Sieben Athleten aus Sachsen-Anhalt oder den Vereinen des Bundeslandes gehen bei den Winterspielen in Sotschi an den Start, wenigstens fünf haben Chancen auf eine Medaille. Die Volksstimme gibt einen Überblick.

Tatjana Hüfner: Ihr Trainingsstart in Sotschi ist ziemlich hart gegen die Bande geschlagen. 17 Kurven muss die Rodlerin aus Blankenburg durch den 1325 Meter langen Eiskanal im "Sanki" Sliding Center nehmen. Sie hat dann ihre Fahrfehler bei der ersten Einheit gelassen akzeptiert. "Ich habe im zweiten Lauf zwei harte Banden gefangen", sagte Hüfner. "Aber es sind ja noch vier Trainingsläufe." Die 30-Jährige und "Sanki" haben bereits Freundschaft geschlossen, als die Olympiasiegerin von Vancouver zum Sieg gefahren war im letzten Weltcuprennen der Saison 2012/13. "Mir gefällt die Bahn", sagte sie seit dem Erfolg.

Fehler können Hüfner nicht mehr irritieren. Nach ihren langwierigen Rückenproblemen gab sie auch in Sotschi grünes Licht: "Mir geht es gut, ich bin gesund, das ist das Wichtigste." Wichtig für das Selbstvertrauen war für Tatjana Hüfner auch der Sieg im Weltcuprennen von Oberhof im Januar: Sie ist die einzige Athletin, die die Topfavoritin Natalie Geisenberger (Miesbach) in dieser Saison geschlagen hat.

Und mit ihrer Erfahrung und ihrer gewonnenen Lockerheit hat sie deshalb alle Chancen, am 11. Februar, wenn der letzte der vier Läufe um die Medaillen beendet ist, mit ihrer zweiten olympischen Goldmedaille um den Hals dem Blitzlicht der Fotografen entgegenzustrahlen.

Toni Eggert: Die letzte Nachricht, die der Pilot Toni Eggert und sein Doppelsitzer-Partner Sascha Benecken über das soziale Netzwerk abgesendet haben: "Wir sind heil gelandet und senden euch Grüße aus Sotschi", schrieben die beiden auf ihrer Facebook-Seite. Zudem zeigt ein Bild den Ilsenburger Eggert und seinen "Rucksack" vor traumhafter Kaukasus-Kulisse bei strahlendem Sonnenschein. Glückskinder eben. Mit schöner Aussicht auf eine Medaille.

Als Zweite des Gesamtweltcups gehören sie nun zu den Favoriten, das ist klar. Zwei Rennen haben sie gewonnen in dieser Saison. Zweimal also haben sie den "Bayern-Express" mit Tobias Wendl/Tobias Arlt, der als Topfavorit in den Wettbewerb geht, geschlagen. "Und unser neuer Schlitten ist richtig schnell, er lässt sich richtig gut fahren", erklärte Eggert. So soll es auch in Sotschi sein, wenngleich die Erinnerungen an das Weltcuprennen im vergangenen Winter eher schlecht sind. Eggert und Benecken hatte es in einer Kurve ausgehoben, sie hatten den 13. Platz belegt. "Dieser Fehler wird uns nicht noch einmal passieren", sagte damals der 25-jährige Pilot. Bundestrainer Norbert Loch ist vorsichtig mit einer Prognose: "Sie sind alle das erste Mal bei Olympia. Die tun ganz locker und cool, aber die wissen noch gar nicht, was auf sie zukommt. Ich sage, bei den Doppelsitzern wollen wir eine Medaille."

Bei zwei sauberen Fahrten am 12. Februar, ebenfalls auf 1325 Metern und durch 17 Kurven, ist Eggert/Benecken Gold zuzutrauen. Und wie für sie gilt auch für Tatjana Hüfner: Im Falle eines Sieges wartet eine weitere Chance im Teamwettbewerb.

Marko Hübenbecker: Er ist gerade in Istanbul. In der Türkei. Christoph Langen wollte die kurze Pause von Sotschi so: "Ich habe diese Alternative gewählt, um einen Lagerkoller zu vermeiden", sagte der Bundestrainer der Bobpiloten und -anschieber. "Um einfach noch mal abzuschalten", nannte es Marko Hübenbecker.

Der Anschieber vom Mitteldeutschen Sportclub (MSC) sitzt im Vierer von Maximilian Arndt. Der ist allein als amtierender Weltmeister ein Goldfavorit im 1365 Meter langen Kanal mit 19 Kurven. Ist er das wirklich? Arndt ist zumindest nicht chancenlos. Zwei Weltcuprennen hat der Oberhofer gewonnen im Januar. Aber nach dem doppelten Bänderriss im Knöchel des Piloten, wenige Wochen vor Beginn der Olympiasaison, hing er mit seinen drei Anschiebern bei den Startzei ten hinterher.

Im Zweier (16./17. Februar), den Arndt ebenfalls mit Hübenbecker fährt, ist deshalb an eine Medaille nicht zu denken. Besser stehen die Chancen im Vierer (22./23. Februar), aber die haben bei diesen Spielen so viele wie nie zuvor: Oskar Melbardis (Lettland), Beat Hefti (Schweiz), Steven Holcomb (USA), Alexander Subkow (Russland) - auch Francesco Friedrich (Oberbärenburg) und Thomas Florschütz (Riesa).

Mit Kevin Korona schickt der MSC zudem einen zweiten Anschieber nach Sotschi, als Ersatzmann für die leichten Jungs im deutschen Team. Sein Pendant bei den schweren Männern ist Jan Speer (SC Potsdam). Korona trat im vergangenen Sommer die Reise vom Sandbett in den Eiskanal an. Der ehemalige Weitspringer (Bestweite: 7,72 Meter) ist Nürnberger, 25 Jahre, und erfüllt sich mit der Olympia-Teilnahme einen Traum: "Ich bin richtig glücklich, der Wechsel von der Leichtathletik zum Bob war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte."

Der dritte Anschieber aus Sachsen-Anhalt ist übrigens Thorsten Margis aus Halle. Der 24-Jährige hat sich seinen Platz im Friedrich-Vierer gesichert, kommt aus der Leichtathletik, ist seit 2011 am Schlitten aktiv. Margis saß im Bob des neuen Juniorenweltmeisters im Vierer, Albrecht Klammer (Oberbärenburg), im Januar. Er startet für den BSC Winterberg.

Franziska Hildebrand: Vor einem Jahr klangen Gespräche mit Franziska Hildebrand immer etwas traurig. Nach jedem Rennen musste die Biathletin aus Köthen ihren Rückstand auf die Weltspitze in der Loipe resümieren. Damals betrug er zirka fünf Sekunden auf einen Kilometer. Sie verzog dann ein bisschen ihr Gesicht, oder sie seufzte immer ein wenig ins Telefon ob dieser Tatsache.

Der Schock saß im März 2013 besonders tief, als der Deutsche Skiverband sie auch noch aus dem Elitekader warf. Sie fuhr dann auf dem Schiff quer durchs Mittelmeer, sie tankte neuen Mut. Und kam motiviert und stärker als je zuvor zurück. Mit dem vierten Platz in Ruhpolding (Einzel) erreichte sie im Januar ihr bestes Saisonergebnis. Und im Einzel setzen die Verantwortlichen nun auch im Biathlon- und Langlaufzentrum "Laura" in Sotschi auf die 26-Jährige. "Ich bin in guter Form und habe auch schon einige gute Rennen zeigen können. Dadurch sehe ich Olympia recht optimistisch entgegen", sagte Hildebrand.

Die Bundestrainer haben am Freitag eine Entscheidung getroffen: Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl) wird zum Auftakt der Damen-Rennen am Sonntag neben Andrea Henkel (Großbreitenbach), Laura Dahlmeier (Partenkirchen) und Franziska Preuß (Haag) den Sprint und dann die Verfolgung bestreiten. "Wir haben insgesamt sechs Disziplinen, da müssen wir schauen, wie wir die Einsätze am besten dosieren", sagte Uwe Müssiggang. Zu schwache Leistungen seien für die Nominierung nicht entscheidend gewesen, betonte der Chefcoach.

Hildebrand hat neben dem Einzel über 15 Kilometer (14. Februar) auch im Massenstart über zehn Kilometer (17. Febuar), für den sie aufgrund ihres 13. Platzes in der Gesamtwertung gesetzt ist, eine Chance auf einen Platz in den Top Ten. Außerdem kann sie sich für die Mixed- und die Damenstaffel nominiert werden. Das Gefühl sagt zumindest: Sie kehrt mit einer Medaille aus Sotschi zurück.

Andreas Wank: Das erste Ziel hat der Skispringer bereits erreicht: Andreas Wank wird am Sonntag von der Normalschanze im "RusSki Gorki" Jump Center von Krasnaja Poljana mitspringen. Auf drei Starts bei den Spielen hatte er im Vorfeld der Winterspiele gehofft. Bundestrainer Werner Schuster gab einen Einblick in die Medaillenambitionen für den ersten Wettbewerb: "Wir haben mit Severin Freund und Andreas Wellinger definitiv zwei Eisen im Feuer. Richard Freitag ist der Joker, Andreas Wank hat Außenseiterchancen."

Wank hat mit seiner Nominierung im teaminternen Duell Marinus Kraus verdrängt. Und zumindest dürfte es als sicher gelten, dass dies auch im Mannschaftsspringen am 17. Februar der Fall sein wird. Mit olympischem Silber wurde Wank, der am 18. Februar seine 26 Jahre alt wird, 2010 bereits dekoriert. Er sagte: "Ich habe sensationelle Erinnerungen an Vancouver. Mit der Silbermedaille ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Es wäre sehr schön, Ähnliches wieder erleben zu dürfen."

Die Zuschauer erlebten damals bei der Siegerehrung einen gerührten Wank, aus dem die Freudentränen schossen. Zumindest nach dem Teamspringen dürfte er in Sotschi ein Dejà-vù erleben.

   

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