Severin Freund scheint für die tragische Rolle des ewigen Vierten gebucht zu sein. Zum dritten Mal nacheinander verpasst er bei einem Großereignis nur knapp eine Einzelmedaille. Im Teamwettbewerb an diesem Montag will er mit seinen Kollegen endlich aufs Podest.

Nach seinem zweiten olympischen Alptraum erhielt der völlig frustrierte Severin Freund zu mitternächtlicher Stunde Trost vom Bundestrainer. Während Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch von seinen Teamkollegen auf Schultern durch den Auslauf getragen wurde und Skisprung-Opa Noriaki Kasai mit der japanischen Flagge in der Hand sein Sensationssilber bejubelte, nahm der gefasst wirkende Werner Schuster seinen sichtlich mitgenommenen Musterschüler in die Arme. "Ein vierter Platz ist immer bitter, vor allem bei einem Großereignis", sagte Freund nach Blech statt Bronze, das ihm der Slowene Peter Prevc wegschnappte.

In der Nacht der großen Emotionen lag Freund nach der nur um 2,6 Punkte verpassten Medaille noch lange wach. "Was ich in dem Moment gedacht habe, sage ich auf keinen Fall laut", schilderte er den Moment, als der Traum vom ersten deutschen Einzel-Edelmetall seit dem Silber-Gewinn von Sven Hannawald 2002 brutal geplatzt war. "Ich werde mich noch ein wenig ärgern und meinen Frust rauslassen, dann beginnt die Vorbereitung auf die Mannschaftsentscheidung. Irgendwann stehe ich auch mal auf dem Podest", erklärte Freund trotzig, nachdem er bereits beim Wettkampf von der kleinen Schanze gestürzt war und damit die erste Medaillenchance vergeben hatte.

Am Montag nimmt er mit dem Team einen erneuten Anlauf. "Da wollen wir nach oben, da gehören wir nach oben", sagte Freund kämpferisch. Und Marinus Kraus, der mit Platz sechs ein glänzendes Olympia-Debüt feierte, versicherte nach seiner Aufholjagd: "Wir lassen nicht locker. Wenn jeder brav springt, dann wird das was."

Im Finale war der 23-Jährige von Rang 24 weit nach vorne gesprungen. "Ich habe in der Leaderbox ein wenig vor mich hingeträumt. Es gibt nichts Schöneres, als wenn man dort 15 Nummern zuschauen darf, wie die anderen runterkommen", sagte Kraus. Richard Freitag enttäuschte dagegen erneut mit Rang 21. Sprachlos war Andreas Wellinger, der nach Rang 45 wie ein Häufchen Elend in der Kabine saß. Dem Bundestrainer blieben nur 24 Stunden, um seine Schützlinge wieder aufzubauen. Denn die Konkurrenz im Mannschaftswettbewerb ist hart. "Zwischen Platz eins und sechs ist alles drin", so Schuster.

Und entsprechend möglich ist es seit Sonntag, dass der Domnitzer Andreas Wank seine zweite olympische Medaille in einem Mannschaftswettbewerb nach Silber 2010 in Vancouver gewinnt. Bundestrainer Schuster nominierte den 25-Jährigen, der damit Richard Freitag ersetzt. Freitag unterlag am Sonntag in einem Ausspringen sowohl Wank als auch Andreas Wellinger. (dpa)

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