So unterschiedlich können Halbzeiten sein. In der ersten passierte gar nichts, in der zweiten Hälfte wurde dafür umso schärfer geschossen. Vier der sechs Tore fielen für Wulferstedt in einer wilden Aufholjagd, nachdem Osterwieck plötzlich aus dem Nichts heraus mit 2:0 geführte hatte.

Osterwieck l Robert Dreyer wurde in der fünften Minute steil geschickt, lief allein auf den Eintracht-Keeper zu. Der Abschluss war dann nicht zwingend genug, der Ball ging am langen Pfosten vorbei. Herausgespielte Chancen blieben trotz Überlegenheit Mangelware. Zwei Freistöße aus vielversprechender Position wurden noch vergeben.

Zunehmende Unruhe entstand unter den Germania-Spielern, weil der entscheidende Durchbruch gegen harmlose Gastgeber nicht gelingen wollte. Einmal versuchte sich auch Osterwieck, doch Leßmann stand beim durchgesteckten Ball im Abseits (27.). Mehr kam von der Eintracht nicht. Durch Einsatz und Kampf wollte man den Gästen die Waage halten, was sogar bis dahin aufging.

Da Wulferstedt zur Pause noch nicht wechselte, war die Germania-Prämisse die Geduld, mit der der harmlose Gastgeber mürbe gespielt werden sollte. Irgendwann würde das Tor schon fallen. Doch es kam anders. Osterwieck brach plötzlich durch die Schnittstelle der Abwehr, Christian Reimann foulte den enteilenden Toni Torbahn im Strafraum. Den berechtigten Strafstoß verwandelte Torbahn zum 1:0 (51.).

Jetzt musste alles ganz schnell gehen. Benni Rode und Franz Klosa wurden eingewechselt. Die riesen Chance zum Ausgleich hatte Dreyer, als ihm ein Diagonalball genau in den Lauf fiel. Er nahm den Ball direkt vor dem Tor, zog ihn aber genau auf den Torhüter (54.). Die verkehrte Welt ging weiter: Yves Blankenburg zog aus 40 Metern straff ab. Der abgefälschte Ball schlug unhaltbar im Tor von Oliver Mantke ein (2:0, 56.). Osterwieck jubelte bereits wie bei einer Vorentscheidung.

Jeder darf mal

Daniel Brunke gelang aber schon postwendend nach starker Einzelleistung mit Schuss unter das Dach der Anschluss (2:1, 58.). Germania-Coach Marco Wagner erhöhte den Druck, brachte noch Philipp Jekal. Wulferstedt drückte jetzt mit einer Vierer-Sturmreihe. Der Erfolg ließ nicht lang auf sich warten. Ob Vorbereiter, oder selbständiger Abschluss - jeder durfte mal.

Osterwieck sah keinen Stich mehr. Dreyer (2:2, 73.), Jahn nach starker Rode-Vorarbeit (2:3, 80.) und Philipp Charwat mit seinem ersten Saisontreffer (2:4, 87.) sicherten den verdienten Sieg.

Schiedsrichter Dirk Reider und sein Team zeigten in dem sehr fairen Spiel eine tadellose Leistung. Wulferstedt bleibt dem führenden Quartett auf den Fersen und darf theoretisch sogar noch mit Platz drei bis vier kokettieren, weil sich die Mannschaften die Punkte noch gegenseitig wegnehmen.

Germania Wulferstedt: Mantke - Behrens, Buchholz (62. Jekal), Zimmermann, Charwat, Brunke, Zabel (54. Klosa), Dreyer, Reimann, Jahn, Herbst (54. Rode).

Torfolge: 1:0 Torbahn (FE, 51.), 2:0 Blankenburg (56.), 2:1 Brunke (58.), 2:2 Dreyer (73.), 2:3 Jahn (80.), 2:4 Charwat (87.).

Besonderes Vorkommnis: Gelb-Rot für Perle (Osterwieck, 90.+1).

Schiedsrichter: Dirk Reider.

Zuschauer: 108.