Trat Wulferstedt in der Vergangenheit mit vielen Ausfällen gegen starke Mannschaften wie Hötensleben an, waren Niederlagen vorprogrammiert, weil die Mechanismen nicht griffen. Am Samstag war das anders. Germania-Trainer Marco Wagner vertraute zu Recht auf die Breite seines Kaders. Eine Mannschaft, die so noch nie zusammen spielte, wuchs über sich hinaus und schlug einen fast kompletten Gast mit 3:1.

Wulferstedt l Neben den beiden verletzten Torhütern Sievers und Beisch fehlten der Germania auch noch Schrader, Stadler, Brunke, Buchholz und Dreyer. Franz Klosa, der vorher ein Vierteljahr krankheitsbedingt ausfiel, stand sofort in der Verantwortung. Oliver Mantke erfüllte im Tor seine Aufgabe souverän. Dem SV Hötensleben blieben die Personalprobleme nicht verborgen - beim SVH fehlte hauptsächlich der gesperrte Thielecke - man wollte Wulferstedt von Anpfiff an überrollen.

Das schien aufzugehen, denn die ersten 25 Minuten muteten an, als schiene Hötensleben zum Osterspaziergang geladen. Kraftvoll und kompakt trieb der SVH das Spiel nur in eine Richtung. Wulferstedt, zunächst mit der Devise "safety first", war stark beschäftigt. Glück für Germania, dass Hötensleben nach einem tollen von Winkler eingeleiteten Spielzug mit mindestens einem Spieler im Abseits stand (9.). Wulferstedt wankte von einer Verlegenheit in die andere. SVH-Kapitän Kittel verschaffte sich auf dem linken Flügel Platz und zirkelte den Ball vom Strafraumeck über Mantke hinweg ins Tor. Dieser sehenswerte Treffer zum 1:0 war vollkommen verdient (13.).

Anschließend erreichte die gesunde Derby-Härte ihre Grenzen. Tobias Kittel fiel nach seinem schönen Tor äußerst negativ auf. Schon sein Einsteigen gegen Behrens war dunkelgelb wert, Gelb bekam er. Diese Übermotivation wiederholte sich. Schiedsrichter Kautz ließ Gnade walten, anders ist es nicht zu verstehen, dass der SVH-Kapitän das Spiel zu Ende führen durfte. Ab der 20 Minute befreite sich Wulferstedt. Dilges scharfer Schuss am langen Eck vorbei war eine erste Warnung (25.). Kremling hatte für den SVH nach Abwehrfehler das 2:0 auf dem Fuß, aber Mantke war unten (28.).

Mit Benjamin Rode hatte Wulferstedt erneut den Torgaranten auf dem Platz: Die Vorarbeit von Zabel und Jahn nutzte er mit sattem Linksschuss zum 1:1 (32.). Der SVH schlug fast nochmal zurück, doch Mantke parierte mit Fußabwehr gegen den freien Kremling (38.). Kurz vor dem Pausenpfiff verlor Hötensleben Marian Deicke nach einer Unbeherrschtheit mit Gelb-Rot.

Nach einem heftigen Regenguss war der Platz nach Wiederanpfiff seifig. Gleich nach Anstoß rutschte ein SVH-Verteidiger weg, Herbst nahm den freien Ball auf, spielte ihn zu Benjamin Rode auf Höhe des Sechzehners. Der stand plötzlich frei vor Koch und konnte sich die Ecke aussuchen, musste ihn aber trotzdem erstmal machen - 2:1 (46.). Es war Rodes fünftes Tor im dritten Spiel. Die Verhältnisse waren nun klar. Wulferstedt hatte den vollen Überblick und Hötensleben fest im Zaum. Auch die Aggressivität und sportliche Rivalität verlief jetzt in einem für ein Derby jederzeit angemessenen Rahmen.

Hötensleben reagierte in der 73. Minute mit einem Dreifachwechsel. Der erhoffte Effekt blieb aus. Dilge vernaschte Gumprecht an der Torauslinie und zog den Ball noch herum. Torsten Herbst war in der Mitte zur Stelle, belohnte seinen Ehrgeiz nach fast zweijähriger Verletzungspause mit dem Treffer zum 3:1 (77.). In der Schlussphase halfen die Germania-Youngster Chris Matthias und Justin Zedler mit, den Sieg noch souverän über die Ziellinie zu bringen. Einige Versuche startete der SVH noch, doch eher war Wulferstedt dem 4:1 nahe (82., 87.). So musste diesmal der SVH, wie Wulferstedt im Hinspiel, eine verdiente Niederlage wegstecken.

Germania Wulferstedt: Mantke - Behrens, Dilge (87. Zedler), Zimmermann, Charwat, Zabel (83. Matthias), Klosa, Jekal, Herbst, Jahn, Rode (80. Reimann).

SV Hötensleben: Koch - Doerge (73. Meßner), Künne, Kremling (73. Ringling), Deicke, Winkler (73. Gumprecht), Riedl, Zacher, Rzehaczek, Kittel, Peine.

Torfolge: 0:1 Tobias Kittel (13.), 1:1, 2:1 Benjamin Rode (32., 46.), 3:1 Torsten Herbst (77.). Besonderes Vorkommnis: Gelb-Rot für Marian Deicke (Hötensleben, 45.) wegen unbeherrschten Verhaltens. Schiedsrichter: Marcel Kautz - Norbert Herzog, Hans-Jürgen Winterfeld. Zuschauer: 352.

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