Eigentlich war alles angerichtet für die Landesklasse-Fußballer des TSV Rot-Weiß Zerbst. Eigentlich hatten nur wenige der 120 Zuschauer im Jahn-Stadion mit einer Überraschung durch den Aufsteiger HSV Medizin Magdeburg gerechnet. Und eigentlich hatte TSV-Trainer Torsten Marks seine Elf genau davor gewarnt. Am Ende sollte er Recht behalten, wie sich beim ernüchternden 2:2 (2:1)-Remis vom Freitagabend zeigte.

Zerbst/Magdeburg l Letztlich war es müßig, darüber zu spekulieren, ob mit Marcel Gieseler die Wende doch noch geglückt wäre. Doch ein ziemlich offensichtlicher Fakt war, dass sich nach knapp einer Stunde die ordnende Hand im Spiel der Rot-Weißen verabschiedete. Ein unglücklicher Zweikampf kurz vor der Pause endete für den Zerbster Ideengeber mit einer Schulterverletzung, rund zehn Minuten nach dem Seitenwechsel folgte das endgültige Aus. "Marcel hatte bis dato das Heft des Handelns in der Hand", lobte Marks.

Schlimmer als das Ausscheiden Gieselers war aus Zerbster Sicht eigentlich nur noch der Ausgang des Saison-"Openers". Im offiziellen Eröffnungsspiel der Serie 2014/2015 mochten die Rollen vorher klar verteilt gewesen sein. Doch mit reichlich Kampfgeist, etwas Glück und einer Portion rot-weißen Unvermögens sorgten die Landeshauptstädter prompt für die erste Überraschung der Spielzeit. Gastgebercoach Marks wusste jedenfalls recht schnell, wo die Ursachen für den verpatzten Auftakt lagen: "Die zweite Halbzeit verlief sehr ernüchternd. Wir haben einem Gegner, der eigentlich bereits am Boden lag, beim Aufstehen geholfen. Allerdings werden wir auch nicht den Fehler machen, nach dem 1. Spieltag von einem Fehlstart zu sprechen."

Dabei verlief der Freitagabend zunächst ganz nach Plan. Nach zehnminütiger Anlaufphase war der Favorit hellwach - allen voran in Person von Steve Wollgast. Sowohl beim 1:0-Führungstreffer durch Patrick Möbius (12.) wie auch beim 2:0 (15.) bewies er Übersicht und glänzte mit mustergültigen Anspielen. So weit, so wunschgemäß. Doch unmittelbar nach dem schnellen Doppelschlag traten die Rot-Weißen jäh auf die Bremse. "Bis dahin haben wir ganz prima gespielt, waren kaum in der Abwehr gefordert und hätten eigentlich auch das dritte Tor nachlegen müssen", haderte Marks. Doch während die Gäste zunächst kaum für Gefahr sorgten, halfen die Seinen quasi mit dem Halbzeitpfiff nach: Bei einer eigentlich unbedenklichen Eingabe der "Mediziner" waren sich TSV-Keeper Ricardo Werner und der zuvor gelobte Wollgast nicht einig, so dass Johannes Heise die Einladung zum ersten Landesklasse-Treffer der Magdeburger annahm - nur noch 2:1 (45.).

Damit nicht genug: Nur zwei Minuten nach Wiederbeginn stellten die Gäste den Spielverlauf völlig auf den Kopf - 2:2. "Wieder haben wir mitgeholfen. Die Situation vor dem zweiten Gegentor hätte längst geklärt sein müssen." So aber zögerte Holger Franke nicht lange und zog satt zum Ausgleich ab. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit nach Gelb-Rot gegen Heise (53.) gelang der angestrebte Siegtreffer der Rot-Weißen nicht mehr. Im Gegenteil: "In Unterzahl konnte sich der HSV Medizin noch berechtigte Hoffnungen auf den Siegtreffer machen. Hut ab vor dieser Leistung eines Aufsteigers. Die Punkteteilung ging absolut in Ordnung."

Damit wollen sich die Zerbster indes in einer Woche nicht zufrieden geben. Am Sonnabend, 9. August, gastiert der TSV beim SV Arminia Magdeburg - dann vielleicht wieder mit ordnender Hand auf dem Spielfeld und bei der Rückreise den ersten drei Punkten im Gepäck.

TSV Rot-Weiß Zerbst: Werner - F. Sens, Fischer, Wollgast, Kunitschke, Wiegelmann, P. Möbius, Gieseler (55. Reichhardt), Syring (63. Wachtel), S. Sens, Böning (63. C. Sens)

HSV Medizin Magdeburg: Brachwitz - Heise, Mai (89. Platte), Wiebe (65. Lehmann), Schönberg, Kowal, Rrustemi (73. Sprenger), Mußel, Worlich, Wawilow, Franke

Tore: 1:0 Patrick Möbius (12.), 2:0 Bastian Wiegelmann (15.), 2:1 Johannes Heise (45.), 2:2 Holger Franke (47.); SR: Sebastian Goermer (Dessau-Roßlau), Torsten Hüttig, Ingolf Kirsch; ZS: 120