Der Teamchef und Kapitän der Zerbster Kegler vom SKV Rot-Weiß, Timo Hoffmann, kämpft momentan bei der Kegel-Team-WM in Speichersdorf mit der deutschen Nationalmannschaft um Medaillen. Dort ist er ein absoluter Leistungsträger. Volksstimme-Redakteurin Simone Zander sprach mit ihm über den Aufwand, den er dafür betreibt und seine Ziele.

Volksstimme: Herr Hoffmann, Sie haben in den bisherigen Spielen Weltklasse-Leistungen gezeigt. Waren Sie in der Vorbereitung voll auf die WM fokussiert?

Timo Hoffmann: Wir hatten im Februar schon entschieden, dass ich als Spieler und nicht als Trainer zur WM fahre. Seitdem habe ich intensiv trainiert.

Was heißt intensiv, welcher Zeitaufwand steckt dahinter?

Ich trainiere jetzt dreimal pro Woche. Vor allem dieses ganze Drumherum als Trainer hat Oliver Scholler übernommen. Das macht mir den Kopf frei.

Sie haben ja "ganz nebenbei" einen intensiven Job als Banker in der Führungsetage. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Im Job habe ich natürlich auch alles geplant und vorbereitet. Die Arbeit ist erledigt und jetzt bin ich im Urlaub. Da kann ich dann schon abschalten. Und nächste Woche gehe ich wieder ganz normal in den Job.

Werden Sie vom Arbeitgeber freigestellt?

Nein, ich nehme einen Teil meines Jahresurlaubs.

Gibt es von Seiten der Sporthilfe keine Unterstützung?

Die kriegen wir leider nicht mehr, weil wir ja international nicht mehr so erfolgreich waren. Deswegen gibt es keinen Verdienstausgleich oder so etwas. Die Unterstützung durch die Sporthilfe ist erfolgsabhängig und die Erfolge haben in den letzten Jahren gefehlt. Sind wir erfolgreich, schaffen wir es auch wieder, in diese Förderung zu kommen.

Wie sehen Ihre persönlichen Ziele für die WM aus?

Ich möchte gute Spiele abliefern und immer dazu beitragen, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind. Ich denke, das ist mir jetzt zweimal ganz gut gelungen. Aber wir haben bisher noch nichts erreicht. Morgen geht`s halt wieder los.

Ihre Familie war auch hier. Wie wichtig ist Ihnen das?

Das ist für mich ganz entscheidend, weil sie begleiten mich immer und jetzt eben sehr nah. Das ist viel wert. Im Endeffekt ordne ich das ganz anders ein. Die Familie ist für mich immer das Wichtigste. Das Kegeln ist ein schönes Hobby. Wenn ich meine Familie um mich habe, habe ich auch Spaß am Kegeln. Vor allem, wenn ich weiß, meiner Familie geht es gut. Wenn ich dann kegeln darf, ist das eine Zugabe.

In Zerbst sind Sie der Teamchef, der Kapitän und der "Macher". Können Sie diese Chefrolle hier ausblenden?

Das hier ist die Nationalmannschaft und das andere ist Zerbst. Das Gros des Jahres habe ich meine Gedanken natürlich in Zerbst. Jetzt ist es die Nationalmannschaft und das wäre den anderen gegenüber nicht fair, wenn die Nationalmannschaft nur aus Zerbst besteht.

Aber vorwiegend sind es ja doch Zerbster. Beweist das auch, wie stark der Zerbster SKV ist?

Ja und das ist kein Zufall. Es wäre ja schlecht, wenn wir in einer Sportart regelmäßig deutscher Meister werden und bei der Nationalmannschaft keine Spieler dabei wären.

Gibt es aus Ihrer Sicht einen echten Heimvorteil hier?

Es ist ein deutlicher Vorteil, finde ich. Am Sonntag war es ex- trem. Da musste ich erst einmal damit umgehen. Es bringt auf jeden Fall wahnsinnig Motivation, aber auch Verpflichtung. Die Leute erwarten viel und wir haben die Verpflichtung, jeden Tag Bestleistungen abzurufen. Jeder Tag, jedes Spiel ist wichtig. Wir stehen jetzt im Viertelfinale und müssen von Spiel zu Spiel denken. Wenn wir die Leute so begeistern wie am Sonntag glaube ich, können wir am entscheidenden Tag was Besonderes erreichen, woran wir heute noch gar nicht glauben.

Ist es etwas Besonderes, emotional Anderes, hier auf der Bahn zu stehen als im Liga-Alltag? Entstehen da "Versagensängste"?

Angst habe ich eigentlich keine. Aber ich bin sehr fokussiert und gehe damit anders um. In Zerbst sind wir eine Mannschaft, die intern sehr ausgeglichen ist. Da verteilt sich die Verantwortung. Hier habe ich gefühlt doch etwas mehr Verantwortung, weil ich mit Abstand der Älteste bin. Da muss ich natürlich eine gewisse Überzeugung vorleben. Ich setz mich im Kopf damit auseinander. Wenn ich nervös und unruhig bin, ist es schlecht für die anderen.

Wie machen Sie das?

Ich zieh mich etwas zurück und gehe meinen eigenen Weg, um im Kopf klar zu werden. Es ist was anderes als in Zerbst, auf jeden Fall.

Merken Sie, dass die jungen Spieler sich an Ihnen ein Beispiel nehmen?

Wir hatten viele Lehrgänge. Da hatte ich schon versucht, ihnen vorzuleben, wie wichtig das Training ist und wie wichtig jede Kugel ist, die wir spielen. Ich habe da schon immer eine sehr gute Leistung gezeigt, war einer der Besten. Das hat ihnen dann schon gezeigt, dass Erfolg kein Zufall ist.

Konditionell sind Sie nach der Vorrunde erst recht gefordert, da dann jeden Tag gespielt werden muss. Wie stecken Sie das weg?

Ich bin darauf vorbereitet und habe beim Lehrgang jede freie Bahn genutzt. Was ich im Vorfeld abarbeiten konnte, holt mich jetzt nicht mehr ein.