Erst Gold, dann Geld: Chinas täglich größer werdende Schar der Olympiasieger von Peking wird zu Millionären, aber es sind manchmal seltsame Wege zum Reichtum. Der Name des Gewichthebers Long Quingquan beispielsweise soll zur Likörmarke werden. Längst sind auch in der kommunistischen Volksrepublik die Schecks der Privatwirtschaft einträglicher für die Sportler als die Prämien der Parteiführung.

Vergleichsweise lächerliche 250 000 Yuan, umgerechnet 25 000 Euro, gibt es vom Staat. Das sind beim Heimspiel in Peking immerhin 5000 Euro mehr als in Athen. Fast noch wertvoller ist allerdings die Befreiung von der Einkommenssteuer für alle Olympiaprämien. Die Fong Ying Tung Foundation etwa hat für jeden chinesischen Olympiasieger ein Kilo Gold und 55 000 Euro ausgelobt.

In einem Land, in dem das jährliche Durchschnittseinkommen der 1,3 Milliarden Einwohner nicht viel mehr als 700 Euro beträgt, ist das unglaublich viel Geld. "Meine Familie hat alles gegeben, damit ich Gold gewinne", meinte die Schützen-Olympiasiegerin Chen Ying, der sogar die Krebserkrankung ihrer Mutter verschwiegen wurde: "Jetzt kann ich etwas zurückgeben."

Nach seriösen Schätzungen werden es für jeden von Chinas Goldgewinnern mindestens zwei Millionen Yuan (200 000 Euro) sein. Die Privatfirmen, wie der Chef des Likörproduzenten aus Nanjing, stehen Schlange, um vom guten Namen der Gewinner zu profi tieren.

"Firmen nutzen auch in China exzellente Sportler als Markenbotschafter", sagt Wei Jizhong, ehemaliger Vizechef des Nationalen Olympischen Komitees für China: "In der chinesischen Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren viel verändert."

Als der Sportschütze Xu Haifeng 1984 die erste Goldmedaille für China holte, bekam er gerade mal 900 Euro, und sein Monatseinkommen schoss von 5 auf knapp 10 Euro in den Himmel. "Ich habe mich damals wie ein Millionär gefühlt", sagt Xu. Heute führt in der Forbes-Liste der reichsten Sportler Chinas Basketball-Star Yao Ming mit einem Einkommen von 38 Millionen Euro im Jahr 2007.

Dahinter folgt der gerade gestrauchelte Hürdensprinter Liu Xiang mit 16 Millionen Euro. Der Athen-Olympiasieger ist im Land des Erfolgs inzwischen so populär, dass seine 13 Sponsoren sogar nach der verpassten Goldmedaille weiter mit ihm werben wollen.

Der größte Profiteur der Spiele heißt freilich Li Ning und hat in Peking nicht mal an einem Wettkampf teilgenommen. Nachdem der dreimalige Turn-Olympiasieger von Los Angeles 1984 nach einer spektakulären Flugeinalge im "Vogelnest" das Olympische Feuer entzündet hatte, schnellten die Aktien seiner Sportbekleidungsfirma in die Höhe. Li Ning war mit einem Schlag um gut 20 Millionen Euro reicher.