Das Kuriosentheater von Atzendorf ist mit diesem verrückten Spielverlauf um ein Kapitel reicher. Erst in den letzten zehn Minuten wendete Wulferstedt die drohende Niederlage ab und brachte den Dreizehnten der Tabelle durch den Siegtreffer zum 2:1 in der Nachspielzeit ein weiteres Mal an den Rand der Verzweiflung.

Wulferstedt l Wulferstedt gönnte sich den seltenen Luxus, aus dem Vollen schöpfen zu können. Alle Spieler waren fit und spielhungrig. Trainer Marco Wagner hatte die Qual der Wahl.

Der schnelle Martin Schrader wurde bereits früh in vollem Lauf unsanft gestoppt und musste mit Verdacht auf Innenband(an)riss im Knie ausgewechselt werden (6.). Die Bemühungen der Gäste nahmen indes immer konkretere Züge an. Als Manuel Zabel aus dem Windschatten trat, plötzlich frei durch war, entschloss sich Atzendorfs Daniel Ebeling für eine "Notbremse" genau am Sechzehner. Ebeling bekam folgerichtig Rot (7.), der folgende Freistoß brachte nichts ein.

Nun in Unterzahl, zollten die Gastgeber dem schnellen Spiel der Germanen noch mehr Tribut. Es war Einbahnstraßenfußball seltenen Ausmaßes. Doch das Kuriose daran: Es blieb folgenlos, denn der Ball wollte trotz zahlreicher Chancen einfach nicht ins Atzendorfer Tor. Allein Benjamin Rode, der sich übrigens perfekt ins Spiel einband, immer wieder schön ablegte, seine Mitspieler bediente und auch selbst durch technische Raffinessen die Abwehrspieler stehen ließ, scheiterte fünf Mal am stärksten Atzendorfer - Torhüter Lukas Fiser. Mit sagenhaften Reflexen entschärfte Fiser zwei Flachschüsse von Rode und drei seiner Kopfbälle jeweils auf der Torlinie. Atzendorf blieb ohne Torchance. Obwohl Germania 2:0 führen muss, ging es torlos in die Kabinen.

Atzendorf wehrte sich nun immer mehr auf die robuste Art, da die spielerischen Mittel nicht ausreichten. Schiedsrichter Rommel verlor leider zunehmend seine korrekte Linie der ersten Halbzeit. Er verstand es nicht, für Ruhe auf und neben dem Platz zu sorgen. Benjamin Rode hätte endgültig zum Held werden können. In der 62. Minute lief er allein auf Fiser zu, scheiterte aber wieder an dessen perfekter Parade.

Dann wurde die Befürchtung wahr: Nach Abwehrfehler nahm Atzendorfs neuer Routinier Artan Isufi den Ball mit, bediente im plötzlichen Überzahlspiel den freien Tolle, der die Nerven behielt und frei vor Sievers mit der ersten (!) Chance des Spiels zum gefeierten 1:0 einschoss (65.). Die Gastgeber setzten nun auf Zeitspiel, nahmen das Tempo geschickt heraus. Dennoch ging ihr Plan nicht auf. Eine starke Flanke von René Jahn, am langen Pfosten hielt Sebastian Stadler den Kopf hin und diesmal war Fiser machtlos: 1:1 (79.).

Wulferstedt drängte jetzt auf Sieg, haderte aber mehrfach mit dem Schiedsrichter und seinem Assistenten. Sämtliche Balleroberungen der Gäste wurden auffallend oft wegen angeblichen Foulspiels zurückgepfiffen - oder gewunken. Manuel Zabel, eben gerade noch zurückgepfiffen, wurde das schließlich zu bunt. Er schnappte sich mit der letzten Gelegenheit und mit Wut im Bauch das Leder, stürmte auf den Abwehrblock zu, spielte noch Doppelpass mit einem Gegner und schlenzte den Ball aus vollem Lauf mit dem Außenrist ins rechte Eck (90.+2).

Germania Wulferstedt: Sievers - Behrens, Dilge, Brunke, Schrader (6. Charwat), Dreyer, Zabel, Reimann (63. Herbst), Jahn, Stadler, Rode (75. Jekal).

Torfolge: 1:0 Tolle (65.), 1:1 Stadler (79.), 1:2 Zabel (90.+2).

Schiedsrichter: Mathias Rommel.

Zuschauer: 60.