Manche Dinge werden erst dadurch wertvoll, dass sie so selten vorkommen. Diesen sogenannten Seltenheitswert hatte am Sonnabend definitiv der 1:0-Erfolg des TSV Völpke im Derby gegen den Oscherslebener SC.

Landkreis l Es war kein überragend schönes Tor, nur ein abgefälschter Freistoß - und doch wusste jeder, der Ronny Bree danach quer über den Platz zu Trainer Ingo Herrmanns sprinten und dann mit ihm gemeinsam jubeln sah, wie wertvoll dieser Treffer war. Erst zehn davon haben die Völpker in bisher 17 Saisonpartien erzielt.

Es war auch kein besonders schönes Spiel, das die beiden Verbandsligisten aus der Börde da abgeliefert haben. OSC-Trainer Mirko Sauerbach sprach später gar von "Not gegen Elend". Und doch löste es bei den Völpkern riesen Jubel und bei den Oscherslebern tiefe Enttäuschung aus.

TSV-Trainer Ingo Herrmanns lobte nach dem Sieg seine Mannschaft: "Ein riesen Kompliment! Meine Spieler haben eine tolle Laufbereitschaft gezeigt und die Oschersleber um Zander und später auch Gerwien gut zugestellt. Die Zuschauer, mit denen ich nach dem Spiel geredet habe, meinten, dass wir uns den Sieg mit der Einstellung verdient haben."

Unzufrieden war dagegen Sauerbach: "Wir haben uns eigentlich auf die Fahne geschrieben, dass wir in der Rückrunde besser werden wollen - aber so wird das nichts. Wenn wir in Führung gehen, gibt das Sicherheit. Aber nach einem Gegentor ist der ein oder andere im Kopf noch nicht so weit. Es ist meine Aufgabe, das herauszukitzeln. Ich hoffe, dass wir in der Rückrunde auch noch für positive Überraschungen sorgen können - gegen Mannschaften, die weiter oben stehen. Aber erstmal müssen wir am Wochenende Schönebeck schlagen. Auch die werden irgendwann nochmal punkten und wenn das gegen uns wäre - das wäre schon richtig heftig."

Sauerbach erwartet nach diesem "rabenschwarzen Tag" eine Reaktion seiner Mannschaft auf dem Platz, auch und gerade von den Führungsspielern. Dazu zählt mit Sicherheit Kapitän Martin Zander, der nach der Pleite auch auf Ursachensuche war: "Wir hätten einfach unsere vier, fünf Chancen in der ersten Halbzeit nutzen müssen. Dass Völpke dann mit dem ersten und einzigen Torschuss in Führung geht, ist richtig ärgerlich. Gerade weil Völpke zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht im Spiel war. In der zweiten Halbzeit haben wir einfach unsere Grundordnung verloren und der Gegner hat mit jedem Mann und sehr viel Leidenschaft verteidigt. Mit der Zeit wurden wird dann auch zu hektisch. Es ist am Ende immer ärgerlich, wenn man als Verlierer den Platz verlässt, aber auch das gehört dazu. Nun mussen wir einfach an unseren Fehlern arbeiten."

Fleißig weiter zu arbeiten heißt es auch für die Völpker, denn sie treten am Samstag zum Auswärtsspiel beim 1. FC Bitterfeld-Wolfen an, der ebenfalls im Tabellenkeller steht. Ingo Herrmanns hofft auf einen positiven Effekt des Derbysieges auch für das Kellerduell: "So ein Erfolgserlebnis haben wir gebraucht. Ich hoffe, dass uns das noch einmal Schub gibt." Dennoch warnt er: "Man muss diesen Sieg schon vernünftig einordnen." Wieviel der nun wirklich wert war, wird sich am Wochenende zeigen.

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