Halberstadt (geg/bkr) l Aller guten Dinge sind drei, sagte sich Irmgard Eggert (62) und bewarb sich zum dritten Mal in Folge um eine Teilnahme am Brocken-Challenge. Da das Interesse von Extremläufern in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen ist, entschied der veranstaltende Verein Ausdauersport für Menschlichkeit (ASFM) Göttingen, die Startplätze zu verlosen unter jenen, die ihre Teilnahme am überzeugendsten begründen können.

355 Bewerbungen trafen daraufhin im November ein. Einen Monat später wurden die Namen der 187 Gewinner bekannt gegeben. "Ich habe mich riesig gefreut, erneut dabei sein zu dürfen", erinnert sich die Halberstädterin. Ihre Begründung in Versform hatte überzeugt. Ein zweiter Bewerber aus dem Landkreis Harz hatte es auch geschafft, musste jedoch aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen.

"Kalt, hart, schön" - unter diesem Motto starteten am vergangenen Sonnabend um 6 Uhr 165 Extremsportler aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Dänemark, Belgien, Spanien, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Unter ihnen war auch Irmgard Eggert, eine von 28 Frauen. Nach der Anmahnung zu großer Vorsicht auf der Strecke schickte der Veranstalter die Extremsportler mit "Brocken-Challenge 2014 - here we go!" ins Rennen.

Der klare Sternenhimmel und die Fackeln am Wegrand sorgten auf den ersten Kilometern für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Dann leuchteten nur noch die Stirnlampen durch den noch dunklen Wald. Jeder Teilnehmer hatte Kartenmaterial im Pflichtgepäck sowie die vom Veranstalter aus Sicherheitsgründen vorgeschriebene sturm- und wasserfesten Funktionsbekleidung incl. Mütze und Handschuhe, Handy, Stirnlampe, Wärmedecke, Trillerpfeife, Thermosflasche, Notverpflegung, Erste-Hilfe-Kit, Wechselsachen und Spikes.

Orkantief fordert auf dem Brocken letzte Kraftreserven

Die bergige Strecke führte über Landolfshausen nach Rollshausen zur Rhumequelle, in Barbis war die Marathondistanz geschafft. Nun folgte mit dem sogenannten "Entsafter", eine etwa elf Kilometer lange Steigung, eine besondere Herausforderung. Am Jagdkopf war es geschafft, es hatte aber leichter Schneefall eingesetzt. Entspannt ging es über den Pastoren- und Kaiserweg zur Lausebuche. Mit Königskrug und Oderbrück tauchten bekannte Orte auf. Nun stand die letzte nennenswerte Bergabpassage an, gefolgt von etwa acht Kilometern bis zum Brockengipfel.

Auf dem Plateau verlangte das Orkantief "Qumaira" die letzten Kraftreserven. Obwohl die Temperaturen nur knapp unter Null lagen, wehte dort oben ein eisiger Sturm. "Man musste sich ihm entgegen stemmen und aufpassen, dass er einen nicht zu Fall bringt", schaut Irmgard Eggert zurück. Nach elf Stunden und 16 Minuten überquerte sie die Ziellinie. Damit war die Halberstädterin fast eine Stunde schneller als im Vorjahr und rund 90 Minuten eher als 2012 im Ziel. "Es war ein gutes Gefühl, es wieder einmal geschafft zu haben. Mehr als 80 Kilometer und dabei 1900 Meter bergauf und 1100 m bergab sind nun mal nicht auf die leichte Schulter zu nehmen", so die Brocken- bezwingerin. Immerhin war sie mit Abstand die älteste Läuferin und hatte zehn jüngere Frauen hinter sich gelassen.

Als die Halberstädterin dann im Goethesaal eine Riesenportion Spaghetti und einen halben Liter Gerstensaft genoss, wurden noch insgesamt 37 Finisher nach ihr mit Applaus empfangen. Sechs Teilnehmer hatten unterwegs aufgegeben. Während fast alle nach den Strapazen noch die Brockenstraße hinunter bis Schierke laufen mussten, um mit einem Shuttlebus nach Göttingen zurückzufahren, machte es sich Irmgard Eggert im Brockenhotel bequem.