Staßfurt l "Unsere Vision: Die Champions League" heißt nicht der Slogan in seiner eigenen Firma. Ralf Möller, der Vorsitzende des SV 09 Staßfurt, ist ein ehrgeiziger Mann. Der Sport ist für ihn der perfekte Ausgleich zu Beruf und Familie. Und auch wenn Ralf Möller die Geschicke der 09er leitet, bleibt er lieber im Hintergrund. Volksstimme-Redakteur Dennis Uhlemann sprach mit dem Vorsitzenden des SV 09 Staßfurt.

Volksstimme: Herr Möller, Sie sind nicht nur Vorsitzender des Vereins, sondern brennen auch für den SV 09 Staßfurt. Ihr Enkelsohn Mats, im vergangenen Jahr geboren, ist bereits Mitglied. Wie kam das zustande?

Möller: Ich habe nach der Geburt gesagt: Das wird unser jüngstes Mitglied. Der Tag der Geburt ist der Tag des Eintritts in den Verein.

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Und auch davon ab spielt der Fußball eine große Rolle bei Ihnen. Ihr Sohn Lukas erzielte kürzlich das 100. Tor der Staßfurter in der abgelaufenen Saison. Macht Sie das stolz?

Auf jeden Fall. In dieser Saison hat bei uns einfach alles geklappt. Die Meisterschaft, der Pokalsieg, Stefan Stein wurde Torschützenkönig und wir haben auch unseren Torrekord übertroffen. Dass Lukas das 100. Tor machen konnte, freut mich umso mehr. Da bin ich stolz drauf, keine Frage. Desweiteren freue ich mich aber auch, dass unser Sohn Mathias in der Zweiten spielt und seit der C-Jugend dem Verein die Treue hält.

Kann man sagen, dass Familie Möller fußballverrückt ist?

Selbstverständlich. Ich betrachte den Fußball als sozialen Auftrag, verbunden mit meinem Hobby. Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben, deshalb kümmere ich mich um den Verein. Wir haben zehn Nachwuchsmannschaften, drei Herrenmannschaften sowie zwei Mannschaften der Alten Herren. In den vergangenen fünf Jahren ist sehr viel entstanden.

Was sind Sie zum Fußball gekommen?

Ich habe von meinem sechsten Lebensjahr an Fußball gespielt. Deswegen war da schon immer eine Affinität vorhanden. Ich war immer mit dem Fußball in der Region verbunden. Ich bin in Löderburg groß geworden, habe dort dann in der Ersten gespielt und bin dann nach Staßfurt gewechselt. In der Saison 1986/87 habe ich alle Spiele in der ersten Mannschaft mitgemacht. Dann begann ich zu studieren und musste Prioritäten setzen. Es war nicht mehr genug Zeit zum Trainieren vorhanden. Ich habe dann noch in der Zweiten gespielt, bin später nach Hecklingen gewechselt und habe dort bis zu meinem 38. Lebensjahr gespielt. Es ist mein Hobby, es macht Spaß, ich hatte viele tolle Jahre. Wir haben damals noch aus Leidenschaft gespielt.

Und heute ist das anders?

Ja, schon ein bisschen. Geld spielt eine Rolle, viele Spieler werden so weggelockt. Es kann doch nicht sein, dass wir Spieler bis zur A-Jugend hochbringen und die dann zu einem anderen Verein gehen. Unsere Philosophie ist es, Spieler aus der Region in die erste Mannschaft zu etablieren. Und das ist uns gelungen. Wir sind alles Staßfurter, alles Leute aus der Region, bis auf Michael Schmidt, er kam von Askania Bernburg zu uns. Er wurde auf Anhieb zum Kapitän gewählt, weil er menschlich und auch als Führungsperson ein toller Typ ist. Mit seiner Oberliga-Erfahrung konnte er der Mannschaft enorm helfen. Wir wachsen immer mehr zusammen. Wir sind füreinander da und ein super Team.

Aber das war aber nicht immer so, oder? Es gab ja in den vergangenen Jahren, vor allem bevor Sie ins Boot geholt wurden, einige Schwierigkeiten. Was hat sich seitdem verändert?

Vor fünf Jahren habe ich mich dazu überreden lassen, beim SV 09 die Führung zu übernehmen. Damals ging es dem Verein, auch finanziell, nicht besonders. Ich wollte dort helfen, wurde als Präsident gewählt. Es war eine große Schieflage, der Verein stand auf der Kippe. Und meine Entscheidung war damals: Ich lasse das nicht zu, ich lasse den Verein nicht fallen. Für eine tolle Stadt wie Staßfurt, für einen Verein mit so viel Tradition. Es war die richtige Entscheidung.

Es waren aber dennoch nicht alle Steine aus dem Weg geräumt. Sie haben sich 2014 vorübergehend als Präsident zurückgezogen.

Es gab zwischenzeitlich persönliche Enttäuschungen, deshalb hatte ich mich zurückgezogen. Unser Finanzchef Wolfgang Schlüter hat mein Amt übernommen. Jedoch war ich immer im Vereinsregister und habe für den Verein gehaftet. Ich habe Wolfgang Schlüter nicht hängen lassen, sondern war im Hintergrund. Ich habe nie losgelassen. Bei der letzten Mitgliederversammlung habe ich mich doch wieder gestellt, ich wollte wieder Vorsitzender sein. Wir haben die Strukturen etwas schmaler gemacht und einiges umstrukturiert. Mittlerweile stimmt hier alles, das Umfeld, das Team. Dem Verein geht es hervorragend.

Inwieweit sind Sie heute als Vorsitzender auch involviert in taktische Fragen oder Kabinenansprachen? Und schauen Sie sich jedes Spiel an?

Wenn es meine Zeit erlaubt, ja. Ich bin sehr nah an der Mannschaft dran, aber der Trainer hat alle Befugnisse, ich rede ihm nicht rein. Ich glaube, bislang war ich dreimal bei einer Kabinenanprache dabei. Ich möchte das Team nicht zu sehr einengen. Ein bisschen Distanz soll schon sein.

Aber zum Trainer Jens Liensdorf hegen Sie ein gutes Verhältnis?

Kein gutes, ein super Verhältnis! Jens Liensdorf und ich tauschen uns regelmäßig aus. Er ist ein sachlicher und bodenständiger Typ mit sehr guter Fachkompetenz. Generell ist das Trainerteam um Jens, Axel Quednow als Co-Trainer und Thomas Stümpel als Torwarttrainer eine richtig eingeschweißte Truppe. Ich habe Jens vor einem Jahr zu uns geholt. Wir lagen in unseren Zielvorstellungen absolut konform. Und jetzt liegen wir, was diese Ziele angeht, absolut auf Kurs.

Der Aufstieg in die Landesliga ist geschafft, zuletzt machten Sie auch den Pokalsieg klar.

Ja, das war das i-Tüpfelchen auf einer überragenden und sehr erfolgreichen Saison, in der wir wirklich alles erreicht haben.

Aber der Erfolg kommt ja nicht von ungefähr. Auch beim SV 09 fließt Geld an die Spieler, oder?

Ja, wir zahlen Aufwandsentschädigungen. Das wurde erst zu Beginn der vergangenen Saison eingeführt. Ich hatte das zuvor ein paar Jahre beobachtet und meine Lehren daraus gezogen. Uns hat Spielermaterial gefehlt. Die Spieler haben sich nicht angestrengt, nicht ihr volles Potenzial abgerufen. Es gab Undiszipliniertheiten auf und neben dem Platz, geringe Trainingsbeteiligung. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Aufwandsentschädigungen an die Spieler zu zahlen.

Und das hat offensichtlich gefruchtet.

Absolut. Nicht umsonst hatten wir in der kompletten Saison mindestens zwölf und sogar bis zu 20 Spieler beim Training, und das zweimal in der Woche. Das ist überall gut angekommen und ein Resultat dafür, dass wir so ein tolles Klima im Verein haben. Es wird Klartext gesprochen beim SV 09 und alle wissen, wo es langgeht.

Diese Zahlungen sind aber sicher kein Usus in der Landesklasse, stoßen teilweise auf Kritik.

Punktuell wird doch überall etwas bezahlt. Das, was wir gemacht haben, war eine Investition in die Zukunft, die sich ausgezahlt hat. Wir wollten unsere Staßfurter Spieler zurückholen. Das war der Hintergrund. Wer nichts sät, kann auch nichts ernten. Wenn du nichts investierst, kommst du nicht vorwärts.

Woher kommen die Gelder?

Durch meine beruflichen Kontakte konnte ich viele Sponsoren anwerben. Dann haben wir im Oktober 2014 einen Förderverein ins Leben gerufen, auch dort bin ich Vorsitzender. Diese Doppelfunktion kann ich aber ohne Probleme ausfüllen.

Generell scheinen Sie ein Tausendsassa zu sein. Sie bekleiden sowohl in ihrer Firma als auch beim SV 09 eine entscheidende Position. Welche Parallelen sehen Sie da?

Es gibt zwischen einer Firma und einem Sportverein tatsächlich viele Parallelen. Die Führungsstrukturen sind ähnlich. Teamleiter in der Firma, Trainer im Verein. Der einzige Unterschied ist, dass im Verein nur dosiert Druck ausgeübt werden kann, das ist ja freiwillig. Aber der Sport soll ja auch ein Hobby bleiben. Viele verwechseln das.

Ist das auch ein Grund, warum Sie eher im Hintergrund bleiben?

Absolut, ich brauche diese Aufmerksamkeit nicht. Ich sehe den SV 09 als eine wunderbare Gemeinschaft. Da muss es auch immer einen geben, der die Geschicke leitet. Aber du brauchst auch Mitstreiter, die voll dazu stehen. Und wir haben ein super Team, sei es der Vorstand, die vielen Helfer oder die vielen Nachwuchstrainer, die sich die Zeit ans Bein binden. Das zollt meinen höchsten Respekt.

Richten wir mal den Blick auf die kommende Saison. Der Aufstieg in die Landesliga ist geschafft. Und der Kader hat ja schon das Niveau für diese Liga. Sind nach Marcus Bolze und Matthias Härtl überhaupt noch weitere Transfers geplant?

Das ist zu hundert Prozent richtig, dieser Kader hatte Landesliga-Niveau. Deswegen werden wir nach diesen beiden Transfers auch nichts mehr unternehmen. Ich hoffe natürlich, dass mein Sohn Lukas den Anschluss schafft, dass er langsam an die erste Mannschaft herangeführt wird. Das haben wir ja schon erfolgreich praktiziert mit Dustin Abresche und Nick Unger. Wir setzen nach wie vor sehr intensiv auf den Nachwuchs. Und mit Matthias Härtl ist zudem ein Routinier, ein alter Staßfurter, zurückgekommen.

...was wieder Ihre Tugend, auf Spieler aus der Umgebung zu setzen, unterstreicht?

Genau. Und auch Marcus Bolze ist ein Spieler aus der Region. Das sind beides keine Einkäufe von außerhalb.

Warum haben Sie sich sportlich für diese beiden Akteure entschieden? Härtl und Bolze sind Stürmer, ihr Sohn Lukas auch. Dazu Benjamin Kollmann und Stefan Stein. Sind Sie da nicht fast ein bisschen überbesetzt?

Wir sind sehr breit aufgestellt, aber das ist doch positiv. Wir können so variieren. Marcus Bolze kann auch über die Außen kommen. Das liegt am Trainer und der wird einige Varianten parat haben. Wir sind froh über die Konkurrenzsituation, das kitzelt ja mitunter noch mehr Leistung raus. In der abgelaufenen Saison sind wir auch mit 21 Spielern gestartet, hatten aber zwischenzeitlich mal nur einen Auswechselspieler. Aufgrund von Verletzungen und Sperren.

Und bis auf Patrick Lissek und Matthias Lieder bleiben alle Spieler an Bord?

Ja, das ist das Positive. Für die neue Saison haben alle ihre Unterschrift geleistet. Nur eben Patrick Lissek hat aufgehört, er ist zu verletzungsanfällig. Das ist schade, zumal er in den vergangenen Spielen super Leistungen gezeigt hat. Bei Matthias Lieder ist es noch offen wegen seines Studiums, das hat natürlich Vorrang, das wissen wir. Wir sind aber froh und stolz, dass die Mannschaft im Großen und Ganzen zusammenbleibt.

Wie sehen Sie mit diesem Kader die Chancen in der Landesliga? Die Liga ist ja sehr stark, bekommt auch mit dem anderen Aufsteiger, Preussen Magdeburg, nochmal ein gutes Team dazu. Wie lautet die Zielstellung?

Unsere Vision ist, irgendwann mal wieder Verbandsliga zu spielen. Deshalb haben wir uns ein paar Ziele abgesteckt. Zunächst erstmal soll es in der kommenden Saison ein guter Mittelfeldplatz werden, nicht mehr und nicht weniger. In der folgenden Saison ist das Ziel Platz drei, und ein Jahr danach wollen wir den Aufstieg in die Verbandsliga angehen. Da ist auch die Obergrenze für einen Ort wie Staßfurt. Wir werden da keinen Druck aufbauen, aber ohne Ziele und Visionen geht es nicht, daran kann man sich orientieren. Wir wollen zudem den attraktiven Fußball, den wir über weite Strecken gezeigt haben, weiter fortsetzen. Und dann sind wir für die Zukunft sehr zuversichtlich.