Koblach l Doch vor der Galavorstellung im Halbfinale stand die überaus schwere und bis zum letzten Wurf nicht gesicherte Qualifikation.

Nachdem am ersten Qualifikationstag mit den Ergebnissen von Mathias Weber (624) und Christian Helmerich (548) nur der fünfte Rang eingespielt wurde, hofften alle SKV-Anhänger, dass der Sprung in die K.o.-Spiele am Donnerstag noch gelingen würde. Doch Axel Schondelmaier (570) startete mit einer durchwachsenen Leistung.

Glücklicherweise traf Uros Stoklas (607) ordentlich und hielt den SKV im Spiel. Doch gleich drei Teams kämpften innerhalb von 20 Kegeln hinter den davongeeilten Österreichern und Serben um die zwei noch offenen Plätze. Die vermeintliche Vorentscheidung zugunsten der Zerbster fiel im fünften Durchgang, als Teamchef Timo Hoffmann mit starken 610 Kegeln gegen Podbrezova (55) und Szeged (16) mehr oder weniger große Vorsprünge herausspielte.

Dann startete im direkten Duell der Schluss-Spieler ein Qualifikations-Krimi, der schwer in Worte zu fassen ist. Vilmos Zavarko brachte die Slowaken immer näher an den SKV heran. Norbert Kiss hielt für Szeged ebenso gegen und Boris Benedik (593) schwächelte zwischenzeitlich für den SKV. Die Angst vor dem Ausscheiden war fast zu greifen. Aber drei Wurf vor Schluss entschied der Slowene mit einer Neun das Kopf-an-Kopf-Rennen zugunsten der Rot-Weißen.

Der Jubel kannte kaum Grenzen. Erleichterung machte sich im SKV-Lager breit. Gerade mal einen Vorsprung von elf Kegeln rettete Benedik ins Ziel.

Zwischen den beiden anderen Teams musste bei Kegelgleichheit das um sechs Kegel bessere Abräumergebnis entscheiden. Tief enttäuscht mussten die Slowaken um den ehemaligen Zerbster Ivan Cech die Heimreise antreten, während die Ungarn aus Szeged jubelten.

"Wir haben alles getan, damit wir hier stehen. Jetzt lasst uns einfach Gas geben und gewinnen."

SKV-Teamchef Timo Hoffmann.

Hoffmann schwor seine Jungs auf das Halbfinale gegen Belgrad emotional ein: "Jetzt beginnt ein völlig neuer Wettkampf. Eine andere Bahn und das Spiel Mann gegen Mann lassen die Qualifikations-Ergebnisse vergessen. Wir haben alles getan, damit wir hier stehen. Jetzt lasst uns einfach Gas geben und gewinnen."

Und genau das taten die Zerbster mit Bravour. Sie spielten von Beginn an wie aus einem Guss. Besonders Weber zelebrierte unter dem frenetischen Applaus der SKV-Fans, Team-Kollegen und auch der neutralen Zuschauer Kegeln wie von einem anderen Stern. Obwohl sein Gegenspieler lange stark gegenhielt, Baranj traf starke 653 Kegel, holte Weber mit neuem Bahnrekord von 673 Kegeln bei 2:2 Sätzen den ersten Mannschaftspunkt (MP) für den Titelverteidiger.

Auch Stoklas (3:1, 640) ließ sich nicht lumpen und gewann gegen Simijonovic (630) MP Nummer zwei. Einzig Schondelmaier (1:3, 613), der zwar stark spielte, dessen Wurf aber nicht so "schlug" wie bei seinem Gegner, musste gegen Kovacic den MP abgeben.

Wer dachte, Belgrad könnte nun zur Aufholjagd blasen, täuschte sich mächtig.

Der zweite Durchgang des SKV drehte erneut gleich zu Beginn seiner Partie enorm auf und spielte die Serben förmlich an die Wand. Benedik entnervte Ostojic (576) und deklassierte ihn mit 4:0 Sätzen und tollen 651 Kegeln.

Thomas Schneider (1,5:2,5, 631), der erst am Abend zuvor in Koblach anreisen konnte, hatte seinen "Lieblingsgegner", Geburtstagskind Jovan Calic (648), am Rande einer Niederlage, musste sich aber doch knapp geschlagen geben.

Was aber Teamchef Hoffmann auf die Bahn zauberte, stand der Traum-Vorstellung von Weber nicht nach. Er zwang die Belgrader bereits auf der zweiten Bahn, den entnervten Antal auszuwechseln und hatte nach drei Bahnen seinen MP sicher. Aus taktischen Gründen gab er nun auch noch Torsten Reiser (zusammen 4:0, 679) eine Einsatzchance, der sich mit einer 176er Bahn bedankte und seinen Ärger über sein bisheriges Reservisten-Dasein in positive Energie umsetzte.

Schon während des Schluss-Durchgangs feierten die Rot-Weißen und ihre Fans auf der schönen Koblacher Anlage lautstark. Die Gesänge "Hier regiert der SKV ...", "Immer wieder SKV ..." und "Finale oho ..." hallten in den Nachmittagshimmel. Spieler, Offizielle und Fans tanzten auf de Bahn und lagen sich jubelnd in den Armen. Dass das Gesamtergebnis von 3887 Kegeln auch noch einen neuen Bahnrekord darstellte, war da nur Nebensache.

"Heute haben wir gezeigt, was wir wirklich drauf haben. Das war von der ersten Kugel an absolute Konzentration und unbändiger Siegeswillen. Wenn wir das morgen nochmal auf die Bahn bringen, ist die Titelverteidigung keine Utopie", blickte Kapitän Hoffmann schon auf das heutige Finale.

Dort treffen die Zerbster um 15 Uhr auf Szeged. Die Ungarn setzten sich im zweiten Halbfinale gegen St. Pölten mit 5:3 und 3793:3717 Kegeln durch.