Als das Lied der deutschsprachige Popband Virginia Jetzt! - "Dieses Ende wird ein Anfang sein" vor dem Anpfiff durch die Lautsprecherboxen im Stadion der Einheit in Staßfurt schallte, ahnten wohl weder die Zuschauer noch die Verantworlichen des SV 09, dass diese Textzeilen nur 90 Minuten später Realität werden sollten. Für den abstiegsbedrohten Fußball-Verbandsligisten zählte am Sonnabend im Heimspiel gegen den TV Askania Bernburg nur ein Sieg, um noch die Chance auf den Ligaverbleib zu wahren. Das gelang nicht, weil die Staßfurter mit 0:3 (0:2) unterlagen und der TSV Völpke sein Auswärtsspiel beim Halleschen FC II mit 2:0 (2:0) gewann. Damit war der Abstieg der Bodestädter besiegelt.

Staßfurt. An den vergangenen Tagen verbreitete ein neuer Coach beim SV 09 Aufbruchstimmung. Es war Peter Sauerbier, der am Mittwochabend dem Team beim Training vorgestellt wurde. Ihn erwartete indes eine schwere Aufgabe, denn die Mannschaft strotzte insbesondere nach den zahlreichen Negativerlebnissen nicht gerade vor Selbstbewusstsein. Daher waren vor allem die psychologischen Fähigkeiten des Trainers gefragt, um die Mannschaft wieder aufzubauen und zwar mit Bedacht, denn der Funken Hoffnung war trotz der dramatischen Situation - der Rückstand zu einem Nichtabstiegsplatz betrug zwei Zähler - noch nicht erloschen. "Ich glaube an das Wunder", betonte Sauerbier. Dieses sollte am Ende ausbleiben, so dass er nun mit dem Team in der kommenden Saison in der Landesliga neu starten kann. "Das Gros der Mannschaft bleibt zusammen", blickte er voraus.

Der Magdeburger hätte sich seinen Einstand dennoch ein wenig anders vorgestellt, als mit der Niederlage und dem Abstieg. In den Anfangsminuten waren noch keine Anzeichen dafür zu spüren. Sauerbier forderte: "Volle Konzentration." Im Gegensatz zum vorherigen Spieltag beim TSV Völpke ging es alles andere als ruhig auf dem Platz zu. Den Takt gaben insbesondere Kapitän Björn Friedrichs oder Jens Liensdorf im Mittelfeld vor. Friedrichs hob zwischendurch seine Hände und ordnete seine Vorderleute wie ein Orchesterdirigent. Für Sauerbier allerdings nicht laut genug. "Es war zu wenig. Der Mannschaft fehlt ein Lautsprecher."

Der Gastgeber setzte die Akzente, versuchte aus einer gesicherten Defensive die Bälle kontrolliert nach vorn zu bringen. Für Verteidiger Daniel Ponikau ergab sich die erste gute Möglichkeit, als er sich auf der linken Seite freispielte und mit einem Fernschuss Askanias Schlussmann Patrick Baldaus prüfte (15.) Auf der anderen Seite hatte Martin Weile Pech, als er nur den Pfosten traf. Die Staßfurter probierten es oftmals aus der Ferne, beispielsweise durch Victor-Ramon Roldan-Arias in der 35. Minute. Der Erfolg blieb aus. Anders bei den Gästen, als nach einer Ecke der Ball in den Strafraum segelte und aus dem Gewühl heraus Benjamin Kollmann die 1:0-Führung (36.) erzielte. Den Ausgleich hatte dann Roldan-Arias auf dem Fuß, der den Ball direkt in die Arme von Baldauf schoss. "Die Jungs müssen an sich glauben, aber es fehlt ihnen das kleine Erfolgserlebnis", wusste Sauerbier. Die Moral erhielt kurz vor der Pause einen weiteren Knacks, als erneut nach einer Standardsituation der Ball im Tor des Gastgebers lag. Jan Bauer erhöhte zum 0:2 (44.).

Nach dem Wechsel hatten die Staßfurter noch einige brenzlige Situationen zu überstehen. Die erste in der 51. Minute, als Tobias Donath erst die gegnerische Abwehr, dann SV 09-Keeper Tobias Witte ausspielte und das 0:3 auf dem Spann hatte. Friedrichs schaltete am schnellsten und rettete vor der Linie. Die Bernburger übten insbesondere mit ihrem schnellen Spiel über die Flügelseiten viel Druck aus und setzten immer wieder Nadelstiche mit langen Bällen in die Spitze. "Wir hätten ein, zwei Tore mehr schießen müssen", ärgerte sich Henry Schachner über die Chancenverwertung. Er vertrat Heiko Böhler aus beruflichen Gründen an der Seitenlinie. Ihm sollte allerdings noch ein Jubelschrei über die Lippen kommen. Das war in der 70. Minute, als Witte den Ball aus dem Strafraum köpfte und dieser direkt vor die Füße von Kollmann fiel. Er brauchte nur noch einzuschieben - 0:3 (70.).

Sauerbier musste nach der Partie erst einmal kräftig Durchatmen. Die Fehler waren indes schnell ausgemacht. "Wir haben in der zweiten Hälfte die Räume nicht eng gemacht. Die Laufbereitschaft war nicht da. Wir haben die Ordnung im Mittelfeld vermissen lassen", führte der Coach aus. Es liegt also noch viel Arbeit vor ihm. Die Textzeilen von Virginia jetzt! - "Diese Ende wird ein Anfang sein" könnten ihm also die nötige Lockerheit geben.

Staßfurt: Witte - Friedrichs, Oehme, Liensdorf, Härtl, Piele (62. Stein), Roldan-Arias, Ponikau (83. Stachowski), Tonn (46. Limpächer), Mähnert, Jesse

Bernburg: Baldauf - Reichel, Fritsche, Donath, Wegener, Schmidt (82. Tafzi), Duscha, Kollmann (78. Falke), Weile, Spielmann, Bauer

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