Langenweddingen l Eine sehr traurige Nachricht erreichte in dieser Woche die große Handball-Familie unserer Region. Matthias Scheller, langjähriger Spieler und zuletzt Trainer der ersten Männermannschaft des SV Langenweddingen, ist mit nur 44 Jahren verstorben. Obwohl „Schelli“ seit Jahren schwer erkrankt war, kommt sein Verlust letztlich doch plötzlich und unerwartet, denn in der Sporthalle, die irgendwie auch sein Zuhause war, erlebte man ihn bis zuletzt stets gut gelaunt und voll engagiert, egal ob als Spieler oder Trainer.

„Er war ein Kämpfer vor dem Herrn! Sein Leiden hat man ihm nie angemerkt, denn er war eine richtige Sportskanone. Man hatte den Eindruck, er musste praktisch nur ein Glas Wasser trinken und schon ist der Bizeps gewachsen. Für seine körperliche Fitness haben wir ihn früher immer beneidet. Er war ein Vorbild für uns alle“, beschreibt Tobias Rindert, der mit ihm zusammen in Glinde erfolgreich Handball spielte und sich heute für den Nachwuchshandball beim HV Rot-Weiß Staßfurt engagiert.

Diese „Sportskanone“, die einst mit dem Handball in Langenweddingen begonnen hatte, war eines der größten Talente der Region. Ingolf Wiegert, selbst ehemaliger Nationalspieler, Olympiasieger, Spieler und Trainer des SC Magdeburg und der Frauennationalmannschaft, berichtet von „Schelli´s“ Werdegang: „Kennengelernt habe ich ihn als 17-Jährigen in der A-Jugend des SCM, die ich zu dieser Zeit trainierte. Wir sind damals Deutscher Meister geworden und Schelli war einer der besten Linksaußen überhaupt – sogar noch vor Stefan Kretzschmar. Ein Riesentalent, das sich aber gegen den Weg des Vollprofis entschieden hat, obwohl ich mir immer gewünscht hätte, er hätte mehr daraus gemacht. Eine zeitlang spielte er danach in Helmstedt. Dann habe ich ihn nach Sachsen-Anhalt zurückgeholt. In Staßfurt sind wir fast in die zweite Liga aufgestiegen. Danach ging es zusammen mit Ingo Friedl zurück nach Langenweddingen, wo Schelli großen Anteil am Aufstieg in die Regionalliga hatte. Auch aus beruflichen Gründen folgte dann der Wechsel nach Glinde. Dort hat er sich stabilisiert, sportlich gelang der Aufstieg in die Regionalliga. An seinem Karriereende ist er wieder zu seinem Heimatverein nach Langenweddingen zurückgekehrt und hat auch dort noch einmal viel erreicht.“

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Bei allen Erfolgen drängte sich Matthias Scheller aber nicht in den Vordergrund. Ein Beispiel: Als er am 12. Mai 2012 sein Comeback in Langenweddingen hatte – er hatte sich bereit erklärt, im damals personell stark geschwächten Kader am letzten Spieltag auszuhelfen – warf er als bereits 39-Jähriger prompt überragende 13 Tore. Das Derby gegen den BSV Magdeburg wurde auf diese Weise noch 32:28 gewonnen und der SVL sicherte sich die Bronzemedaille in der Landesmeisterschaft. Auf das Siegerfoto wollte der Routinier trotzdem nicht, denn er hatte ja, wie er selbst sagte, „nur mal in einem Spiel ausgeholfen“.

Mit solchen Charakterzügen bleibt Scheller nicht nur Ingolf Wiegert positiv in Erinnerung, der sagt: „Schelli ist weithin anerkannt als Spieler und Mensch, hat bei mir ein ganz hohes Standing – und ich habe in all den Jahren wirklich viele Leute betreut. Ich bin sehr traurig, denn er war ein ganz feiner Kerl, eine ehrliche Haut. Er hat viel für den sachsen-anhaltinischen Handball gemacht und verdient dafür großen Respekt und Hochachtung!“

Das sieht auch Rindert so: „Wenn man hört, dass zum Beispiel auch ein Philipp Weber sprachlos war, als er die Nachricht erhalten hat, dann weiß man, wie viele junge Spieler Schelli in seiner aktiven Zeit erreicht hat, wie vielen er ein Vorbild war. Er hat alle wichtigen Werte verkörpert, hielt als Kumpel seine Versprechen, war hilfsbereit, ehrlich und immer ein fairer Sportsmann. Er hatte auch mal seine chaotischen Aussetzer – aber nie zum Schaden anderer.“

Ein anderer Wegbegleiter und langjähriger Freund von Matthias Scheller ist Andreas Wiese, Trainer der TSG Calbe, der zum Abschluss passende, ehrfürchtige Worte findet: „Für mich ist bei der Nachricht eine kleine Welt zusammengebrochen. Schelli hat mich zwölf Jahre lang geprägt. Um diese Zeit saßen wir vor einem Jahr noch zusammen, haben Pläne gemacht für die Vorbereitung – er für Langenweddingen, ich für Calbe. Zuletzt habe ich ihn vor rund zwei Monaten gesehen, als unsere Mannschaften gegeneinander spielten. Da hat man ihm nichts angemerkt. Aber das war vielleicht auch eine Schwäche von ihm, dass er sich nicht so geöffnet hat. Er hat lieber anderen geholfen. Er war der große Athlet. Der Macher. Die Maschine. Das Vorbild.“