Die Kegler des SKV Rot-Weiß Zerbst haben einmal mehr bewiesen, wie erfolgreicher Hochleistungssport und organisierter Breitensport in einem Verein unter einen Hut zu bekommen sind. Volksstimme-Redakteur Thomas Zander sprach mit dem Präsidenten des SKV, Lothar Müller.

Volksstimme: Herr Müller, wie fällt ihr ganz persönliches Saison-Fazit aus?

Lothar Müller: Was war das für eine Saison?! Wir haben die Meisterschaft ohne Niederlage verteidigt, den deutschen Pokal erneut gewonnen, den Weltpokal in überzeugender Manier nach Zerbst geholt und auch noch bei den Einzelmeisterschaften mit Mathias Weber und Timo Hoffmann über 120 Wurf und Hoffmann über 200 Wurf Titel und Medaillen errungen. Mehr geht eigentlich nicht. Ich bin mächtig stolz auf die Leistung unserer Mannschaften und Einzelspieler auf nationalem und internationalem Terrain. Das wir auch wieder Mannschaft des Jahres in Sachsen-Anhalt geworden sind, beweist ja auch die öffentliche Wertschätzung dieser Leistung.

Und dann war da noch die Champions League?

Ja, das war unser einziger Aussetzer in der gesamten Spielzeit. Ich kann bis heute noch nicht verstehen, was da passiert ist. Wir haben mit Sicherheit keinen unterschätzt. Warum wir da nicht reagiert haben, als es nicht so lief, wie erhofft, war wohl der einzige wirkliche Fehler der Saison. Zadar hat uns mit den Spielchen in Sachen Aufstellung wohl doch verwirrt. Spieler, die die gesamte Saison überzeugt haben, haben hier versagt. Das ist eben menschlich und macht Sport aus.

Doch über die gesamte Saison gesehen haben ihre Spieler ja auf Top-Niveau agiert?

Unbedingt. Wenn ich mir die Konstanz auf höchstem Niveau von Weber anschaue, der als bester Spieler der Bundesliga und auch bei der Einzel-WM 2014 und den deutschen Einzelmeisterschaften bewiesen hat, dass er echt stark kegeln kann, komme ich ja fast ins Schwärmen. Er war der Stabilste, ein echtes \'Kampfschwein`, hat sich nie aufgegeben. Ebenso Uros Stoklas, der die Konstanz in Person war. Auch die anderen konnten überzeugen, Torsten Reiser hat den ersten deutschen 700er gespielt, hatten aber sicher mal den einen oder anderen Hänger. Aber die konnten wir durch die mannschaftliche Leistungskraft ausgleichen. Die Meisterschaft war ja schon zeitig nach den Siegen gegen Bamberg und Lorsch gewonnen. Das war schon fast beängstigend, wie souverän das lief.

Kann die fehlende Gegenwehr in der Liga für die internationalen Aufgaben ein Problem sein?

Die Liga ist schon stärker als in den letzten Jahren. Aber der ganz große Druck entsteht eben erst in den entscheidenden Spielen bei Weltpokal und Champions League. Da wäre eine größere Gegenwehr im Alltagsgeschäft schon wichtig. Aber viel wichtiger wäre eine bessere Infrastruktur in der Liga. Viel ärmere Länder machen es Kegel-Deutschland vor, wie Top-Kegelbahnen auszusehen haben. In Kroatien, Österreich, Ungarn oder der Slowakei müssen alle Top-Teams Plattenbahnen haben, wo ein faires Spiel auf höchstem Niveau möglich ist. In der Bundesliga gibt es nur zwei, drei solche Bahnen. Da brauchen wir uns nicht wundern, dass die anderen Nationen bei Weltmeisterschaften einen Vorsprung vor unseren Spielern haben.

Steht ihr Verein infrastrukturell und finanziell auf sicheren Füßen?

Das sicherzustellen, ist unsere Hauptarbeit im Vorstand und auch meine persönliche. Im Mai 2009 hatte unser Hauptsponsor seine Zahlungen eingestellt. Das war eine schwere Zeit. Da sind wir aber durchgekommen, haben uns jetzt eine Basis von stabilen Säulen als Partner geschaffen. Klar brauchen wir für die internationalen Wettbewerbe, die Reisekosten in der Bundesliga und auch für die anderen Teams und den Nachwuchs einiges an finanziellen Mitteln.

Sie führen ja auch eine vereinseigene Sportanlage?

Die Kegelbahn ist die größte Herausforderung für den Verein. Hier müssen wir fast alles alleine finanzieren. Unsere Mitglieder müssen mit dem recht hohen Beitrag schon tief in die Tasche greifen. Aber ohne das funktioniert unser Sport nicht. Unser Verein ist praktisch ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern. Wir zahlen Umsatz-, Gewerbe- und Körperschaftssteuer, für einen Verein der Stadt Zerbst sicher nicht alltäglich. Und ich als \'Unternehmer` muss natürlich alles am Laufen halten, muss die \'Mitarbeiter` ständig motivieren und führen, denn nur gemeinsam sind wir erfolgreich.

Die Hilfe von außen ist da doch sicher unerlässlich?

Ohne unsere Partner würde hier nicht viel gehen. Sie haben schon wesentlich mit dafür gesorgt, dass wir jetzt da sind, wo wir sind. Aber das ist nicht nur ein Fakt für meinen Verein. Wenn die Sparkasse hier in der Region nicht so viel tun würde oder die Stadtwerke und viele andere sich engagieren würden, wäre Zerbst doch kulturell, wie auch sportlich ziemlich weit unten. Die Stadt selbst muss natürlich Prioritäten setzen. Aber in ihrer Tourismusbroschüre könnte ich mir durchaus auch den SKV als Werbeträger vorstellen. Wer Zerbst, das Schloss und Katharina besuchen will, könnte sich doch nebenbei auch gleich noch ein Bundesligaspiel bei uns anschauen. Da gäbe es doch sicher positive Effekte für beide Seiten.

Sponsoring ist für Ihren Verein aber kein Selbstläufer?

Im Gegenteil. Oft haben wir nur Ein-Jahres-Verträge. Da muss ich mich jedes Jahr wieder neu anstellen. Diese Kontakte müssen gepflegt werden. Das Sommerfest bei der GETEC war da wieder ein gutes Pflaster. Und auch die Stadt kann da einige Türen öffnen. Unser Bürgermeister Andreas Dittmann ist ein guter Mittler und Partner in komplizierten und schwierigen Situationen. Ich möchte allen Sponsoren und Förderern unseres Vereins für die angenehme Zusammenarbeit danken.