Am Sonnabend war für den HSV in der Dessauer Anhalt-Arena mehr drin. Nach klarer 18:15-Halbzeitführung ließ der Zerbster Verbandsligist in Hälfte zwei die spielerische und körperliche Konsequenz vermissen, die zum möglichen Sieg nötig gewesen wäre. In den letzten zehn Minuten gaben die HSVer nach Führung das Spiel wieder aus der Hand. Dessau-Roßlau nutzte am Ende mit kämpferischem Aufbegehren sowie individueller Stärke die Chance zum 34:31-Sieg.

Dessau. Am Ende jubelten die Gastgeber, weil sie sich jetzt im oberen Teil der Tabelle endgültig festsetzten. Die Zerbster ließen die Köpfe hängen. Nach der hauchdünnen Niederlage gegen Kühnau nun erneut solch ein knapp verlorenes Spiel.

Trainer Bodo Benecke hatte in der fast menschenleeren Anhalt-Arenabis auf Hannes Pöls alle Spieler auf der Bank. Bei den Hausherren fehlten Holger Koppeng und Sebastian Schulz. Dafür holte Trainer Rösike erneut den 44-jährigen Volker Preißner ins Team. Der ExZweitligaspieler versenkte acht entscheidende Bälle im Zerbster Kasten.

Unter den 91 Zuschauern (samt Kassenwart und Büffetfrau) waren 35 Zerbster Anhänger mit angereist. Durch den HSV-Fanclub hatten die Zerbster die klare Oberhand bezüglich der Lautstärke.

Nach sechs Spielminuten hatte Linkshänder Preißner dreimal eingeklinkt. Die Rösike-Truppe führte 4:0. Ein klassischer Fehlstartder Zerbster. Dann für die gesamte erste Halbzeit eine Initialaktion. Im Training hatte Benecke den ersten Siebenmeter des Spiels auswerfen lassen. Ralf Steffen gewann und durfte den ersten Wurf vom Punkt ausführen. So kam es dann auch in der 7.Minute und Steffen traf gegen seine ehemaligen Mannschaftskameraden zum 1:4. Wenn der 1,90 Meter Recke danach hochstieg, zappelte der Ball im Netz.

Sebastian Daudert (nach Anfangsproblemen) und David Maerten (trotz vergebener Großchance) warfen den HSV 11:7 weiter in Front. Der Tabellenvierte wirkte ratlos. HV-Trainer Rösike holte seinen Keeper an die Seitenlinie, redete auf ihn ein. Ohne große Wirkung. Lewin kanonierte aus dem Stand den Ball ins Netz. Maerten nutzte seine Chancen auf Linksaußen und Daudert warfdas 18:14, ehe wieder Preißner zum Halbzeitresultat (15:18) einwarf.

Die Torhüter hielten im Rahmen der Erwartungen. Die Abwehr stand noch halbwegs und vorn war der HSV einfach schneller. Er führte zu Recht mit drei Toren nach 30Minuten.

Dessau-Roßlau kam eindeutig aggressiver und mit viel mehr Druck auf die Nahtstellen der HSV-Abwehr aus der Kabine. Trainer Rösike hatte die richtigen Worte gefunden und die Mannschaft top für die zweite Hälfte eingestellt. In der 34. Minute folgerichtig der Ausgleich zum 19:19.

Der HSV ließ die Gastgeber beim Spielaufbau gewähren, "schonte" förmlich den 44-jährigen Preißner und spielte für den sehr agilen Thomas Kirchstein in der Abwehr regelrecht den "Einweiser". Der Dessauer Routinier riss für seine Mitspieler trotz Manndeckung ("Das kann nicht sein", Benecke) das Spiel mit seinem Eins gegen Eins aus dem Feuer. Die Rösike-Truppe konnte sich zwar nicht absetzen, war aber auf dem Feld präsenter (40./21:20).

Benecke ließ im Angriff ständig wechseln (Steffen, Hohmann, Daudert, Lewin), aber Druck wurde trotzdem nicht erreicht. Zudem steigerten sich die gegnerischen Torleute. Dagegen boten beide HSV-Torhüter nicht wie erhofft den notwendigen Rückhalt. Der HSV hielt trotzdem gegen und führte in der 51. Minute wieder mit zwei Toren (29:27).

Dann drei Pfostentreffer der Zerbster, eine Zeitstrafe für Daudert, ein vergebener Siebernmeter und eine unverständliche Reserviertheit in der Deckung. Die 35 Zerbster Fans forderten unüberhörbar immer wieder mehr Biss in der Abwehr. Es half nichts. Trotz Zeitstrafe (Kirschstein) nutzte der HV in den letzten Spielminuten konsequenter seine individuellen Stärken. Trotzdem war 90 Sekunden vor Abpfiff für den HSV sogar noch ein Remis drin (vergebener Siebenmeter).

Am Ende gab es in der Anhalt-Arena wieder keinen Punkt. Die Zerbster müssen sich jetzt wieder aufrichten und das nächste Spiel auswärts gegen Bernburg II konzentriert angehen.

HSV: Haberland, Engler - Lewin (4), Tiepelmann (1), Maerten (4), Daudert (10/3), Krümmling (1), Hohmann (2), Els (2), Steffen (7/1), Markmann, Kämpfer. Zuschauer:91.