Zerbst l Meist reicht ein kurzer Augenblick, nur ein Wimpernschlag, um das Leben völlig zu verändern, positiv oder negativ. Leider war es bei Thomas Möhring ein negatives Erlebnis.

Den 26. Juli 2014 wird der Kicker des TSV Rot-Weiß Zerbst sicher niemals vergessen, auch wenn er ihn lieber aus seinem Gedächtnis streichen würde. Im Vorbereitungsspiel gegen Aken wurde er kurz vor der Pause in einem Zweikampf unabsichtlich, aber überaus unglücklich getroffen, so dass er sich das Schien- und Wadenbein brach.

"Im Nachhinein gebe ich dem Gegner keine Schuld", sagte der Zerbster. "Er hatte einen Verfolger hinter sich und konnte mich nicht sehen und lief in mich rein. Ich war schneller am Ball und hatte einen festen Stand und er konnte nicht mehr bremsen. Und dann war es passiert", zuckte er traurig mit den Achseln.

Die Diagnose war niederschmetternd: Doppelter Schien- und Wadenbeinbruch, also ein Trümmerbruch. "Das größere Problem war, dass die Nerven geschädigt wurden und dass mein Bein taub geworden ist", sagte der Mittelfeldakteur, der sich zu der Zeit in Topform befand.

"Die Ärzte meinen, dass es bis zu einem Jahr dauern kann, bis alles wieder so ist, wie es sein sollte", sagte der Allroun- der, der mit seiner Schnelligkeit und Athletik ein ganz wichtiger Spieler ist: "Der Bruch an sich macht keine Probleme. Aber alles, was unter der Bruchstelle ist, weil das unterversorgt wurde. Und das muss nun nach und nach wieder aufgebaut werden."

Einen langen Leidensweg hat Thomas Möhring bereits hinter sich. Ein Ende ist zwar noch nicht absehbar, aber er ist voller Hoffnung. "Ich hatte einige OP`s und bin bei Holger Rommel und außerdem in Halle im Bergmannstrost-Krankenhaus beim Neurologen in Behandlung. Vor Kurzem war ich drei Wochen lang in Bad Schandau zur Reha und jetzt habe ich noch eine Reha-Nachsorge in Magdeburg bei MD Reha. Parallel dazu gehe ich zur manuellen Therapie", erzählte er. "Ich hoffe und denke, dass ich auch irgendwann wieder Fußball spielen kann."

Und er hat den Eindruck, dass alles getan wird, dass er schnell wieder gesund wird. "Ich mache auch selber viel und ich habe das Gefühl, dass ich in guten Händen bin", gab er an.

Seit dem Unfall ist der Angestellte der Stadt Magdeburg krankgeschrieben. Er ist froh, dass er so einen verständnisvollen Arbeitgeber hat. "Er hat mir von Anfang an den Rücken freigehalten. Das war äußerst wichtig für meine Psyche, dass ich von dieser Seite her keinen Druck hatte."

Eine Prognose, wann und ob er wieder Fußball spielen wird, konnte der er nicht geben. "Ich habe jetzt noch einen Verriegelungsnagel, der geht vom Knie bis zum Knöchel. Der wird erst nach eineinhalb Jahren wieder entfernt, also frühestens dann", lächelte er. Schmerzen hat der 29-Jährige nicht. "Der Nagel ist zwar etwas zu lang und es knackt ab und zu im Knie, aber das stört die Heilung nicht und mich selber auch nicht."

Den Nagel zu entfernen, soll laut Aussage von Dr. Rommel "kein großer Eingriff sein". "Dann müssen die Narben noch heilen, aber darüber mache ich mir noch keine Gedanken. Es ist ja noch eine Weile hin", so der Verletzte, der Ende März wieder arbeiten gehen möchte.

Und er hofft sehr, dass er irgendwann auch wieder Fußball spielen kann. "Ich hoffe es sehr und arbeite daraufhin. Erst einmal möchte ich körperlich problemlos den Alltag bewältigen und dann auch an sportlichen Aktivitäten teilnehmen."

Auf die Frage, wie weh es tut, nur von Außen das Spiel seiner Mannschaft sehen zu können, meinte er: "Es ist für mich schon schwierig, dass von Außen alles mitzuerleben. Ich bin auch nicht der Ruhigste. Es tut schon weh. Aber es ist mein Hobby und bleibt mein Hobby, ob ich nun aktiv oder passiv dabei bin. Ich bin nah an der Mannschaft dran, bin oft beim Training, bei jedem Spiel. Wir sind trotzdem ein eingeschworener Haufen."

Und die Unterstützung von seiner Mannschaft ist ihm auch enorm wichtig. "Sie stärkt mir auf jeden Fall den Rücken. Es gab ein schönes Bild, dass die Jungs gepostet hatten. Sie hatten sich abends getroffen und alle hatten sich einen Verband um das Bein gebunden und mir das Foto geschickt. Das war schon eine schöne Aktion", lächelte er.

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