Nachdem der FSV Grün-Weiß Ilsenburg in der Vorwoche nach 18 siegreichen Spielen in Folge Punkte abschenkte, setzte es für den Spitzenreiter am Sonnabend nach fast neun Monaten (!) erstmals wieder eine Pleite in der Fußball-Landesklasse, Staffel III. Der 2:0 (2:0)-Sieg für Eintracht Osterwieck war sogar verdient.

Osterwieck l Gerade einmal 15 Kilometer trennen beide Städte. Beschauliche 20 Minuten benötigen Harzer, um von Ilsenburg nach Osterwieck zu kommen - mit dem Auto versteht sich. Keine große Entfernung. Da versteht es sich von selbst, dass auch beide Fußballvereine einander bekannt sind, sehr gut sogar. Ein Umstand, der schon einmal dazu führen kann, dass ein Spitzenreiter, der seit knapp neun Monaten in der Liga ungeschlagen ist, eben ausgerechnet da stolpert, wo er nicht als große Unbekannte gilt. "Beide Mannschaften kennen sich natürlich bestens, das kam uns auch etwas entgegen. Wir waren dadurch sehr gut eingestellt", bestätigte Eintracht-Trainer Rainer Dube.

Und so kam der Heimsieg für seine Elf zwar überraschend, doch vielmehr verblüffte die Art und Weise, wie sein Team auftrat. "Die Mannschaft hat das, was wir uns vorgenommen hatten, wirklich zu 100 Prozent umgesetzt. Das war einfach ganz stark", bilanzierte Dube. Nach eigener Aussage sei auch er, obwohl der eigenen Stärken bewusst, überrascht gewesen.

Wie erwartet und in der Vergangenheit so oft erfolgreich fabriziert, hatten die Ilsenburger in der Anfangsphase mehr vom Spiel. "Wie immer, hat Ilsenburg zu Beginn viel investiert, aber kam nicht wirklich zu klaren Chancen", sagte Dube.

So besaßen die Hausherren in der ersten Hälfte nicht unbedingt mehr, aber die besseren Chancen. Noch wichtiger: Sie nutzten ihre Möglichkeiten effektiv.

Nach einem Schuss von Toni Torbahn konnte FSV-Keeper Christian Richter den Ball nicht festhalten.

"Die Jungs haben befreit nach vorn gespielt."

David Wagner reagierte am schnellsten und markierte im Nachsetzen das 1:0 für Osterwieck (15.). Wagner hätte den Doppelpack schnüren können, scheiterte aber nach einer Flanke von Vladimir Zir per Kopf an Richter (28.).

Nur eine Minute später machte es Peter Mosko besser. Eine Hereingabe von Kevin Hildachs verlängerte Matthias Perle per Kopf zu Mosko, der zum 2:0 einschob (29.). "Danach hat man gemerkt, dass wir mehr Sicherheit hatten. Die Jungs haben befeit nach vorn gespielt, die Zweikämpfe angenommen - einfach klasse", freute sich Dube. Vor allem die beiden A-Jugendspieler Hildach und Torbahn verdienten sich mit ihrem couragierten Auftritt ein Extralob. Letzterer hätte seine gute Leistung kurz vor der Pause mit einem Tor krönen können, scheiterte aber an Richter (42.)

Auch nach der Pause hatten die Gastgeber zwar mehr Ballbesitz, agierten im Angriff aber entweder ohne Durchschlagskraft oder scheiterten am glänzend aufgelegten Eintracht-Torhüter Malte Theuerkauf. Auf der Gegenseite landete ein Freistoß von Hildach am Querbalken und Trobahn setzte das runde Leder nach einem Konter am Tor vorbei.

Bezeichnend für den Spielverlauf: Die bis dato größte Chance der Ilsenburger vergab Martin Salajka in der 88. Minute. Allein gegen Theuerkauf setzte er den Ball über das Tor.

So blieb es beim überraschenden Derbysieg für die Eintracht, die damit "einen großen Schritt in die richtige Richtung" gemacht hat, wie Dube zufrieden erklärte. Von einer Vorentscheidung im Kampf um den Klassenerhalt wollte der Eintracht-Coach aber noch nichts wissen: "Wir müssen weiterhin von Spiel zu Spiel denken." Der Abstand zum SV Langenstein und damit zum ersten Abstiegsplatz beträgt aktuell sieben Punkte. Sechs Spiele und damit 18 Punkte sind noch zu vergeben. Ein großer Schritt war es, aber nicht die Vorentscheidung.

SV Eintracht Osterwieck: Theuerkauf - Perle, Hauch, Wagner, Zir, Seubert, Mosko (86. Thaele), Torbahn (90. + 1 Blankenburg), Wagenfuehr, Schmidt, Hildach (82. Hesse)

FSV Grün-Weiß Ilsenburg: Richter - Bräunel, Hentschel, Himburg, Grittner, Fabich, Treziak, Berndt, Dreher (62. Enigk, 78. Neugebauer), Boas, Salajka

Torfolge: 1:0 David Wagner (15.), 2:0 Peter Mosko (29.); Schiedsrichter: Dirk Reider (Nienhagener SV); Zuschauer: 172