"Auf geht`s Deutschland spiel ´ne Neun ...". Mit diesen Gesängen werden heute Vormittag die Fans der deutschen Classic-Kegler ihre "Jungs" im Halbfinale der Team-Weltmeisterschaft in Speichersdorf gegen Ungarn nach vorn peitschen.

Speichersdorf l Und nach dem großartigen Viertelfinal-Erfolg gegen Rumänien (siehe auch Seite 10) sind die Erwartungen noch weiter gestiegen. "Dabei haben wir mit dem Halbfinaleinzug unser großes Ziel, die Bronze-Medaille, ja schon sicher. Was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Aber wenn du im Halbfinale stehst, willst du natürlich auch das Finale erreichen und um den Titel kämpfen. Erst recht mit diesem fantastischen Publikum im Rücken", meint ein hochmotivierter Torsten Reiser.

"Wenn wir genauso stark agieren wie heute, dann müssen uns die Ungarn erst mal schlagen."

Nationaltrainer Oliver Scholler.

Doch der heutige Gegner ist kein Geringerer als der Titelverteidiger und Weltrekordhalter Ungarn. Die Magyaren haben in Speichersdorf ihr großes keglerisches Vermögen und ihre mannschaftliche Stärke schon mehr als einmal unter Beweis gestellt. In der Vorrunde gab es für Ungarn drei klare Siege gegen Italien, die Slowakei und Kroatien. Im Slowakei-Spiel verpassten sie ihren eigenen Weltrekord, erzielt bei der letzten WM vor zwei Jahren, mit 4009 Kegeln gerade einmal um drei Kegel. Ein deutlicher Beweis für ihre Klasse.

Neben zahlreichen Einzel-Könnern, Levante Kakuk (695), Tamas Kiss (675) und das Duo Norbert Kiss/Balasz Rudolf (701) erzielten absolute Spitzenwerte, beeindruckt bei den Ungarn auch die mannschaftliche Geschlossenheit.

Doch gerade hier will das deutsche National-Team ansetzen. Im Viertelfinale gegen Rumänien gab es durch Youngster Timo Hehl (686) und den Zerbster Thomas Schneider (677) ebenfalls zwei überragende Einzel-Resultate. Und in der Breite zeigten Mathias Weber und Fabian Seitz hohes Potenzial. Wenn jetzt der zu Turnierbeginn so starke Timo Hoffmann und die anderen deutschen Spieler ihr wahres Leistungsvermögen abrufen können, ist selbst gegen den Weltmeister eine Überraschung möglich.

Das frenetische Publikum mit den trommelnden Fans aus Zeulenroda fordert von den Deutschen sowieso ständig unbändigen Kampf. "Diese wahnsinnige Kulisse treibt enorm. Es ist aber auch gleichzeitig ein enormer, aber meist ein positiver Druck. Ohne dieses Publikum wäre wohl Einiges hier nicht möglich", hofft Reiser auch heute auf die lautstarke Unterstützung der Halle.

Hehl, der seine erste Herren-WM spielt und als achter Mann gerade noch in die Mannschaft gerutscht ist, glaubt nach seiner überragenden Leistung gegen Rumänien jetzt auch an mehr: "Die Ungarn haben ein starkes Team. Wir aber auch. Und dann dieses Publikum. Da müssen wir ja einfach immer weiter kämpfen."

Der deutsche Teamchef Oliver Scholler, selbst jahrelang im Trikot des SKV Rot-Weiß Zerbst aktiv, nahm aus dem Viertelfinalerfolg auch nur Positives mit ins heutige Halbfinale: "Wenn wir genauso stark agieren wie heute, dann müssen uns die Ungarn erst mal schlagen. Jetzt versuchen wir aber, erst einmal die Köpfe wieder frei zu bekommen. Doch wir freuen uns schon über das Erreichte. Eine Medaille ist ja fast schon mehr, als wir erwartet haben." Welche Farbe sie aber hat, steht erst heute Abend fest. Die "Deutsche Wand" der Fans in der Speichersdorfer Arena war sich jedenfalls schon nach dem Vorrundenspiel gegen Serbien sicher: "Im Finale, da gewinnen wir ...".

   

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