Recht hohe Wellen hat in den vergangenen Wochen das Thema Kunstrasenplatz in Stendal, für den sich der 1. FC Lok sehr einsetzt, geschlagen. Mit dem Vizepräsidenten des Vereins, Ralf Troeger, sprach Wolfgang Seibicke.

Volksstimme: Warum benötigt Lok einen Kunstrasenplatz?

Ralf Troeger: Wir befinden uns mit 11 Jugendmannschaften im Trainings- und Spielbetrieb, durchweg in den höchsten Ligen des Landes. Vier dieser Mannschaften sind Großfeldmannschaften, die C2-, C1-, die B- und die A-Jugend. Unsere in der neuen Talenteliga spielenden D1-Junioren verfügen zusätzlich ebenfalls über einen Kader Von 18 Spielern. Sie spielen von Strafraum zu Strafraum. Die Mannschaften trainieren durchschnittlich in der Woche dreimal je 1,5 Stunden. Die Kapazitäten sind überreizt.

Stehen am Hölzchen nicht genügend Trainingskapazitäten zur Verfügung?

Die Anlage umfasst vier Fußballplätze. Das Stadion Am Hölzchen selbst steht für das Training nicht zur Verfügung. Weiter ist der Platz 3 dem Trainingsbetrieb der Jugendmannschaften verschlossen. Damit verbleiben zum Training die Plätze 2 und 4. Auf Platz 2 trainiert drei- bis fünfmal in der Woche die 1. Männermannschaft. Der Platz fällt für den Trainingsbetrieb der Jugend also weitestgehend aus.

Somit bleibt der Platz 4 für das Jugendtraining. Dass ein angemessenes Training des Nachwuchses auf diesem einen Platz nicht geleistet werden kann, liegt angesichts der Anzahl der Mannschaften und der Anzahl der Trainingseinheiten auf der Hand. Hinzu tritt, dass dieser Platz nur schwach und nur zu rund einem Drittel ausleuchtbar ist.

Demnach ist die Trainingssituation von Herbst bis Frühjahr ja dramatisch zu nennen.

So ist es. Je nach Witterung können Mannschaften über Wochen und Monate gar nicht im Freien trainieren. Im Übrigen sind die Plätze aufgrund ihrer Beanspruchung in einem äußerst schlechten Zustand.

Ein Kunstrasenplatz wird also vor allem für die "Schlechte Jahreszeit" benötigt?

Ja. Er ist im Wesentlichen ganzjährig bespiel- und stärker belastbar. Darüber hinaus weisen die Kunstrasenplätze der heutigen Generation eine große Ähnlichkeit mit Naturrasen auf, ohne dessen Nachteile wie zum Beispiel etliche Unebenheiten. Auf Kunstrasen kann mit hohem Tempo und hohem technischen Anspruch gespielt und trainiert werden, also weitaus besser als auf einem stark frequentierten und dadurch entsprechend gezeichneten Naturrasenplatz.

Soll der angestrebte Kunstrasenplatz auch der 1. Männermannschaft helfen?

Selbstverständlich ist es für die 1. Männermannschaft von Vorteil, wenn sie bei Unbespielbarkeit der Rasenplätze zu Trainingszwecken auf einen Kunstrasenplatz ausweichen kann. Längere Trainingspausen könnten so vermieden werden. Es ist aber zu betonen, dass der Kunstrasenplatz ganz überwiegend dem Ausbildungs- und Spielbetrieb der Jugendmannschaften sowie dem Stützpunkttraining vorbehalten sein soll, Die Männer tragen ihre Pflichtspiele auf Rasen aus und werden typischerweise auf Rasen trainieren.

Welche Kosten würden auf die Stadt und den Verein Lok zukommen?

Der Kunstrasen ist für den Platz 4 geplant. Es handelt sich um ein städtisches Gelände. Nach unserer Modellrechnung, die mit dem Antrag dem Landesverwaltungsamt vorliegt, würden auf die Hansestadt Stendal Kosten in Höhe von etwa 150 000 Euro zukommen. Der Verein selbst müsste weitere rund 70 000 Euro aufbringen. Überwiegend soll der Platz aus Landesmitteln finanziert werden.

Gibt es nicht bessere Standorte für einen Kunstrasenplatz als das Hölzchen?

Ich wüsste nicht welche. Die Anlage am Hölzchen ist der größte und modernste Sportkomplex der Stadt und sollte mit einem Kunstrasenplatz ihre logische Weiterentwicklung finden. Der Bau eines Kunstrasenplatzes an einem anderen Ort würde nur eine Zersplitterung zur Folge haben. Außerdem trainieren und spielen am Hölzchen die meisten Kinder und Jugendlichen. Weiter findet dort das DFB-Stützpunkttraining statt und kommt hinzu, dass der 1. FC Lok Stendal als Landesleistungsstützpunkt des Landessportbundes anerkannt ist. Ferner ist eine Investition, wie sie der Bau eines Kunstrasenplatzes erfordert, nur sinnvoll und förderfähig, wenn der Platz auch tatsächlich eine Auslastung erfährt.

Dies ist angesichts der Trainings- und Spielbetriebs beim 1. FC Lok Stendal der Fall. Sollte eine Förderung durch das Land erfolgen, erfolgte sie im Übrigen gerade wegen der Bedeutung der Ausbildungsarbeit des 1. FC Lok Stendal für unser Bundesland.

Es gibt immer wieder Stimmen, die behaupten, Lok Stendal bekomme von der Stadt schon genug Unterstützung. Was antworten Sie denen?

Der 1. FC Lok Stendal ist zu allererst ein als Leistungsstützpunkt anerkannter Ausbildungsverein. Junge Sportler werden Woche für Woche von über 20 Trainern bei Lok ausgebildet. Nur ein verhältnismäßig geringer Teil dieser Fußballer spielt später im Männerbereich für den 1. FC Lok. Die überwiegende Anzahl schließt sich nach der Ausbildung anderen Vereinen der Umgebung an. Dieser Aspekt wird leider immer wieder ausgeklammert. Der 1. FC Lok ist der Hansestadt Stendal und ihren Bürgern dankbar, die Anlage am Hölzchen pachten zu dürfen. Von der am Hölzchen geleisteten Arbeit profitiert aber die gesamte Region.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit einem Kunstrasenplatz?

Er würde der Ausbildungsarbeit einen mächtigen Schub geben.

Wird der Kunstrasenplatz kommen?

Nur wenn Politik, Verwaltung und der Kreissportbund unser Anliegen unterstützen.