Abstiegsplatz.

Völpke. Köhler sprach im Vorfeld immer wieder vom "alles entscheidenden Spiel, das wir auf keinen Fall verlieren dürfen, sonst ist der Abstieg wohl besiegelt". Er freute sich schon auf "einen heißen Fight". Seine Spieler, die bei der Abfahrt "angespannt und konzentriert " wirkten ebenfalls. Bei der Erwärmung vor dem Anpfiff spürte Köhler noch keine negativen Anzeichen, dass sich die Partie am Ende zu einem Offenbarungseid entwickeln sollte.

In den ersten zehn Minuten schien noch alles ganz normal. Allerdings setzte sich der Völpker Express schon langsam in Bewegung, noch aber wurde er in seinem Offensivdrang von der zunächst gut agierenden Viererabwehrkette mit Felix Jesse, Mathias Oehme, Björn Friedrichs und Marcel Mähnert in die Schranken gewiesen. Der erste Gegentreffer durch Stürmer Markus Vogel in der zehnten Minute sollte dann erst der Anfang sein.

In den vergangenen Partien zeigten die Staßfurter immer wieder Moral und kämpften sich nach Rückständen zurück ins Spiel. Das war am Sonnabend nicht der Fall. "Wir standen in den ersten 30 Minuten gar nicht auf dem Platz", hatte Köhler beobachtet. Die Gäste präsentierten sich nach dem Gegentreffer völlig von der Rolle. Anders der TSV, der Lust auf mehr verspürte und aus einer gesicherten Defensive um Kapitän Ingo Herrmanns heraus zu kontern versuchte. "Die Mannschaft hat sich die Bälle ständig erkämpft und gut in die Tiefe gespielt. Das Umkehrspiel war der Schlüssel zu Erfolg", hatte TSV-Trainer Thoralf Bennert beoachtet. Angreifer René Hasse, einer der auffälligsten Akteure, baute die Führung nur fünf Minuten später zum 2:0 aus. "Die ersten beiden Treffer haben uns Sicherheit gegeben", betonte Bennert.

Der SV 09 blieb im Vorwärtsgang zu harmlos. So hatte Matthias Härtl nach Vorarbeit von Sturmpartner Denny Pieler den Anschlusstreffer auf dem Fuß, aber er vergab (18.). Beide mussten sich die Bälle immer wieder im Mittelfeld erkämpfen. In dem setzte beim Gastgeber insbesondere Niklas Noeske die Akzente. Er scheute keinen Zweikampf und belohnte sich für seine Leistung in der 24. Minute. Er erhöhte zum 3:0. Damit nicht genug, zappelte der Ball nur Sekunden später erneut im Gehäuse von SV 09-Keeper Tobias Witte. Erneut war es Hasse, der dem Schlussmann keine Chance ließ - 4:0 (25.). Während der Gastgeber unter anderem durch ein harmonisches Zusammenspiel glänzte, wähnten sich die Staßfurter wie Statisten in einem falschen Film.

"Einige sollten sich mal überlegen, warum sie nach Völpke gefahren sind", ärgerte sich Köhler über die Einstellung einiger seiner Akteure. Der SV 09 offenbarte Schwächen in allen Mannschaftsteilen. Da hatte sich beispielweise Felix Jesse auf Rechtsaußen gut in Szene gesetzt, er fand aber keinen Abnehmer. Die oftmals fehlende Laufbereitschaft war allerdings nur ein Manko, ein anderes war, dass die Bälle in der Vorwärtsbewegung leichtfertig verloren wurden. Die Kommunikation ließ ebenfalls zu wünschen übrig. Es herrschte mitunter Stille auf dem Platz, keine Ansagen von Außen, keine aufmunternden Worte zwischen den Spielern. Es schien, als ob sich der SV 09 bereits in dieser Phase aufgegeben hatte.

Dieses Fehlverhalten gipfelte in der 28. Minute im 5:0, als sich Noeske an der Grundlinie gegen Jesse durchsetzte, den Ball in den Strafraum flankte und Hasse eiskalt abschloss. "Wir haben unsere Chancen konsequent genutzt", freute sich Bennert. Victor-Ramon Roldan-Arias verkürzte vor der Pause nach Vorarbeit von Härtl zum 5:1 (41.). In der Kabine folgte eine Ansprache von Köhler, die alles andere als leise war. Nach zehn Minuten war alles gesagt, Köhler verließ den Raum. In der Kabine des Gastgebers fiel die Ansprache von Bennert ebenfalls klar aus. "Sie sollten nicht passiv werden und die Partie über den Ballbesitz kontrollieren."

Seine Elf knüpfte nahtlos an die Leistung aus den ersten 45 Minuten an. Die Staßfurter schienen noch in der Kabine, als Benjamin Sacher nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff das halbe Duzend voll machte - 6:1 (47.). Hasse glänzte nicht nur als Vollstrecker, sondern auch als Vorbereiter. Er ließ Jens Liensdorf, den Köhler in die Defensive beorderte, einfach stehen und passte zu Sacher. Die Gäste wurden lehrbuchreif ausgekontert und mussten in der 59. Minute das 7:1 hinnehmen. Erneut war es Sacher, der nach Pass von Noeske, erfolgreich einnetzte. Für Ergebniskosmetik sorgte Härtl, der zum 7:2 traf (65.). Das Schützenfest war allerdings noch nicht beendet. Den Schlusspunkt setzte der bis dahin dreifache Torschütze Hasse, der in der 83. Minute zum 8:2-Endstand traf.

Die Freude kannte beim Gastgeber, der aufgrund "der Galavorstellung" die Abstiegszone verließ und es nun in eigener Hand hat, den Klassenerhalt zu schaffen, keine Grenzen. "Wir haben ein kleines Zeichen gesetzt. Wir wollen in der Liga bleiben. Dafür müssen wir gegen Halle nachlegen", schaute Bennert voraus. Der SV 09, der erstmals in dieser Saison in die Abstiegszone rutschte, hat nun zwei Punkte Rückstand zum TSV. "Es sind noch zwei Spieltage, an denen sechs Punkte zu vergeben sind. Wir werden alles versuchen, die Klasse zu halten", gab sich Köhler schon wieder kämpferisch.

Völpke: Tenneberg - Hermanns, Küllmei, Heimrath (55. Bläsing), Hoffmann (70. Burger), Güldner, Sacher, Vogel, Grabau (62. Bremse), Noeske, Hasse

Staßfurt: Witte - Friedrichs, Oehme (31. Ponickau), Liensdorf, Mähnert, Mähnert, Härtl, Piele, Jesse (78. Moye), Drachenberg (46. Lissek), Roldan-Arias, Tonn

   

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