Staßfurt l Jens Liensdorf erinnert sich noch genau: In der Saison 2005/06 ist der SV 09 von der Couch aus aufgestiegen. Und Liensdorf war als Spieler dabei. „Es war ein komisches Gefühl“, sagt der heutige Coach der Staßfurter. Und jetzt hätte sich das wiederholen können. Hätte der SV Langenstein den Quedlinbuger SV am Donnerstagabend besiegt, stünde der SV 09 als Meister bereits fest. So wahrte sich der QSV die Chance auf Platz eins. Mit einem Heimsieg gegen den SC Heudeber können die 09er diese Hoffnungen aber zunichte machen und die Meisterschaft eintüten.

„Mir gefällt das so besser, wenn wir es noch sportlich klar machen können“, sagt Liensdorf. Dann können die Spieler auch endlich ihre Taschen auspacken. Die sind schon seit dem vergangenen Wochenende gepackt. Denn die Bodestädter hätten mit einem Sieg in Quedlinburg schon alles klar machen können, kassierten jedoch die erste Niederlage der Saison. Mit einem Sieg jetzt dürfen die Taschen geöffnet werden. Bier oder Sekt, was ist drin? Wahrscheinlich beides, aber im Prinzip auch egal. Die Staßfurter wollen einfach nur feiern und sich damit für eine hervorragende Saison belohnen. „Die Jungs haben etwas vorbereitet. Sie können ja nicht nur Fußball spielen, sondern auch feiern“, sagt Liensdorf lachend. Für das Spiel hofft er auf „zahlreiche Fans und eine tolle Atmosphäre“.

Doch klar ist auch: Erstmal muss das Spiel gegen das Team aus Heudeber auch gewonnen werden. Der SCH ist bereits sicher abgestiegen und „muss nicht mehr um jeden Preis die drei Punkte holen“, sagt Liensdorf: „Heudeber ist sicher die leichteste Aufgabe von unserem Restprogramm und damit auch die beste Möglichkeit, um die noch fehlenden drei Punkte zu holen.“

Klarer könnte die Ansetzung auf dem Papier kaum sein. Die 09er sind haushoher Favorit, aber dürfen den Gegner auch nicht unterschätzen: „Wir dürfen nicht zu arrogant auftreten und die Sektkorken schon vor dem Spiel knallen lassen.“ Doch rufen die Staßfurter ihre spielerischen Möglichkeiten ab, sollte es gegen den Absteiger keine Probleme geben. Wie schon beim deutlichen 6:0-Sieg im Hinspiel. Damals hätten die 09er schon zur Pause mit diesem Resultat führen können. Da war Liensdorf „etwas angefressen.“

Die Chancenverwertung. Wahrscheinlich das einzige Manko einer sehr überzeugenden Saison des SV 09. Aber zuletzt wurde das dem Spitzenreiter immer wieder zum Verhängnis, auch bei der ersten Niederlage seit Monaten in Quedlinburg. „Wir müssen vorn wieder konzentrierter agieren“, fordert der Übungsleiter.

Gab es da auch mal Sonderschichten im Training? Im Gegenteil. Die Einheiten waren in dieser Woche etwas lockerer. Dienstag bekamen die Spieler ein leichteres Programm, „weil die Wochen zuvor sehr anstrengend waren“. Am Donnerstag lief es „aufgrund der Temperaturen“ etwas entspannter ab. Somit müssten die Kräfte für das Spiel gegen Heudeber da sein.

Und die Abschlussschwäche von zuletzt? Da macht sich der Trainer überhaupt keine Gedanken. „Wir haben mit Stefan Stein und Benjamin Kollmann zwei Topstürmer. Das haben sie auch schon bewiesen in dieser Saison.“ Stein (21) und Kollmann (18) steuerten den Großteil der Staßfurter Tore bei. „Mir ist nicht bange“, sagt Liensdorf. Laut dem Trainer müsse vor allem bei Kollmann einfach der Knoten mal wieder platzen. Vielleicht mit einem Tor gegen den Vorletzten? Oder sogar mit mehreren Toren? Auf jeden Fall verlangt Liensdorf ein klares Ergebnis: „Wir wollen eine Leistung zeigen, die einem Aufsteiger würdig ist.“

Nicht dabei ist einzig der rotgesperrte Michael Schmidt. Auch wenn der Kapitän auf dem Platz fehlen wird, dann kann schon mal einer die Feierlichkeiten vorbereiten. Und die Taschen bereitstellen.