Spannung, Dramatik und reichlich Emotionen. Das Meisterschaftsendspiel zwischen der SG Einheit Stendal und dem SV Lok Blankenburg in der Herren-Landesoberliga hielt, was es im Vorfeld versprach. Es bot das erwartete Herzschlagfinale um die Landesmeisterschaft in der Winterrunde 2014/15.

Stendal l Überspitzt gemeint könnte den Herren der SG Einheit jetzt schon eines gewiss sein: Würden ihre Punktspiele zeitgleich zum Sonntagskrimi Tatort laufen, sie würden den ambitionierten Drehbuch-Autoren in punkto Nervenkitzel wohl eine Menge Paroli bieten können.

Denn ein Blick zurück auf die Punktspielsaison in der Winterrunde beweist: Die Einheit-Herren sind Spezialisten auf den Gebieten Dramatik und Spannung. So wurden die Partien fast ausnahmlos durch enge Entscheidungen, die meist zu Gunsten der Rolandstädter ausgingen, entschieden. Nur gut passt es daher in das beschriebene Bild, dass die Vergabe über den Meistertitel am vergangenen Sonnabend im Match-Tiebreak besiegelt werden musste.

Doch zunächst zu dem, was vor dem entscheidenden Einzel geschah.

Gegen die in Bestbesetzung aufschlagenden Gäste aus dem Harz erwischen die Einheit-Akteure in der ersten Einzelrunde zunächst einen "Kaltstart". Sowohl bei Kapitän Michael Seeber, der den Tiebreak gegen Christian Kluge nicht für sich entscheiden konnte, wie auch bei Carsten Zeihn ging der erste Satz verloren. Während Seeber schnell mit 0:3 in Rückstand geriet, wendete sich bei Zeihn das Blatt zu seinen Gunsten. Begünstigt durch ein frühes Break zum Anfang des zweiten Satzes ging es nach 6:3-Satzgewinn für Zeihn gegen Gegner Christopher Eckert in den Match-Tiebreak. Eine zwischenzeitliche 5:4-Führung vom 32-jährigen Tangerhütter reichte nach drei schnellen Punkte in Folge von Eckert in der entscheidenden Phase nicht, 6:10.

"Das war mein fünfter Match-Tiebreak im sechsten gespielten Einzel in dieser Saison. In der entscheidenden Phase trifft Christopher nahezu jeden Ball, das hat mir das Genick gebrochen", so Zeihn. Da auch Kapitän Seeber seine Partie nicht mehr drehen konnte, stand es 0:2 aus Sicht des Einheit-Teams.

Im Wissen und Bewusstein, dass eine weitere Einzelniederlage wohlmöglich den SV Lok Blankenburg zum neuen Titelträger gemacht hätte, spielten die beiden Einheit-Akteure Mohme und Hólis groß auf.

Nach anfänglichen Problemen fand Mohme immer besser in die Begegnung und diktierte dem oftmals lamentierenden Stephan Sterzik in der Folgzeit durch seine präzisen, druckvollen Grundlinienschläge sein Spiel auf. Der Lohn: Ein 6:4,6:2-Erfolg gegen den höher eingestuften Konkurrenten aus dem Harz. 1:2, der Anschluss für das Einheit-Team war hergestellt.

Die Blicke richteten sich nun auf das zeitgleich ausgetragene Spitzeneinzel zwischen Martin Hólis und Sebastian Beilecke, das nach 1:1 in den Sätzen in den entscheidenden Match-Tiebreak ging. Mit Blick auf die Uhr, in der Winterrunde ist die Spieldauer auf vier Stunden begrenzt, musste das "Elfmeterschießen des Tennissports", über die Titelvergabe entscheiden.

Die Anspannung war nicht nur den Akteuren auf dem Platz anzumerken. "Ich habe vor Aufregung am ganzen Leib gezittert", verriet Kapitän Seeber. Hólis und Beilecke schenkten sich nichts und boten ihre ganze spielerische Qualität auf. Nach einem Vorhandwinner von Beilecke erspielt der Blankenburger erstmal die Führung im Match-Tiebreak, 8:7. Hólis wiederum kontert bei eigenem Service und behält die Nerven. 9:8, Matchball Hólis und Aufschlag Beilecke. Der aufschlagstarke Kontrahent aus dem Harz zeigt Nerven. Nachdem der erste Aufschlag ins Netz geht, trifft der zweite Aufschlag die Netzkante und fällt von dort aus ins Seitenaus. Sieg für Martin Hólis, der 2:2-Ausgleich für Einheit Stendal, der zum Titel reicht.

SG Einheit Stendal - SV Lok Blankenburg 2:2

Einzel: Hólis - Beilecke 6:4, 2:6, 10:8 ; Seeber - Kluge 6:7, 4:6 ; Mohme - Sterzik 6:4, 6:2 ; Zeihn - Eckert 4:6, 6:3, 6:10.