Für den Frauenhandball-Drittligisten HSV Haldensleben scheint mit der 23:25 (12:14)-Heimniederlage gegen Tabellenführer HSG Blomberg-Lippe II der Normalfall eingetreten zu sein.

Haldensleben. Eigentlich war die Übermacht des sportlichen Kontrahenten an der aktuellen Tabellensituation festgemacht und hielt dem Tabellenvorletzten HSV eine nur schwer zu bewältigende Aufgabe vor.

Soweit die Theorie. Die Praxis gab aber eine andere Sichtweise auf dieses Spiel. Ein Klassenunterschied zwischen beiden Kontrahenten war nämlich überhaupt nicht auszumachen. Es waren tatsächlich nur Feinheiten, die Blomberg den bis ins Ziel hauchdünnen Vorsprung gestatteten.

Eine gute Nachricht hatte Haldenslebens Trainer Stefan Cauer zu vermelden: Christin Wesemeyer stand nach überwundener Verletzung ihrer Mannschaft wieder zur Verfügung, griff aber nur bei Siebenmeterentscheidungen für den HSV ins Geschehen ein. Das machte sie recht ordentlich. So fanden von acht Strafwürfen immerhin sechs ihr Ziel.

Die Haldensleber Frauen hatten durchaus das Recht, die Partie in Richtung eigenen Erfolg zu bewegen, unterließen es aber. Nicht jeder Beteiligte – Zuschauer oder Spieler – verstand den mitunter lethargisch wirkenden Haldensleber Auftritt. Stefan Cauer bemühte sich um Aufklärung: "Die 19:31-Niederlage im Hinspiel hatte uns vorsichtig gemacht. Wir wollten nicht wieder ins offene Messer rennen, und so haben wir das Tempo verschleppt. Ob diese Maßnahme richtig war, vermag ich im Nachhinein nur schwer zu beurteilen".

Hohes Niveau war es nicht, was beide Mannschaften handballerisch zuwege brachten. Zu oft unterbrach der Fehlerteufel gutgemeinte Aktionen im Ansatz, ließ kaum vernünftigen Spielaufbau zu. Den Haldensleber Frauen fehlte die omnipräsente Spielerin, doch auch Blomburg hatte diese nicht im Aufgebot. So verschliss sich der HSV im Klein-Klein, hatte nur selten Spielkultur im Angebot. Fehlender Druck aus dem Rückraum machte es der Blomberger Deckung allzu leicht. Sie war nicht häufig gezwungen, auf die Rückraumschützen herauszutreten. So kam kein brauchbares Zusammenwirken mit Haldenslebens Kreisläuferinnen zustande. Schnelles Aufbauspiel mit Kreuzungen, um die gegnerische Abwehr auseinanderzuziehen und in den Übergang zu kommen, gelang dem HSV erst Mitte der zweiten Halbzeit. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte sich Stefan Cauer entschieden, auf der Position im linken Rückraum Lisa Hoffmann für Katrin Daul einzuwechseln. Diese Maßnahme war durchweg von Erfolg gekrönt. Hoffmann steuerte nämlich vier sehenswerte Treffer bei. So hielt der HSV die Partie bis in die Schlussminuten offen, machte aus einem 19:24-Rückstand ein 22:24. Viel mehr war drin gegen den Spitzenreiter, der diesen Sieg ordentlich feierte – auch im Wissen, dass mit mehr Haldensleber Mut die Geschichte auch anders hätte ausgehen können.

Augenscheinlich: Haldenslebens Abwehr hat die gewohnte Standfestigkeit diesmal vermissen lassen. So ist es dem Gast relativ leichtgefallen, dort immer wieder Lücken zum Torabschluss zu finden. Aber: Haldenslebens Torfrauen Franka Ethner und Josephine Clauß erwiesen sich als sicherer Rückhalt. Ihre guten Leistungen blieben trotzdem ohne Wir-kung, da die Initialzündung bei ihren Mannschaftskameradinnen ausblieb.

HSV Haldensleben: Clauß, Ethner – Carolin Beck (5), Seidel (2), Wesemeyer (6), Müller, Daul (2), Cauer, Christin Beck, Romy Stutz, Arens, Hoffmann (4), Nolde (1), Anne Stutz (2).

Siebenmeter: Haldensleben 8/6, Blomberg 5/3. Zeitstrafen: 5, Blomberg 4.

Spielfilm: 0:3, 2:3, 5:5, 8:9, 10:11, 12:14 – 12:15, 14:18, 17:20, 19:21, 19:24, 22:24, 23:25.