Sotschi - Do swidanja Sotschi: Mit einer rauschenden Schlussfeier will Russland Abschied nehmen als Olympia-Gastgeber - aber den kompletten Ablauf verraten die Organisatoren nicht vorher.

Bekannt ist, dass der Theaterregisseur Daniele Finzi Pasca die Show gestaltet hat. Der Schweizer leitete bereits den Kehraus der Winterspiele 2006 in Turin. Die wichtigste Frage der Zeremonie laute aber anders, meinen russische Medien: "Fliegt der Bär?"

Gemeint ist eins der drei Maskottchen der Wettkämpfe in Sotschi, und die Anspielung gilt einem legendären Flug. Bei den Sommerspielen 1980 erhob sich am Ende der Schlussfeier ein riesiger Ballon in Form des populären Braunbären "Mischa" in den Moskauer Nachthimmel über dem Stadion. "Wer das gesehen hat, vergisst es nie", sagt Fernseh-Generaldirektor Konstantin Ernst. "Vielleicht können wir das in Sotschi irgendwie wiederholen - ohne es zu kopieren", meint er.

Rund drei Milliarden Fernsehzuschauer sahen am 7. Februar die Eröffnungsfeier in Sotschi - und eine peinliche Panne: einer von fünf riesigen Schneekristallen öffnete sich nicht wie vorgesehen. Das Bild der Flocke, die 20 Meter über dem Fischt-Stadion verloren neben vier olympischen Ringen hängt, ging um die Welt. Im Internet hagelte es hämische Kommentare. Das wollen die Gastgeber nicht auf sich sitzen lassen. "Natürlich war das nicht schön", räumt Vize-Regierungschef Dmitri Kosak ein. "Wir werden auf der Schlussfeier diesen Fehler korrigieren", kündigt der für Olympia zuständige Ressortchef an.

Manches wird aber an diesem Sonntag ab 17.14 Uhr MEZ (20.14 Uhr Ortszeit) ähnlich sein wie bei der Eröffnung. Hunderte Athleten marschieren durch das weite Rund, angeführt von Fahnenträgern, der beim deutschen Team noch nicht bekannt war. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, wird zu den etwa 40 000 Zuschauern im Stadion sprechen. Auch Operndiva Anna Netrebko will wieder singen, geplant ist ein Auftritt mit Star-Dirigent Waleri Gergijew und einem riesigen Kinderchor.

Gewidmet sei die Feier aber dem "Einfluss der russischen Kultur auf das Welterbe aus Sicht eines Europäers", sagt Ernst der Agentur R-Sport. "Um ein möglichst unparteiisches Bild von unserer Kultur zu vermitteln, haben wir den Mitteleuropäer Daniele Finzi Pasca gewählt", erzählt der TV-Direktor. Die besten Schriftsteller, Musiker und Künstler Russlands sollen "durch das Prisma ihrer unvergesslichen Romane und Kunstwerke" gespiegelt werden.

"Die Künstler, die wir vorstellen, waren zu ihrer Zeit Revolutionäre und haben die ganze Welt beeinflusst", sagt Ernst. Der 1964 in Lugano (Tessin) geborene Pasca ist unter anderem ein Autor der berühmten Show Cirque du Soleil. In Russland wurde er besonders durch eine Aufführung von "Aida" 2011 in St. Petersburg bekannt.

Bei der Zeremonie übergibt Sotschi auch die Olympia-Fahne feierlich den Vertretern der südkoreanischen Stadt Pyeongchang, in der 2018 die nächsten Winterspiele stattfinden. Russische Medien fragten am Freitag, was von den Wettkämpfen am Schwarzen Meer bleibt. Die Rekordsumme von 37,5 Milliarden Euro hatte Kremlchef Wladimir Putin dafür ausgeben lassen.

Im Oktober wird erstmals der Formel-1-Zirkus in Sotschi zu Gast sein, in vier Jahren soll die Kurstadt dann Spiele der Fußball-WM beherbergen. "Wir haben geliefert, was wir versprochen haben", sagt Organisationschef Dmitri Tschernyschenko. Die Zeitung "Kommersant" jedoch fragt: "Nun zieht die Flamme weiter - bleibt das Feuer?"