Turn-Star Fabian Hambüchen hat jedenfalls keine bekommen, und auch Olympiasieger Alexander Grimm schaut eher ratlos. "Es soll 100 000 kostenlose Kondome im olympischen Dorf geben? Bei mir sind keine angekommen", sagt der 21-jährige Slalom-Kanute. Hintergrund ist eine Aktion der Vereinten Nationen, mit der Spitzensportler aus aller Welt für den Kampf gegen AIDS gewonnen werden sollen. Der deutsche Chef de Mission, Michael Vesper, meint dazu nur trocken: "Es kann doch jeder selbst für seine Kondome sorgen." Dagegen begrüßen viele Sportler aus den USA die Aktion - nur wo sind die Gummis ?

"Vor Athen haben wir drei bei der Einkleidung bekommen, diesmal kein einziges", sagt Hambüchen. Die Idee der UN findet er jedenfalls gut: "Das ist doch eine super Sache, wenn man nicht dran gedacht hat." Für sich selbst sehe er aber eindeutig keinen Bedarf, "ich habe meine Freundin". Auch Radsportler Stefan Schumacher sagt nur knapp: "Ich bin vergeben." Allerdings muss er schon einräumen, dass "man im olympischen Dorf unter attraktiven Menschen" sei. Auch Olympiasieger Grimm sieht die dortige Mensa als Laufsteg: "Da laufen Frauen rum, die sich ganz schön präsentieren." Der Taekwondo-Kämpfer Sebastien Konan von der Elfenbeinküste sieht das olympische Dorf ebenfalls eindeutig als Kontaktbörse: "Für den Fall der Fälle habe ich daher meine eigenen Kondome eingepackt."

Nach Angaben der Vereinten Nationen in New York ist die Aktion Teil der Kampagne "Play safe - Help stop HIV" (Spiel sicher - Hilf HIV zu stoppen). Das UN-Programm gegen AIDS (UNAIDS), das Internationale Olympische Komitee ( IOC ) und das chinesische Olympia-Komitee wollen damit die Aufmerksamkeit für das Problem schärfen. "Berühmte Sportler können eine wichtige Rolle dabei spielen, die Botschaft zur Notwendigkeit der HIV-Vorsorge zu vermitteln, weil sie von jungen Leuten als Vorbild angesehen werden", so IOC-Präsident Jacques Rogge. Weltweit leben 33 Millionen Menschen mit dem Virus. Bei den Neuinfektionen sind zu 45 Prozent junge Leute zwischen 15 und 24 Jahren betroffen.

"Ich finde das richtig gut mit den Kondomen im olympischen Dorf", meint daher auch die deutsche Badminton-Vizemeisterin Juliane Schenk. "Ich selbst hab’ aber noch keine gefunden, vielleicht muss ich noch weiter suchen." Schenk meint, dass das olympische Dorf, in dem derzeit mehr als 11 000 Athleten untergebracht sind, ein idealer Ort für Freundschaften oder sogar mehr ist. "Da ist für jeden etwas dabei", lacht die Badminton-Spielerin. Ruderer Andreas Penkner ist sich allerdings sicher: "Wer ein Kondom braucht, der hat auch eines dabei." Er selbst habe keines nötig und er wüsste auch nicht, wo die UN-Kondome abzugreifen wären.

Das scheint nach einer nicht repräsentativen Umfrage offenbar nur einer zu wissen: Der kanadische Schwimmer Mathieu Bois. Er verrät: "In den Gesundheitszentren des olympischen Dorfes stehen riesige Glasschalen, da kann man sich immer bedienen." Und er ist überzeugt: Wenn die meisten Sportler mit ihren Wettkämpfen fertig sind, wird richtig Party gemacht - und auch in die Schale gegriffen.