Ein Bus mit 20 "kegelverrückten" Fans, in dem ununterbrochen Jubelgesänge zum Besten gegeben werden. Ist dies ein Szenario unmittelbar nach einer Niederlage? Am Sonnabend in Bamberg ja, denn die SKVer feierten trotz der 2:6 (3535:3620)-Niederlage den Gewinn des sechsten Deutschen Meistertitels infolge.

Bamberg. Was war geschehen? Am frühen Sonnabendmorgen hatten sich 20 der eisernsten Fans des SKV Rot-Weiß Zerbst mit einem eigens dafür gecharterten Bus auf den Weg nach Bamberg gemacht, um die Rot-Weißen bei ihrem Saisonfinale gegen den stärks-ten Gegner in der Kegel-Bundesliga, Victoria Bamberg, zu unterstützen. Die Stimmung unterwegs und vor allem später in der Bamberger Kegelhalle war perfekt. Schließlich war der erneute Meistertitel ja schon vor zwei Wochen gegen Schwabsberg sicher gemacht worden.

Die "Tafel" war also für ein Zerbster Freudenfest gerichtet.Allerdings zeigten die Gastgeber von Beginn an, dass sie gewillt waren, dem alten und neuen Meister die erste und einzige Saison-Niederlage beizubringen.

"Ich hatte fast erwartet, dass heute die Luft ein wenig raus sein könnte nach dem Highlight letzte Woche mit dem Champions League-Finale. Wir wollten natürlich trotzdem gewinnen, aber die letzten zehn Prozent, die wir brauchten, um die starken Bamberger zu schlagen, waren nicht mehr herauszukitzeln", so das Resümee des Zerbster Teamchefs Timo Hoffmann, der nach dem Spiel nicht so sehr traurig über das verlorene Prestige-Duell war.

Jürgen Zeitler (1:3, 594) war nach drei verlorenen Bahnen gegen Nationalmannschafts-Kollege Carsten Heisler (616) ebenso chancenlos wie Youngs-ter Christian Helmerich (0:4, 569) gegen den Tagesbesten Harald Zitzmann (629). Einzig Torsten Reiser (2:2, 586) hielt das direkte Duell gegen Vladimir Galjanic (606) lange Zeit offen. Mit 3:0 Mannschaftspunkten (MP) und 102 Kegeln Rückstand war das Spiel natürlich entschieden.

SKV-Präsident Lothar Müller befürchtete sogar eine "peinliche 0:8-Klatsche". Aber der zweite Zerbster Durchgang stemmte sich mit vollem Elan gegen die Blamage. Und dies erfolgreich. Thomas Schneider (2,5:1,5, 609) besiegte den Bamberger "Oldie" Karl Geier (586) mit konstantem Spiel über vier Bahnen. Ähnlich erging es Axel Schondelmaier (2,5:1,5, 591) gegen Uwe Wagner (578). Nur Cosmin Craciun (1:3, 586) war auf seiner ehemaligen Heimbahn übermotiviert und konnte Michal Gredziak (605) nicht halten.

"Trotzdem ist es für mich etwas Besonderes, gerade hier meine erste Meisterschafts-Medaille in Empfang zu nehmen", so stolz der Rumäne, der ja nicht gerade "in Frieden" aus Bamberg nach Zerbst gewechselt war.

Nach Abschluss der Partie jubelten die Gastgeber über ihren klaren Triumph und die Zerbster gemeinsam mit den lautstark "Deutscher Meister ist nur der SKV" skandierenden Fans die Titelverteidigung.

Wie dann allerdings die Siegerehrung verlief, schlug dem Fass den Boden aus. Nicht nur, dass weder DKBC-Präsident Altmann noch Sportdirektor Bernhard zugegen waren, um den Deutschen Meister zu ehren. Der DKBC-Vizepräsident Peter Kilian gratulierte dem SKV-Team förmlich, hielt es jedoch nicht für nötig, den Aktiven die Goldmedaillen umzuhängen. Er "drückte" sie ihnen in den Plastehüllen in die Hand. Auch die persönliche Gratulation der Akteure mit Handschlag erfolgte erst, als bereits der Vizemeister geehrt war.

"Diese Art der Ehrung hat mich schwer getroffen", so SKV-Mannschaftsleiter Timo Hoffmann. "Wie achtlos uns die Medaillen übergeben wurden, der Handschlag erst im Nachhinein erfolgt ist, so etwas habe ich noch nicht erlebt." Meistertrainer Günter Doleschel legte nach: "Jede Ehrung der Staffelsieger in der Landesliga hat mehr Niveau. Dieses Vorgehen ist einfach unerträglich."

So hatte ein sowohl für Bamberg mit dem Sieg, als auch für Zerbst mit der Meisterschaft fast perfekter Tag schon einen faden Beigeschmack.

Die Laune ließen sich jedoch Zerbster Spieler und Fans nicht verderben. Während sich die Mannschaft auf den Weg zur "Meisterfeier" zum befreundeten Verein nach Speichersdorf machte, gingen die SKV-Fans singend per Bus auf die Heimreise. Noch weit hinter den Bamberger Stadtgrenzen klang deutlich das "Deutscher Meister SKV" in die fränkische Landschaft.

 

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