Gestern habe ich mir den Luxus geleistet und einen Abstecher in die " Verbotene Stadt " gemacht. Kolossal dort. Das ist so etwas wie früher Wandlitz. Nur eben auf chinesisch. In der " forbidden city " ( Verbotene Stadt ), wie sie bei den Touristen heißt, lebten einst, abgeschirmt vom Volk, die Herrscher des Reiches der Mitte.

Das ist aber vielleicht schon die einzige Parallele zum ehemaligen Politbüro-Ghetto im Brandenburgischen. Ging es dort eher plüschig und bieder zu, ließen sich die Ex-Kaiser nicht lumpen. Hinter überdimensionalen Mauern reiht sich ein Palast an den anderen, wertvolle Kunstschätze wurden gehortet.

Und weil Herrschen schon früher anstrengte, ließen sich die Mings und Qings und wie sie hießen, ihre Freizeit schön gestalten. Landschaftsarchitekten zauberten ein Gärtchen hin, vom Feinsten. Mit Zypressen, Pinien, exotischen Edelhölzern, Pavillons, Brücken, Wasserläufen, Zierfischteichen. Ein " must " ( Muss ) für den deutschen Kleingärtner.

Auch für den modernen politisch Interessierten lohnt ein Bummel allemal. In einem der Paläste ist ein einst verborgener Schrein zu besichtigen. Mit ihm hat es eine besondere Bewandtnis. Wenn ein Kaiser meinte, er mache es nicht mehr lange, schrieb er den Namen seines Nachfolgers einfach auf einen Zettel, warf ihn ins Kästchen und basta. Wenn dann der letzte Atemzug getan war, gab es keinen Streit ums politische Erbe. Was wäre der SPD alles erspart geblieben, hätte Willy Brandt so ein Kästchen besessen ...

Jetzt muss ich es zugeben : Auf der Suche nach Eunuchen, wie vor ein paar Tagen an dieser Stelle versprochen, bin ich nicht fündig geworden. Obwohl sie genau hier zu Hause waren. Nur sie und die Konkubinen hatten Zugang zum sogenannten inneren Zirkel der Stadt, um den Kaisern ein wenig zur Hand zu gehen.

Auch das unterscheidet Peking übrigens von Wandlitz. Man stelle sich nur mal vor : Ein Eunuche im Haus von Günter Mittag. Was das für die Volkswirtschaft bedeutet hätte ... Kurz und gut, die Eunuchen-Wohnungen habe ich gesehen, sie selbst nicht. Aber wer weiß, man ( n ) erkennt die Kerle äußerlich ja gar nicht so leicht.