Im September 1989 hatte ich einen Antrag gestellt, um drei Monate später zur Hochzeit meiner Cousine nach Aachen reisen zu dürfen. Nach dem Mauerfall war eine Genehmigung, die meines Wissens auch erteilt worden wäre, nun nicht mehr notwendig. Mein erster Tag im Westen war also der 26. Dezember 1989, der Tag der Hochzeit. Zur Anreise habe ich mit meinem Wartburg bewusst auf Autobahnen verzichtet, stattdessen ging es auf Nebenstraßen in Richtung Aachen. Ich habe dann eine Woche dort verbracht. Den Mauerfall selbst habe ich recht unspektakulär am TV-Gerät verfolgt und mich nicht unmittelbar nach Öffnung der Grenzen ins Getümmel gestürzt. Ich habe das Ganze mit Erstaunen festgestellt, den Fortlauf beobachtet, bin aber ganz normal ins Bett gegangen, um am anderen Tag wieder zur Arbeit zu gehen. Es hatte sich rumgesprochen, dass an den Grenzen kilometerlange Staus und viel Andrang herrschte. Ich musste nicht zwanghaft zu den Ersten gehören. Ich weiß auch, dass ich am folgenden Wochenende wie immer als Stadionsprecher aktiv war. Alles in allem ist es schön, wie es damals gelaufen ist. So konnte es nicht weitergehen. Ich habe seitdem die Reisefreiheit genutzt, bin dann auch zu dem ein oder anderen Fußball-Bundesligaspiel gefahren. (fbo)