Während die Olympischen Spiele in Sotschi ein voller Erfolg waren, war die Wintersaison im Harz von akutem Schneemangel geprägt. Volksstimme-Redakteur Ingolf Geßler sprach mit dem Präsidenten des Skiverbandes Sachsen-Anhalt (SVSA), Dr. Rüdiger Ganske, und Sportkoordinator Thomas Hedderich.

Volksstimme: Den Winter 2013/14 kann man nicht wirklich als Schneewinter bezeichnen. Wie ist der SVSA mit diesem Problem umgegangen?
Dr. Rüdiger Ganske: Wir haben sehr intensiv an der Vorbereitung der Saisonhöhepunkte gearbeitet. Schwerpunkt war bei uns tatsächlich, unsere Talente in ansprechender Form zu den Höhepunkten wie den Deutschen Schüler Cup zu schicken. Im Skilanglauf haben wir die teilweise beschneite Loipe am Sonnenberg in der Woche und an den Wochenenden bzw. den Hang am Kaffeehorst in Braunlage genutzt, im Skisprung wurde auf Matten gesprungen bzw. verstärkt an Wettkämpfen teilgenommen. Für die Mehrzahl der Sportler in den Vereinen war die Saison anstrengend, da die Schneebedingungen zu Hause schlecht waren.

Volksstimme: Wie sah die Praxis aus?
Thomas Hedderich: Training so oft es ging am Sonnenberg, die dort beschneite Loipe hat uns sehr geholfen. Teilnahme an zusätzlichen Wettkämpfen im Skispringen, Training auf Matten im Zwölfmorgental oder auf den anderen Schanzen unseres Verbandes. Das Ganze verursachte natürlich einen beträchtlichen finanziellen Aufwand für uns als Verband, aber auch für die Vereine und die Eltern.

Volksstimme: Hat sich der Aufwand gelohnt?
Hedderich: Unumwunden ja! - Im Sprunglauf sind Josephin und Pauline Laue aus Rothenburg an der Saale in die deutsche Spitze vorgestoßen, Leif Fricke vom Ski-Klub Wernigerode hat sich als jüngster Landeskader permanent im vorderen Feld platziert. Skilangläufer Max Kermer vom SV Hasselfelde verfehlte die Top-Ten nur knapp und alle weiteren Athleten schlugen sich wacker und konnten ihre Form deutlich steigern. Natürlich freuen wir uns besonders über den Gewinn des Deutschen Schüler Cups durch Jessica Löschke vom TSV Leuna, die die Eliteschule des Sports in Oberwiesenthal besucht und dort sportlich ausgezeichnet betreut wird.

Volksstimme: Was waren die Highlights der Saison?
Ganske: Die 6. Landesjugendspiele des Landessportbundes in den Wintersportarten in Benneckenstein und Wernigerode waren herausragend. Wir hatten an diesem Wochenende Anfang Februar in Benneckenstein gute Bedingungen für den Skilanglauf, aber auch die Skispringer konnten auf einer Mischung zwischen Matte und Schnee auf den Schanzen im Zwölfmorgental in Wernigerode einen qualitativ hochwertigen Sprunglauf durchführen. An dieser Stelle ein besonderer Dank an den WSV Benneckenstein und die Verantwortlichen des SK Wernigerode für die sehr gut vorbereiteten Sportstätten. Mit einer hervorragend organisierten gemeinsamen Siegerehrung durch die Sportjugend des LSB Sachsen-Anhalt und die Schierker Baude fanden die Landesjugendspiele ihren krönenden Abschluss. Sportler, Eltern und Übungsleiter waren begeistert. Die Tour de Harz war ein weiterer Höhepunkt. Von sechs vorgesehenen Tourwettkämpfen konnten trotz der miserablen Bedingungen immerhin vier ausgetragen werden. In der Schierker Baude fand die diesjährige Tour mit den Siegerehrungen ihren würdigen Abschluss.

Volksstimme: Parallel zu der Wintersaison hier zu Hause fanden die olympischen Spiele in Sotschi statt. Welchen Bezug hatte der SVSA zu Olympia?
Hedderich: Natürlich haben wir uns besonders über die Goldmedaille von Andreas Wank gefreut, ein Athlet, der aus den Reihen unseres Verbandes kommt und dessen Heimat der Verein in Rothenburg ist. Ebenso waren wir stolz über die Teilnahme von Franziska Hildebrand aus Köthen im Biathlon.

Volksstimme: Jährlich wechseln eine Reihe von Athleten des SVSA in Bundesstützpunkte des Deutschen Skiverbandes, blutet da nicht das Herz?
Hedderich: Wir freuen uns selbstverständlich über die Leistungen unserer Sportler, die in anderen Stützpunkten des Deutschen Skiverbandes (DSV) trainieren und ihre Heimat in Vereinen des SVSA haben. Übrigens wurde Danilo Riethmüller aus Hasselfelde in diesem Jahr Sieger des Deutschen Schüler-Cups im Biathlon. Ein Athlet, der in Clausthal-Zellerfeld ausgebildet wird und leider nicht mehr für unseren Verband startet. Paul Winter aus Wippra, der in Willingen trainiert, hatte sich für die Junioren-Weltmeisterschaften in Val di Fiemme qualifiziert und wurde als Jüngster Zehnter - ein Talent für die absolute Spitze. Mit Stephanie Jesse aus Elbingerode, Valentin Suttkus aus Tanne, dem Köthener Johannes Wolf sowie Vanessa und Hans Köllner aus Benzingerode trainieren weitere Sportler gegenwärtig in anderen Stützpunkten des DSV:

Volksstimme: Soll sich an dieser gegenwärtigen Praxis etwas ändern?
Ganske: Der Wechsel in die etablierten Stützpunkte des DSV ist der folgerichtige Weg für eine erfolgreiche Laufbahn und zukünftige Spitzenleistungen im internationalen Maßstab. Das ist ganz im Interesse des DSV und der Aktiven. Im Interesse des DSV ist aber auch, wenn die zum Teil traditionsreichen, "entsendenden" Heimatregionen mit ihren Skivereinen bei der Ausbildung ihrer Talente weiter gestärkt werden. Das gelingt nur, wenn die Sportler nach ihrem Wechsel an Olympiastützpunkte des DSV weiter für ihren Heimatverein und den Landesverband starten. Das ist sowohl eine Frage der lokalen Bindung, aber auch ein Thema der Kosten. Daran arbeiten wir gegenwärtig im Rahmen eines mehrjährigen Projektes gemeinsam mit unserem Landessportbund und dem DSV.

Volksstimme: Welche Sportler sind gegenwärtig die Aushängeschilder für den Skisport in Sachsen-Anhalt?
Hedderich: Neben vielen aussichtsvollen jungen Talenten in den leistungsorientierten Vereinen unseres Verbandes sind das natürlich die großen Vorbilder, Andreas Wank, Franziska Hildebrand und Paul Winter. Unsere jüngsten Talente sind Jessica Löschke, Josephin Laue und Leif Fricke.

Volksstimme: Welche Rolle spielen die Alpinen im SVSA?
Hedderich: Naturgemäß überwiegt der nordische Bereich, doch die alpinen Skisportler machen eine gute Arbeit. Paul Günnel und Benedikt Scheffler sind als Landeskader unterwegs und werden von Andreas Günnel betreut. Der Aufwand ist allerdings unglaublich hoch, da vor allem in dieser Saison die meisten Wettkämpfe nur im Alpenbereich stattfinden konnten. Selbstverständlich wurden durch unsere Alpinen die neuen modernen Anlagen am Wurmberg genutzt.

Volksstimme: Ein kurzes Gesamtfazit?
Ganske: Das Skisport-Herz verkraftet auch solche schwierigen Winter, Skisportler sind begeisterungsfähig und haben Fantasie. Herzlichen Dank an alle Vereine, Eltern und Sportler für die Mitgestaltung der Saison. Auf uns warten anspruchsvolle Aufgaben im Bereich des Nachwuchsleistungssportes, aber bei der stärkeren Einbeziehung der Schulen und Kindergärten.

 

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