Frankfurt/Main - Nach der überzeugenden Generalprobe seines Musterschülers Severin Freund stieg Werner Schuster mit einem guten Gefühl und voller Vorfreude in den Flieger gen Sotschi.

Bei den Olympischen Winterspielen im Putin-Reich hofft der Skisprung-Bundestrainer auf die Krönung seines Wirkens. "Wir haben über Jahre eine Philosophie verfolgt und ein junges Team aufgebaut. Das Ziel ist es, mit diesem Team zwei Medaillen zu machen. Eine im Einzel und eine in der Mannschaft", verkündete er zuversichtlich.

Als Schuster im Frühjahr 2008 die damals flügellahmen DSV-Adler übernahm, trat er sein Amt mit dem Anspruch an, ein Team mit Klassespringern zu formen. Nun ist die Zeit aus seiner Sicht reif, die Früchte der mühevollen Aufbauarbeit zu ernten. "Wir haben die Leute dafür. Natürlich ist das ein hohes Ziel. Speziell im Einzel, wo viele auf das Podest kommen können. Aber bei dem Aufwand, den wir betreiben, können wir diesen Anspruch geltend machen", betonte der 44 Jahre alte Familienvater aus Österreich.

Unter Schuster gingen deutsche Skispringer bei keinem Großereignis leer aus. Mehr als eine Medaille war jedoch nie drin. 2009 wurde Martin Schmitt WM-Zweiter. 2010 in Vancouver gab es Olympia-Silber durch die Mannschaft, die auch bei den Weltmeisterschaften 2011 und 2013 Edelmetall gewann.

Gold war allerdings nie dabei. Davon träumt nicht nur Schuster. "Als deutschem Skispringer bleibt einem natürlich Salt Lake City in Erinnerung. Wenn man die Bilder von damals sieht, dann ist das extrem beeindruckend. Wir werden alles dafür tun, dass wir wieder so etwas in den Köpfen verankern können", erklärte Severin Freund.

2002 saß er aufgeregt vor dem Fernseher, als Schlussspringer Martin Schmitt dem deutschen Quartett das Team-Gold bescherte. Zwölf Jahre danach ist Freund selbst der Frontmann, auf dem die Hoffnungen ruhen. Verrückt macht er sich deshalb nicht: "Meine Gemütslage ist sehr gut und sehr entspannt, weil ich noch nie bei Olympia war. Deshalb ist es ein Riesending, dabei zu sein. Ich werde mit großen Augen dorthin gehen und freue mich extrem darauf."

Nach seinem Hänger bei der Vierschanzentournee ist Freund rechtzeitig wieder obenauf und fliegt nach seinen beiden zweiten Plätzen beim Weltcup in Willingen am Mittwoch mit breiter Brust nach Sotschi. "Es zweimal auf das Podium geschafft zu haben, ist ein extrem gutes Zeichen für mich. Es hat mir gezeigt, dass meine Sprünge stabil sind", sagte Freund.

Auf den 25-Jährigen hält Schuster seit langem große Stücke. Seine Erleichterung über Freunds Rückkehr zur alten Stärke ist daher groß. "Es ist natürlich top, wenn der Mann, der das deutsche Skispringen in den letzten Jahren relativ konstant repräsentiert hat, wieder die Bestätigung erhalten hat, dass er ganz vorne mitspringen kann", erklärte Schuster.

Noch haben seine Schützlinge den Nachweis der absoluten Weltklasse allerdings nicht erbracht. Wenn es um die Wurst ging, fehlte bisher immer etwas zum ganz großen Wurf. Das soll sich nun ändern. "Mit Severin Freund und Andreas Wellinger haben wir zwei absolute Topleute. Die anderen schwanken noch, sind aber auf einem guten Weg", sagte Schuster und versicherte: "Mit dieser Mannschaft kann man erhobenen Hauptes nach Sotschi fahren."