Der VfL Gehrden beendete die Saison 2013/14 in der Kreisoberliga des Jerichower Landes nach einer tollen Rückrunde auf einem hervorragenden dritten Tabellenplatz. Volksstimme-Sportredakteurin Simone Zander sprach mit dem Trainer des Teams, Andreas Schunke, über die Leistung und über Zukunftspläne.

Volksstimme: Ihr Team hat die Saison in der Kreisoberliga Jerichower Land mit einem hervorragenden dritten Platz abgeschlossen. Wie beurteilen Sie diese Leistung?

Andreas Schunke: Ich bin natürlich stolz auf das am Saisonende Erreichte. Zu Beginn lief es nicht so gut. Da standen wir schon etwas mit dem Rücken zur Wand. Wir haben uns jedoch mit taktischer Disziplin und dem entsprechenden Einsatzwillen herausgearbeitet.

Wodurch war das möglich?

Wir haben einen sehr ausgeglichenen variablen Kader. Dies konnte ich auch in vielen Spielen nutzen, da wir selten mit derselben Startformation beginnen konnten und wollten. Mit zunehmendem Saisonverlauf haben wir auch cleverer gespielt. Wenn ich die Saison insgesamt betrachte, gab es Spiele, in denen wir Punkte verschenkt haben, aber auch Spiele, in denen wir glücklich Punkte mitnehmen konnten. Ich denke, das hielt sich so die Waage.

Spiegelt der dritte Platz das wahre Leistungsvermögen Ihrer Mannschaft wider?

Ich glaube schon, dass der dritte Platz das wahre Leistungsvermögen widerspiegelt und uns in der abgelaufenen Saison korrekt in der Liga einordnet. Ich bedanke mich bei der Mannschaft, die vieles von dem, was ich mir vorgestellt hatte, umgesetzt hat, für diese erfolgreiche Saison.

Der Start verlief alles andere als positiv. Ihr Team war zeitweise auf einem Abstiegsplatz zu finden. Woran lag es?

Gerade im ersten Spiel hatten wir uns sehr viel vorgenommen, da die Vorbereitung sehr positiv verlaufen war. Da die weiteren Spieltage von der Erwartung her schwer werden würden, wollten wir unbedingt dieses Spiel gewinnen. Leider haben wir uns dadurch selbst einem enormen Druck ausgesetzt. Hinzu kamen Abschluss-Schwächen und Konzentrations-Probleme.

Sie suchen immer auch bei sich die Schuld?

Auch ich habe an diesem Tag zu viel übersehen und zu spät bzw. teilweise auch nicht reagiert. In den weiteren Spielen kam das erwartet schwere Programm, wobei wir hier schon eine deutliche Steigerung von Spiel zu Spiel erkennen konnten. Gerade hinsichtlich der Positionsdisziplin und der mannschaftlichen Geschlossenheit war dies bemerkbar. Dies ließ uns weiterhin optimistisch bleiben. So läuft es eben dann wie im wahren Leben. Wenn man unten steht, fehlt auch das bisschen Glück, ob im Abschluss oder in der Verteidigung. Dies alles führte zu dem Fehlstart.

Ab dem 13. Spieltag lief es optimal. Ihr Team war das zweitbeste Rückrunden-Team. Worin sehen Sie die Gründe für diese konstanten Leistungen?

Also eigentlich waren die Leistungen nicht immer so konstant. Es gab sehr positive Spiele und einige, da hatten wir das nötige Quäntchen Glück. Dieses muss man sich jedoch erarbeiten. Wir haben kontinuierlich zu jedem Zeitpunkt weitergearbeitet. Die Trainingsbeteiligung war den Möglichkeiten entsprechend gut. Auch die Integration unseres Neuzuganges Eike Höhn trug zunehmend Früchte. Des Weiteren kannten wir inzwischen jeden Gegner und konnten uns noch intensiver mit den Stärken der anderen Mannschaften beschäftigen.

Spielt da auch der große Zusammenhalt Ihres Teams eine Rolle?

Wichtig sind aus meiner Sicht auch die mannschaftliche Geschlossenheit und das Teamgefühl. Wir wissen, was den VfL Gehrden als kleinen Landverein ausmacht und das versuchen wir auch immer wieder mit guten Leistungen zu zeigen. Dies geht auch auf die jeweiligen Ergänzungsspieler über, wobei hier festzuhalten bleibt, dass wir durch Rotation aus meiner Sicht positive Impulse setzen konnten. Diese Variabilität in allen Mannschaftsteilen war für mich ausschlaggebend. Wir konnten über verschiedene Optionen Gefahr ausstrahlen und unser Abwehrverhalten optimieren.

Auch die Heim- und Auswärtsbilanz kann sich sehen lassen und hält sich die Waage. Woran liegt es, dass Ihr Team sowohl daheim als auch auf fremdem Platz nahezu gleich gut spielt?

Zuhause ging vor allem in der verkorksten Startphase einiges schief. Die Niederlagen gegen Möckern und BBC II waren schmerzlich. In der Rückrunde haben wir nur noch das Spiel gegen den späteren Aufsteiger Güsen abgegeben. Insgesamt denke ich schon, dass wir zuhause etwas stärker sind. Dies liegt zum einen an unserem intensiven Training auf unserem Platz, so dass wir die Platzverhältnisse natürlich sehr gut kennen und einschätzen können. Zum anderen ist die Heimstärke auch unseren Anhängern zu verdanken, die uns immer zahlreich und intensiv unterstützen. Dafür kann ich im Namen der Mannschaft nur einen großen Dank aussprechen.

Und auswärts?

Auswärts waren meines Erachtens in überwiegenden Spielen unsere gute körperliche Verfassung und die ganz gute Zweikampfstärke ausschlaggebend, um den einen oder anderen Punkt noch zu holen oder festzuhalten.

In Sachen Fairness lief es nicht so gut. 50 Gelbe Karten sind ein Spitzenwert. Gibt es da noch Handlungsbedarf?

Ja, sicher ist das nicht unbedingt gut. Zu vermeiden sind zumindest die Karten wegen Meckerei. Dann würde dies schon etwas besser aussehen. Ich glaube, ein gesundes Zweikampfverhalten gehört zum Fußball. Unsere Karten resultieren nie aus bewussten brutalen Fouls und da werde ich auch weiterhin drauf achten. Alles andere sind Nuancen, an denen wir auch weiterhin arbeiten.

Lars Günther war mit 21 Treffern Ihr bester Torschütze und Vierter der Torjägerliste in der Liga. Wie beurteilen Sie seine Leistung?

Eigentlich möchte ich keine einzelnen Spieler hervorheben. Klar ist, dass Torschützen immer in den Medien sichtbar sind, ein Torwart nur dann, wenn er Fehler macht. Aber zu einem erfolgreichen Torschützen gehört eine sehr gut funktionierende Mannschaft. Dies hat den Hauptausschlag gegeben, dass Lars so gut sein konnte. Seine eigene Stärke liegt in einem starken Antritt und seiner Durchsetzungskraft.

Was gibt es insgesamt an Ihrer Mannschaft zu kritisieren und was möchten Sie positiv hervorheben?

Nach so einer Saison mit dem verpatzten Start und dem dritten Platz am Ende gibt es vom Ergebnis her nicht sehr viel zu kritisieren. Sicherlich gibt es einige Punkte, die wir verbessern wollen. Zu unseren Problemen zähle ich immer noch die Chancenverwertung. Hier fehlt uns in manchen Situationen noch die gewisse Kaltschnäuzigkeit. Ebenso ist eine gewisse Konteranfälligkeit weiterhin vorhanden, obwohl ich hier schon Verbesserungen erkennen konnte.

Vieles ist aber von der Anwesenheit der einzelnen Spieler abhängig, da neben dem Gegner auch das jeweils vorhandene Spielerpotenzial oftmals die Taktik bestimmt. Hier werden wir auch weiterhin Probleme haben, da viele beruflich sehr eingebunden sind.

Unterstützt da auch die Reserve-Mannschaft?

Da möchte ich noch einen großen Dank an unsere Zweite nebst Coach Ralf Schmidt richten, deren Spieler uns trotz der eigenen schweren Saison immer unterstützten. Das macht eben unseren Verein aus.

Und wie sieht es mit der Psyche aus?

Auch in den Köpfen muss sich noch etwas ändern, da wir in Führung liegend eine gewisse Leichtsinnigkeit zeigen. Die weiteren Details werde ich mit der Mannschaft bearbeiten.

Und das Positive?

Positiv bleibt sicher auch einiges festzuhalten. Sehr gut hat sich aus meiner Sicht unsere taktische Variabilität entwickelt, auch wenn der eine oder andere Spieler manchmal über seine Position nicht immer erfreut ist. Ebenso sehe ich, wie vorhin schon erwähnt, eine Verbesserung hinsichtlich der Konteranfälligkeit. Ich glaube auch, dass wir mit zunehmender Saison immer konzen- trierter vom Torwart bis zum Ergänzungsspieler unsere Aufgabe wahrgenommen haben.

Wann und wie bereiten Sie sich auf die neue Saison vor?

Seit zwei Wochen sind wir aktuell im Training. Wie bei den meisten Teams ging es erst einmal mit einigen Laufeinheiten los. Am 19. Juli waren wir in Ummendorf beim Aufsteiger in die Kreisoberliga des Bördekreises im Rahmen unserer 45-jährigen Fußballfreundschaft. Das Spiel endete 5:5, wobei beide Mannschaften ein gemischtes Team aus erster und zweiter Mannschaft aufboten.

Steht auch wieder Ihr Trainingslager an?

Dazu fahren wir Ende Juli nach Usedom. Hier werden wir wieder von Mike Witzmann betreut. Dies hat uns schon im letzten Jahr sehr gut gefallen.

Sind noch Testspiele geplant?

Nach dem Trainingslager spielen wir am 2. August gegen die FSG Steutz/Leps und am 9. August gegen den Dessauer SV 97. Für den 16. August haben wir auch noch Anfragen und werden kurzfristig entscheiden, was wir machen werden. Wichtig ist in diesem Jahr, den Fehlstart zu vermeiden. Da haben wir mit dem ersten Spiel schon eine echte Herausforderung. Das Derby beim Aufsteiger in Loburg ist eine sehr schwere Aufgabe, auf die wir uns aber intensiv vorbereiten werden.

Wird es personelle Veränderungen geben?

Erfreulicherweise haben wir neben dem einen oder anderen Spieler, der zukünftig noch stärker beruflich eingebunden sein wird, keine direkten Abgänge zu verzeichnen. Hier hoffe ich, dass neben dem letztjährigen Stamm wiederum René Wiergowski und weiterhin Nico Lehmann aushelfen können. Zu unserer Mannschaft wird Tobias Knape zurückkehren. Erfreulicherweise wird Robert Krause nach langer Verletzungspause wieder auf den Platz zurückkehren. Dies wollen wir jedoch behutsam angehen.

Werden Sie auch wieder auf Ihre zweite Mannschaft zurückgreifen?

Auch in der Zweiten sind Potenzialträger, die ich hier jedoch nicht einzeln aufzählen möchte. Dabei ist es für mich von besonderer Wichtigkeit, dass wir weiterhin unter beiden Teams wertschätzend miteinander umgehen und uns jederzeit gegenseitig unterstützen. Der VfL kann nur gemeinsam bestehen.

Sie möchten noch ein Dankeschön anbringen?

Abschließend möchte ich mich persönlich sowie im Namen der Mannschaft bei allen, die den VfL Gehrden unterstützen ganz herzlich bedanken. Ob beim Training, im Spiel oder auch außerhalb ist diese Unterstützung für uns immens wichtig.

   

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